Ein Wunschkonzert vor der Haustür: Das spielten die Mitglieder des Musikvereins Wessum im September 2020 gleich acht Mal. © privat
Coronavirus

Wessumer Musikverein trotzt mit verschiedenen Aktionen der Corona-Krise

Kein Oktoberfest, kein Wunschkonzert, kein Schützenfest: Für den Musikverein Wessum waren die vergangenen zehn Monate nicht einfach. Mit verschiedenen Aktionen trotzen die Mitglieder der Krise.

Für Musiker gibt es eigentlich nichts Schöneres, als auf der Bühne zu stehen. Seit rund einem Jahr ist das aber auch für die 327 Mitglieder des Wessumer Musikvereins nicht möglich. Das Coronavirus verhindert weiter hartnäckig größere Auftritte. Für das Vereinsleben kann das Gift sein. Daher haben sich die Wessumer schon frühzeitig überlegt, das Ende der Corona-Krise nicht einfach abzuwarten.

Marc Wellekötter, Pressebeauftragter des Musikvereins, erklärt: „Für uns geht es ja nicht nur um die Konzerte, sondern auch um die musikalische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Da kann man nicht die Füße hochlegen.“ In den letzten zehn Monaten war daher Kreativität und Improvisationstalent gefragt. Und daran scheint es im Wessumer Verein nicht zu fehlen.

„Musik am Fenster“ und ein Hauch Schützenfest

Während des ersten Lockdowns beteiligten sich beispielsweise zahlreiche Mitglieder an der Aktion „Musik am Fenster“, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Mit Klarinette, Trompete oder Querflöte spielten sie von der heimischen Fensterbank aus Beethovens „An die Freude“. Kurze Zeit später setzte man dann das erste eigene Projekt in die Tat um.

Aus Verbundenheit zum Bürgerschützenverein Wessum spielte der Musikverein in Minimalbesetzung – und mit reichlich Abstand – dem amtierenden König Rainer Böcker vor der Haustür ein Ständchen. „Ein kleiner Trost für die abgesagte Feierlichkeit“, erklärt Marc Wellekötter. Für den Rest der Schützen im Dorf veröffentlichte der Musikverein ein Video, um wenigstens einen Hauch Schützenfest-Atmosphäre zu verbreiten.

Der Gassenhauer „Einmal König sein“ (Melodie „Tränen lügen nicht“) erklang in zahlreichen Wessumer Wohnzimmern. „Eingespielt haben es alle Musiker einzeln. Am Ende hat man es so zusammengeschnitten, dass daraus ein Orchester wurde“, erklärt Wellekötter.

Erste Proben wieder möglich

Im Sommer entspannte sich die Corona-Lage im Land etwas. Davon profitierten auch die Wessumer Musiker. Die Proben liefen wieder an, wenn auch unter strengen Hygienevorschriften. „Wir haben das Glück, dass wir bei passendem Wetter den Garten des Musikhauses nutzen können“, erklärt Marc Wellekötter. Schöner Nebeneffekt: In den angrenzenden Gärten gab es reichlich Zuhörer. „Für die haben wir immer kurz vor der Pause ein ausgewähltes Stück mit Bezug zu Wessum gespielt. Dafür gab es besonders reichlichen Applaus.“

Im Sommer konnte immerhin mit Abstand im Garten des Musikhauses geprobt werden.
Im Sommer konnte immerhin mit Abstand im Garten des Musikhauses geprobt werden. © privat © privat

Trotz der Lockerungen mussten im Spätherbst zwei weitere Jahreshighlights gestrichen werden: das traditionelle Wunschkonzert und das Oktoberfest. Für beide Veranstaltungen überlegte sich der Musikverein Alternativen. Im September organsierten die Mitglieder die Aktion „Wunschkonzert on Tour“. Die Wessumer konnten sich die Musiker gegen eine kleine Spende bis vor die Haustür bestellen. Die Nachfrage war riesig. „Innerhalb eines Tages waren alle acht Termine ausgebucht“, berichtet der Pressebeauftragte.

Über 200 Pakete für Oktoberfest gepackt

Noch größere Resonanz erfuhr die Oktoberfest-Alternative. Das Angebot des Musikvereins: Ein bayerisches Wiesn-Paket samt Weißbier, Haxe, Brezel und Co.. Über 200 Pakete mussten die Mitglieder schnüren. Geliefert wurden sie am Abend des geplanten Oktoberfests bis vor die Haustür. „Für uns war es eine Gelegenheit, zumindest etwas Geld in die Kasse zu spülen. Denn wir haben natürlich trotz Corona weiter anfallende Kosten, die gedeckt werden müssen“, sagt Marc Wellekötter.

Rund 200 Oktoberfest-Pakete lieferte der Musikverein aus.
Rund 200 Oktoberfest-Pakete lieferte der Musikverein aus. © privat © privat

Finanziert werden musste unter anderem die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. „Unsere Lehrer haben den Unterricht zu jederzeit aufrechterhalten. Wie im Frühjahr 2020 findet er auch aktuell aus der Distanz per Videokonferenz statt“, sagt der Pressebeauftragte. Dem Verein ist wichtig, auch in schwierigen Zeiten die Jugend mit ins Boot zu holen. Ein ähnliches Konzept gibt es für die Proben des Orchesters.

Jeden Dienstag treffen sich die Mitglieder virtuell und spielen Stücke vor dem Bildschirm. Jeder für sich unter Regie des Dirigenten. „Daran kann jeder teilnehmen. Es geht nur darum, am Ball zu bleiben.“ Marc Wellekötters Hoffnung ruht nun auf dem Impfstoff. „Ich hoffe, dass wir vielleicht im Herbst so weit sind, unser Wunschkonzert wieder regulär stattfinden lassen zu können.“ Ansonsten finden die Wessumer aber sicher erneut kreative Alternativen.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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