Ausbilder Maik Demes (r.) gibt einem Azubi Heizung-, Sanitär-, Klimatechnik (SHK) einen Arbeitsauftrag bei der Gesellenprüfung. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Corona und die BBS

Wenn künftige Anlagenmechaniker bei der Gesellenprüfung Maske tragen

Prüflinge mit Maske, die Rohre zusammenschrauben oder durch Trennwände getrennt werkeln: So eine Gesellenprüfung gab es an der BBS noch nie. Nur eine von vielen Corona-Folgen.

An der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) herrscht Ausnahmezustand. Auch hier verhindert ein Virus die Normalität. Mal wieder. Nach dem siebenwöchigen Komplettausfall im Frühjahrs-Lockdown ist in dem aktuellen aber zumindest in Teilbereichen Bildungsarbeit möglich. Allerdings mit großen Einschränkungen und unter gezielten Hygienevorkehrungen.

Wie zum Beispiel in dieser Woche bei den HSK-Gesellenprüfungen, den praktischen Abschlussprüfungen der Auszubildenden Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik. Nils Hortmann ist einer von insgesamt 65, die über drei Wochen ihre praktische Abschlussprüfung ablegen. „Ich bin froh, dass das jetzt überhaupt möglich ist“, sagt der 19-Jährige. So wie ihm geht es vielen seiner Kollegen.

Einiges bleibt auf der Strecke

BBS-Geschäftsführer Hermann Wansing weiß aber, dass an seiner Bildungseinrichtung mit ihren vielen unterschiedlichen Angeboten – von der Berufsorientierung über überbetriebliche Ausbildung, berufliche Weiterbildung und Technischer Akademie bis hin zu zwei Kindertagesstätten – im Lockdown durch das strenge Gebot zur Distanz so einiges auf der Strecke bleibt: „Nicht nur dadurch, dass zurzeit kein Präsenzunterricht stattfinden kann.“

So sieht es bei einer Gesellenprüfung während der Corona-Pandemie aus. Trennwände sollen die Prüflinge schützen. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Das Berufsorientierungszentrum (BOZ) sei besonders betroffen. Zum Beispiel die Berufsfelderprobung. „Die ganze persönliche Begleitung und Begleitung fällt hier völlig hinten rüber“, bedauert Hermann Wansing. Und auch für die Jugendhilfe-Angebote, die Förderung sozial- und/oder bildungsbenachteiligter Kinder und Jugendlicher, die das BOZ im Auftrag von Stadt und der Jugendämter im Kreis übernommen hat, bringt der Lockdown neue Probleme mit sich. Assistierte Ausbildung, Unterstützung von Familien und Rehabilitanten sowie Erziehungsbeistandschaften oder Berufseinstiegsbegleitung sind weitere wichtige Arbeitsfelder im BOZ, die jetzt durch Corona nur eingeschränkt möglich sind .

Ausnahmen bei Kindeswohlgefährdung

Allerdings gibt es auch da Ausnahmen. Dann nämlich, wenn eine so genannte „Kindeswohlgefährdung“ vorliegt. Dann ist Nähe sogar erforderlich. Und auch das betont der BBS-Geschäftsführer: „Die Mitarbeiter sind nach wie vor ansprechbar, telefonisch oder auch persönlich“ Unter Einhaltung der Hygienevorschriften. An den beiden Kitas, die ursprünglich mal für die Teilnehmer an den Lehrgängen gegründet wurden, findet nur noch eine Notbetreuung statt.

Moderne Technik ist in allen Arbeitsbereichen der BBS ein Thema. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Gut vorbereitet ist man an der BBS technisch auf die neuen Herausforderungen, auch auf die, die der Distanzunterricht mit sich bringt. Stichwort „Homeschooling“. Da aber weiß Hermann Wansing auch um neue juristische Probleme: „Dürfen wir das überhaupt?“ Laut Vertrag nämlich – für jede Maßnahme an der BBS ist der erforderlich – müssten die Schüler vor Ort betreut werden. Bei alternativen Lernformern müssten also die Auftraggeber mitspielen. Zum Beispiel Arbeitsagentur und Jobcenter.

Technisch gut vorbereitet

In Sachen Digitalisierung ist Hermann Wansing optimistisch: „Hier haben wir auch aus dem ersten Lockdown gelernt, den Bereich weiter ausgebaut und auch Mitarbeiter geschult.“ Technisch sei man in seinem Haus ohnehin gut ausgestattet. Jährlich werde dort eine Million Euro investiert. „Wir müssen schließlich immer einen Schritt weiter sein als die Betriebe, um up to date zu sein“, betont er.

Für den BBS-Geschäftsführer bleibt aber unterm Strich das: „Distanzunterricht kann Präsenzunterricht nicht ersetzen, ein Telefonat keinen persönlichen Kontakt.“

Er rechnet sogar damit, dass sich in einiger Zeit noch größere Probleme ergeben werden. Für Hermann Wansing ist daher die Rückkehr zur Präsenz sein größter Wunsch.

Über drei Wochen ziehen sich die Prüfungen hin.
„Bitte nicht stören“ – in der BBS laufen auch in Corona-Zeiten Prüfungen. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS)

  • Die Berufsbildungsstätte Westmünsterland GmbH wird getragen von Kreis Borken, Kreishandwerkerschaft Borken, Stadt Ahaus, Handwerkskammer Münster und Stiftung Akademie Klausenhof.
  • Hauptstandort der BBS ist Ahaus. Hier befinden sich auch das Berufsorientierungszentrum (BOZ) und die Technische Akademie Ahaus, die Kitas Abenteuer- und Regenbogenland.
  • Ebenfalls vertreten ist die BBS im Hans Christian Anderssen Haus, dem BuT Familienbüro und dem Haus der Integration.
  • In Bocholt ist die BBS mit einem BOZ und einem Technischen Schulungszentrum vor Ort. Es stehen 1200 Schulungs- und Werkstattplätze zur Verfügung.
  • 200 Mitarbeiter und 50 Honorarkräfte kümmern sich um den BBS-Auftrag: Die BBS bietet maßgeschneiderte Lösungen für die Anforderungen des sich wandelnden Wirtschaftslebens und übernimmt zugleich wichtige sozialstabilisierende Funktionen für die Region.
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