Wer sein Geld bei der Volksbank nur „parken“ will, zahlt künftig Negativzinsen

mlzVolksbank Gronau-Ahaus

Die Volksbank Gronau-Ahaus ist zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2019. Doch wird das Geldverdienen nicht einfacher. Der Vorstand hat am Freitag erklärt, womit die Kunden angesicht der Negativzinspolitik rechnen müssen.

Ahaus

, 09.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frank Overkamp blieb am Freitagmorgen gar nichts anderes übrig, als auf den blauen Himmel zu deuten. „Gutes Wetter, passend zu unseren guten Zahlen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Gronau-Ahaus zu Beginn des Bilanzpressegesprächs.

Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Michael Kersting und dem Generalbevollmächtigten Franz-Josef Gebker hielt er Rückschau auf das Bankjahr 2019. Viel Positives klang durch – und ein bisschen Negatives.

„Geld ist vorhanden“, nannte Frank Overkamp erst mal das Erfreuliche. Das zeigt auch der Anstieg der Bilanzsumme um sechseinhalb Prozent. Vor allem in Immobilien werde investiert, „weniger in Maschinen“.

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Das Jahresergebnis 2019 liege auf Vorjahresniveau, „das ist mit Blick auf die Niedrigzinsen schon ein Erfolg“, sagte Overkamp. Denn um das gleiche Ergebnis zu erzielen, müsse heute deutlich mehr Umsatz gemacht werden. Der Vorstandssprecher nannte ein Beispiel: „Vor fünf Jahren lag der Bauzins noch bei viereinhalb Prozent, heute liegt er bei einem Prozent.“

Trotzdem hat die Volksbank keine Angst vor dem Morgen. Das spiegelt auch die neue Dachkampagne der Volksbanken und Raiffeisenbanken wider. „Wir machen den Weg frei“ ist von gestern. „Der Morgen kann kommen“, lautet der neue Slogan.

Nicht mehr ganz so neu ist das EDV-Banksystem, das im März 2019 den 20 Jahre alten Vorgänger ersetzte. Doch: „Die Umstellung ist für viele Mitarbeiter noch immer präsent“, sagte Frank Overkamp. Teilweise sei es in der Einführungsphase zur Überbelastung der Mitarbeiter gekommen. „Das haben auch die Kunden gespürt. Es gab die ein oder andere kritische Stimme.“

Negativzins

Kritisch betrachtet die Volksbank auch die anhaltende Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bislang blieben die Einlagen der Privat- und Firmenkunden unangetastet. Die Bank trug den von der EZB erhobenen Negativzins von 0,5 Prozent selbst.

Ab März wird die Volksbank Gronau-Ahaus ihre Politik ändern. „99 Prozent unserer Kunden sind davon aber nicht betroffen“, erklärte Frank Overkamp. Negativzinsen in Höhe von 0,5 Prozent sollen ab dem Frühjahr institutionelle Anleger zahlen, „die ihr Geld einfach nur bei uns parken wollen“, erläuterte Franz-Josef Gebker.

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Betroffen sind Anleger, die bislang noch nicht mit der Volksbank zusammengearbeitet haben. Privatkunden sollen verschont bleiben. „Wir werden uns jeden Kunden genau ansehen“, sagte der Generalbevollmächtigte.

Dass längst nicht alle Kunden ihr Geld bei der Bank parken, machte Frank Overkamp an einer anderen Zahl fest: Auf insgesamt 44 Millionen Euro beliefen sich im vergangenen Jahr die Kursgewinne der Volksbankkunden an Aktienmärkten.

Keine Zinswende in Sicht

Wer sein Geld hingegen auf dem Sparbuch hat, wird sich weiter ärgern dürfen. „Die Zeit der Niedrigzinsen wird weiter anhalten“, sagte Frank Overkamp. „In den nächsten drei bis vier Jahren ist noch keine Zinswende in Sicht.“

Die Volksbank selbst investiert ihr Geld in ihre Filialen. 2019 modernisierte das Geldinstitut unter anderem die Filialen in Graes, Nienborg und Schöppingen.

In dieser Woche gab es den ersten Spatenstich für den Filial-Neubau an der Hamalandstraße in Wessum, Ende des Jahres soll das neue Bankgebäude an der Parallelstraße in Ahaus fertig sein.

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Knapp 330 Mitarbeiter zählte die Volksbank Gronau-Ahaus Ende 2019, die Gesamtsumme der ausgezahlten Nettogehälter betrug im vergangenen Jahr 10,4 Millionen Euro. „Ein Rekordwert“, sagte Michael Kersting. 24 neue Mitarbeiter stellte die Bank im vergangenen Jahr ein, zwölf offene Stellen gibt es derzeit auf der Homepage, alle Auszubildenden wurden unbefristet übernommen. „Es ist nach wie vor attraktiv, Bankkaufmann zu werden“, fasste das Vorstandsmitglied die Daten zusammen.

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Zwar spielt die Digitalisierung in diesem Berufsbild eine immer größere Rolle, weiß der Bankvorstand. „Aber die persönliche Beratung ist immer noch wesentlich“, sagte Frank Overkamp. „Wie man einfach, sicher und schnell bezahlen kann, das kann man nicht in fünf Minuten erklären. Das kann auch mal eine Stunde dauern.“

Die Bank arbeite zudem weiter an der Verständlichkeit ihrer Produkte, trotz diverser Vorgaben aus Brüssel. Der Vorstandssprecher: „Der Vertrag für eine Baufinanzierung passte früher auf zwei Seiten, heute sind es 80 Seiten.“

Fusion ist kein Thema

Viel Papier wird in der Volksbank Gronau-Ahaus bewegt, die mit ihrer Bilanzsumme zu den 50 größten Genossenschaftsbanken in Deutschland zählt. Michael Kersting macht einen Vergleich auf: „Wir sind größer als die Volksbank Hamburg.“ Noch größer zu werden – zum Beispiel durch eine Fusion, ist in der Teppichetage der Bank kein Thema. „Natürlich schauen wir auf die Nachbarn“, sagte Michael Kersting, „aber wir kooperieren lieber.“

Zahlen aus der Bilanz der Volksbank-Gronau Ahaus 2019

  • Die Bilanzsumme beträgt 3,4 Milliarden Euro
  • Der Bestand an Kundenkrediten beläuft sich auf 2,8 Milliarden Euro
  • Das Filialnetz: 23 Filialen, sieben SB-Automaten, über 50 Geldein- und auszahlungsgeräte
  • Die genossenschaftlich organisierte Volksbank zählt 33.586 Mitglieder, im Jahr 2019 sind 1615 Personen neu hinzugekommen
  • Die Höhe der Dividende für 2019 wird die Bank noch bekanntgeben
  • Knapp 330 Mitarbeiter sind bei der Volksbank Gronau-Ahaus beschäftigt
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