Wenn die Coronazeit die Blockwart-Mentalität in einem weckt

Coronavirus-Kolumne

Viele Leute jubeln laut, und Anne Winter-Weckenbrock denkt darüber nach, ob die Fußball-Fans bei aller Freude genug Abstand halten. Die Coronazeit löst allmählich merkwürdige Gedanken aus.

Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Vreden, Südlohn

, 08.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
So durfte man bislang als BVB-Fan  jubeln, wenn es Grund dafür gab. Aktuell darf man sich dabei nicht zu nahe kommen – kein Handschlag, keine Umarmung, kein Küsschen.

So durfte man bislang als BVB-Fan jubeln, wenn es Grund dafür gab. Aktuell darf man sich dabei nicht zu nahe kommen – kein Handschlag, keine Umarmung, kein Küsschen. © picture alliance / dpa

Es ist schön, dass man sich wieder treffen kann in diesen Coronazeiten. Muss es aber denn gerade dann so kühl werden, dass der Grillabend nicht ohne Wolldecke vonstatten gehen kann? Aber egal, wollen wir mal nicht meckern. Wie gesagt, es ist schön und man genießt es so richtig, mit Freunden zusammenzusitzen, zu reden und zu lachen. Ob irgendwo privat auf der Terrasse oder im Restaurant oder Biergarten.

Den Samstagabend haben wir gleich genutzt und uns zum Grillen bei Freunden getroffen. Es war trocken, die Sonne blinzelte durch die Bäume und der Wind pfiff einigermaßen kühl. Aber Grillen geht eben nur draußen, also hieß es – warm eingepackt – ab auf die Terrasse.

„Ob die wohl Abstand halten?“

Dort saßen wir und hörten lauten Jubel aus der Nachbarschaft: „Jaaaa!!!!“ Unverkennbar Torjubel beim Samstagsabendspiel und für mich eine wichtige und gute Nachricht, dann das konnte nur heißen, dass mein Lieblingsteam gerade in Führung gegangen war. „BVB-Fans“, hatte unsere Freundin nämlich bemerkt. „Das sind aber viele“, bemerkte einer an unserem Tisch. „Ob die wohl Abstand halten?“ fragte ich.

Und dann fragte ich mich – einigermaßen erschrocken –, ob die Coronazeit mich jetzt im Innersten schon zu einem kleinen „Blockwart“ gemacht hat. Der nur die Einhaltung der Regeln im Kopf hat. Der sich zwar über die Fan-Freude freut, aber sofort daran denkt, ob das Jubeln wohl in geordneten Bahnen verlaufen ist. Also ohne Umarmungen oder sogar Freudenküsschen. Mann, Mann. Schlimmer darf es nicht werden.

Vorfreude auf Umarmungen

Bislang habe ich es geschafft, beim Begrüßen im Höchstfall mit den Ellenbogen anzustoßen oder es bei einem freundlichen Winken zu belassen. Wenn man denn keinen Mundschutz trägt, dann kann das Gegenüber zumindest erkennen, dass das Winken von einem freundlichen Lächeln begleitet wird. Kurzum: Ich freue mich darauf, irgendwann einmal wieder ein paar Leute drücken zu dürfen. Und nicht darüber nachdenken zu müssen.