Die Künstler auf der Bühne schauten in den fast leeren Saal, während eine Kamera ihren Auftritt aufnahm. Nur die Organisatoren waren vor Ort und kümmerten sich während des Auftritts um die Technik und die Kommentare unter dem Livestream. © Madlen Gerick
Ahaus singt

Weihnachtsstimmung per Livestream: „Ahaus singt“ begeistert auch digital

Mitten in der Pandemie ein stimmungsvolles Weihnachtssingen auf die Beine zu stellen, ist mit großem Aufwand verbunden. Den Organisatoren von „Ahaus singt“ gelang das trotzdem.

Um kurz vor 17 Uhr am Samstag ist es in der Stadthalle in Ahaus mucksmäuschenstill. Dann spielt Pianist Karl-Heinz Höper ein Lied an. Singer-Songwriter Salip Tarakci hält schon das Mikrofon in der Hand und wartet darauf, loslegen zu können.

Als er dann anfängt zu moderieren, bleibt es still in der Stadthalle still. Obwohl alles beleuchtet und geschmückt ist, schauen die Musiker auf der Bühne in einen Saal voll leerer Stühle. Nur sechs Personen sind da, von denen drei den Blick auf die Laptops vor ihnen gerichtet haben. Nein, das hier ist keine Generalprobe. Das ist die „Ahaus singt – Home Edition“.

Livestream erreicht durchgehend rund 300 Haushalte

Was Salip Tarakci auf der Bühne sagt, verfolgen zur gleichen Zeit rund 300 Haushalte im Livestream auf den Plattformen Youtube, Facebook oder der Internetseite der Stadt Ahaus. Sie sitzen wahrscheinlich gemütlich zu Hause in ihren Wohnzimmern, mit einer Tasse Glühwein oder heißer Schokolade in den Händen.

Dann schauen sie zu, wie nach und nach die ganze Band auf der Bühne erscheint. Neben Sänger Salip Tarakci und Pianist Karl-Heinz Höper sind das Drummer Martin Sommer, Gitarrist Boris Golubovic und Sängerin Sarah Kipp. Und schon geht es los mit dem ersten Weihnachtslied zum Mitsingen: „Alle Jahre wieder“. Es ist das fünfte Jahr in Folge, in dem die Aktion „Ahaus singt“ stattfindet – auch wenn in diesem Jahr natürlich alles anders ist.

Sänger Salip Tarakci und Sängerin Sarah Kipp
Sänger Salip Tarakci und Sängerin Sarah Kipp © Madlen Gerick © Madlen Gerick

Besinnliche Stimmung trotz Coronakrise

„Es ist total wichtig, gerade jetzt in dieser Zeit das Internet zu nutzen und so etwas zu machen – so kommt man auf andere Gedanken und kann Mut machen“, begründet Salip Tarakci die Entscheidung für die Home-Edition von „Ahaus singt“. Zusammen mit Karen Jungkamp von der Stadt Ahaus hat er die Projektleitung inne.

Neben der Band rund um Salip Tarakci, die mit Weihnachtsklassikern wie „Morgen Kinder wird’s was geben“ und „In der Weihnachtsbäckerei“ zum Mitsingen animiert, treten auch die Poetry Slammer Peter Panisch und Marie Gdaniec sowie der Alstätter Chor „Young Voices“ auf.

Poetry-Slammerin Marie Gdaniec beschreibt ihr Verhalten während des ersten Lockdowns mit einem Augenzwinkern. „Tag 21: Ich backe Bananenbrot – so wie gerade jeder. Ist das wirklich Brot oder doch Kuchen?“, fragt sie sich.
Poetry-Slammerin Marie Gdaniec beschreibt ihr Verhalten während des ersten Lockdowns mit einem Augenzwinkern. „Tag 21: Ich backe Bananenbrot – so wie gerade jeder. Ist das wirklich Brot oder doch Kuchen?“, fragt sie sich. © Madlen Gerick © Madlen Gerick

Großer technischer Aufwand lohnt sich

Letztere geben den Song „Have Yourself a Merry Little Christmas“ zum Besten. Weil aktuell kein ganzer Chor auf der Bühne stehen darf, haben sich die Veranstalter etwas besonderes überlegt: Die Mitglieder von „Young Voices“ und die Instrumentalbegleitung haben sich im Vorhinein selbst beim Singen und Spielen aufgenommen. Die einzelnen Videoclips wurden dann zu einem Video zusammengefügt und im Livestream ausgestrahlt.

Technisch gesehen bedeutet die „Ahaus singt – Home Edition“ also viel Aufwand. „Die Techniker haben zwei Tage lang alles aufgebaut“, so Salip Tarakci. Und auch am Tag selbst steht das ganze „Ahaus singt“-Team noch vor einer Herausforderung, weil drei Künstler kurzfristig in Quarantäne müssen. Doch davon, dass noch ein bisschen improvisiert wurde, bekommen die Zuschauer nichts mit.

So sieht der Auftritt des Chors
So sieht der Auftritt des Chors „Young Voices“ im Livestream aus. © Madlen Gerick © Madlen Gerick

Zuschauer bedanken sich in den Kommentaren

Die Kommentare unter dem Livestream im Internet zeigen: die Aktion ist gelungen. So bedankt sich ein Zuschauer für „den Lichtblick in dieser Zeit voll schlechter Nachrichten“. Viele Zuschauer hätten auch, wie aufgefordert, ein Video von sich beim Mitsingen an die Organisatoren geschickt, sagt Karen Jungkamp von der Stadt Ahaus. Aus den Einsendungen wird später ein Zusammenschnitt veröffentlicht.

Die Veranstalter freuen sich, dass so viele Menschen mitgemacht haben. „Es ist richtig komisch, hier zu stehen und keinen Applaus von euch zu hören“, gibt Salip Taralkci an seine Zuschauer gewandt zu. Aber die Kommentare in den Sozialen Medien sprächen für sich. „Da bekomme ich Gänsehaut. Das ist schön, dass ihr das so würdigt.“

Das Konzert zum Nachhören: https://www.youtube.com/watch?v=xCWNgwhtPC4

Über die Autorin
freie Mitarbeiterin
Das Praktikum bei der Münsterland Zeitung hat mich für den Journalismus begeistert. Also ging es nach Dortmund, um Journalistik zu studieren. Wenn ich wieder in der Heimat bin, liebe ich es über Themen zu berichten, die die Menschen hier bewegen.
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Madlen Gerick

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