„Gemischtes Hack“: Wie Fabian Herbers zum Star in Deutschlands beliebtestem Podcast wurde

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Über 500.000 Hörer pro Woche verzeichnet Deutschland beliebtester Podcast „Gemischtes Hack“. Zum heimlichen Star ist mittlerweile ein Ottensteiner geworden: MLS-Profi Fabian Herbers (26).

Ahaus

, 30.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

In leichter Stoffjacke und T-Shirt kommt Fabian Herbers an diesem Tag zum Treffen mit unserem Reporter. Das im Winter bitterkalte Chicago – der Arbeitsort des Ottensteiners – härtet offenbar ab. Im Gespräch mit der Münsterland Zeitung erzählte er während seines Heimatbesuchs unter anderem über seine Begegnung mit Zlatan Ibrahimovic und wie es dazu kam, dass er von Tommi Schmitt und Felix Lobrecht vom Podcast „Gemischtes Hack“ zum „Fußballgott“ getauft wurde.

Die MLS-Saison ist mittlerweile seit anderthalb Monaten vorbei. Im Anschluss stehen die obligatorischen Vertragsgespräche an. Wie sicher waren Sie sich, dass Ihr Verein Chicago Fire die Option für ein weiteres Jahr zieht?

Der General Manager hat mir in unserem Gespräch sofort signalisiert, dass man mit mir ganz gut zufrieden sei. Die Leistungen auf dem Feld haben gepasst, auch das Verhältnis zum Team. Ich hatte schon im Vorfeld ein positives Gefühl. Man spürt ja, ob man akzeptiert wird. Auch meine Green-Card spielte mir in die Karten. Diese Vorzeichen haben sich bestätigt.

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Hatten Sie einen Plan B?

Nein, nicht direkt. Aber ich habe ja hier in Chicago einen Spielerberater, der in Amerika gut vernetzt ist. Es gibt auch von Jahr zu Jahr mehr Optionen, weil der Markt sich vergrößert. Zum Beispiel jetzt durch den neu gegründeten Klub Inter Miami.

Wie stehen Sie zu diesem Großprojekt?

Das finde ich positiv, auch wegen der hohen Latino-Population in diesem Teil der USA. Sie sind sehr fußballverrückt. Mit David Beckham als Zugpferd wird es einen Hype geben. Gerade, weil auch schon Stars wie David Silva von Manchester City im Gespräch sind. Sie werden oben mitspielen.

Wie sind Ihre Ziele für die neue Saison?

Erst einmal gesund zu bleiben, was in der vergangenen Saison nicht ganz geklappt hat. Im April hatte ich eine muskuläre Verletzung am Hüftbeuger, dadurch habe ich fast zehn Spiele verpasst. Im August bin ich dann auf die Schulter gefallen und habe sie mir dabei verstaucht. Das waren sehr starke Schmerzen. Durch die zwei Verletzungen habe ich gefühlt die Hälfte der Saison. Als ich fit war, hatte ich aber schon einen Einfluss auf die Mannschaft und das Gefühl, dass ich gut gespielt habe. Fußballerische als auch menschlich hat es gepasst. Das wurde mit dem neuen Vertrag ja auch wertgeschätzt.

Also ist das Hauptziel, im Jahr 2020 möglichst viel zu spielen?

Ja, natürlich. Wobei man nie weiß, welche großen Namen noch zum eigenen Verein stoßen. Bei uns ist es noch relativ ruhig, wir haben ja auch erst gerade einen neuen Trainer präsentiert. Am 20. Januar, wenn die Vorbereitung anfängt, werden wir sicher ein gutes Team haben.

Würden Sie sich auch freuen, wenn Ihnen ein Star-Spieler auf Ihrer Position vor die Nase gesetzt wird?

Ich sehe das relativ locker. Der Verein wird ja garantiert Stars holen. Sechs, sieben Stammspieler haben den Verein verlassen. Mit Bastian Schweinsteiger, Nico Gaitán und Nemanja Nikolics auch drei echte Großverdiener. Dadurch wird viel Budget frei. Aber selbst wenn neue Stars auf einer meiner Positionen spielen sollten: Ich bin sehr flexibel. In der vergangenen Saison habe ich auf den Flügeln, als Stürmer oder auch als Achter bzw. Zehner gespielt. Angst habe ich überhaupt nicht. Ich kann ja nur das machen, was ich kontrollieren kann.

Wenn Sie sich einen Spieler aussuchen könnten, der verpflichtet wird, wer wäre das dann?

Mit Bastian Schweinsteiger zu spielen, war schon cool, weil er auch Deutscher war und man dann doch eine bessere Verbindung zueinander durch Sprache und Mentalität bedingt hat. Marco Reus fand ich immer einen richtig geilen Spieler. Wenn der in ein paar Jahren mal zu uns rüberkommt, wäre das natürlich ein Traum. Messi und Ronaldo natürlich genauso.

Apropos Weltstars: Was war der beeindruckendste Spieler, gegen den Sie bisher gespielt haben?

Ich fand Zlatan Ibrahimovic hatte eine krasse Präsenz. Er ist groß und stark; für seine 38 Jahre hat er immer noch eine extreme Athletik. Das ist eine andere Hausnummer; Du merkst, er strahlt etwas aus. Er hat diese gewisse Aura. Seine rund 30 Tore haben mir sehr imponiert.

Ibrahimovic sagt man nach, ein großer Egoist zu sein. Ist der sehr ich-zentrierte „American Dream“ eigentlich mit einer Mannschaftssportart wie dem Fußball vereinbar?

Es hat ja jeder seinen Platz im Team. Das wissen zum Beispiel die Jugendspieler genau und würden – überspitzt gesagt – nie einen Schweinsteiger von der Massagebank schubsen. Aber natürlich hat man auch seine eigenen Ambitionen. Wenn man auf der Tribüne sitzt, will man es erstmal auf die Ersatzbank schaffen; wenn man auf der Bank sitzt, ist das nächste Ziel die Startelf. Man strebt immer nach mehr. Aber das ist kein Unterschied zu Deutschland. Hier fährt nicht jeder seinen Ego-Trip.

Ist eine Rückkehr nach Deutschland eigentlich eine echte Option?

Ich kann es mir definitiv vorstellen. Zum Beispiel bei einem ambitionierten Klub in der Zweiten Bundesliga, wenn man realistisch ist. Erstmal habe ich aber noch den Vertrag. Mein Spielerberater ist aber Spezialist für die MLS. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass ich allen Zweitligisten in Deutschland ein Begriff bin, weil die auch eher den deutschen bzw. europäischen Markt im Blick haben. Deutschland ist meine Heimat. Dennoch kann ich mir auch vorstellen, den Rest meiner Karriere in Amerika zu verbringen.

Ist auch ein anderes Land eine Option?

Ja, ich kann mir alles vorstellen. Wenn sich etwas Gutes anbietet, ist es immer auch ein Erlebnis und die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern. Deshalb bin ich damals auch primär in die USA gegangen. Ich sehe mich als Reisenden. Ich bin an nichts gebunden, habe noch keine Familie, bin alleinstehend.

Blicken Sie eigentlich schon über das Karriereende hinaus?

Ich bin Realist und habe mir natürlich Optionen angeschaut. Ich bin kein Millionenverdiener und weiß, dass ich nach meiner Fußball-Karriere mich nicht zurücklehnen und Däumchen drehen kann. Und ich will auch immer weiter arbeiten. Ich habe meinen Bachelor in Sportsmanagement beendet und ich überlege jetzt, den Master zu machen; nebenbei vielleicht den Trainerschein. Ich würde dem Fußball gerne treu bleiben.

Würden Sie einen guten Nine-to-Five-Job annehmen, wenn Sie dafür den Fußball vernachlässigen müssen?

Wenn der Arbeitgeber mir das dreifache Gehalt bieten (lacht). Nein im Ernst, aktuell kann ich es mir nicht vorstellen. Dafür mag ich auch den Lebensstil zu sehr. Mit den Jungs morgens Fußball zu spielen, nachmittags meistens seine Ruhe zu haben, den Tag noch gestalten zu können. Wenn ich mit meinen Freunden spreche, jammern viele darüber, am nächsten Tag wieder ranzumüssen.

Sie haben angesprochen, dass die Zweitligateams Sie vielleicht nicht so auf dem Schirm haben. Der 1. FC Nürnberg scheint da allerdings die Ausnahme zu sein. Der verkündete den Transfer Robin Hacks Anfang Juni mit folgenden Worten: „Es geht natürlich nichts über Fabi Herbers ‚Fußballgott‘, aber...“

Das habe ich natürlich gesehen und das war eine witzige Geschichte. Robin Hack passte natürlich perfekt zu dem Podcast „Gemischtes Hack“ und dann haben sie mich auch noch markiert. Natürlich ist durch den Podcast mein Name in Umlauf gekommen.

Vor rund einem Jahr sind sie zu einem heimlichen „Gemischtes Hack“-Star geworden. Wussten Sie eigentlich, dass Tommi Schmitt und Felix Lobrecht – die Gesichter hinter dem Podcast – Sie erwähnen werden?

Als der Podcast noch relativ klein war, hab ich Tommi Schmitt eine Nachricht geschickt, dass ich in den USA wöchentlich den Podcast anhöre. Und geschrieben, dass sie super Arbeit machen und mir den Mittwoch (Erscheinungstag der wöchentlichen Folge; d. Red.) versüßen. Die Nachricht hat Tommi gelesen und mir auch geantwortet. Es war nur ein kurzer Dialog über die Plattform Instagram. Und dann kam plötzlich die Nachricht: „Ich habe dich übrigens im Podcast erwähnt. Keine Sorge, ist nur positiv.“ Da war ich natürlich gespannt. Sie haben dann rund zwei Minuten über mich und meinen Werdegang geredet. Und plötzlich posaunte Felix „Fabi Herbers, Fußballgott!“ heraus.

Seitdem fällt Ihr Name sehr regelmäßig. Er ist zu einem der Running-Gags des Podcasts geworden. Mehr als 500.000 Menschen hören ihn wöchentlich. Wie betrachten Sie das?

Ich hab da natürlich nichts gegen, weil es immer auf einer spaßigen Ebene bleibt. Es gibt Schlimmeres, als ein Teil des Podcasts zu sein, von dem man selbst großer Fan ist.

Tommi Schmitt hat mal in einem Interview über Sie erklärt: „Ich dachte, dass das doch ganz witzig wäre, ihn abzukulten, zunächst einfach aus Comedy-Gründen. Aber der Typ ist wirklich großartig und hat sehr viel Humor (...). Ja und jetzt muss Jogi bald mal reagieren und den Jungen einladen, wenn es was mit der EM 2020 werden soll.“

Tommi ist selbst einfach großer Fußball-Fan, leidenschaftlicher Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Er hat auch immer verfolgt, ob ich gespielt habe und nachgefragt, wie es um meine Verletzungen stand. So sind wir immer in Kontakt geblieben. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass wir Freunde geworden sind, aber wir haben über Instagram einige Male geschrieben. Er und Felix sind einfach zwei lustige Typen.

Ihren bis dato längsten „Auftritt“ im Podcast hatten Sie, als „Tommis Detektei“ humoristisch aufgeklärt hat, dass Sie tatsächlich der Fußballgott sind…

Das war auch für mich überraschend, dass man dann einfach acht Minuten am Stück das Dauerthema war. Man muss das mit einem Augenzwinkern sehen. Ich habe jedenfalls herzlich gelacht, weil es so stumpf war.

Ist der Hype auch im realen Leben schon angekommen? Die Fangemeinde gerade in der jüngeren Generation ist schließlich riesig.

Ende November war ich auf einer Comedy-Live-Show bei Felix Lobrecht. Dort war dann ein Platz für „Fabi Herbers, Fußballgott“ reserviert. Wir kamen fast als letztes in den Saal und viele Podcast-Hörer waren da. Dann kamen sehr viele Zuschauer auf mich zu, die Fotos machen wollten. Daran merkt man, dass es auch in Deutschland mehr geworden ist. Man merkt, dass es auch im echten Leben mehr wird.

Gab es eine Situation, in der es Sie genervt hat?

Ich mache gerne Fotos, ich kenne das ja auch aus Chicago. Es ist ja nicht so, dass sich direkt eine Traube um mich bildet oder so. Das ist alles halb so wild.

Trotzdem haben Sie etwas skeptisch reagiert, als ich Ihnen im Vorfeld des Gesprächs geschrieben habe, dass ich auch über den Podcast sprechen möchte...

Natürlich möchte ich auch weiterhin primär als Fußballer gesehen werden. Und ich finde es auch schwierig, irgendwo als „Fußballgott“ bezeichnet zu werden, wo nicht jeder den Kontext kennt. Das hört sich sonst vielleicht eingebildet ein. Schweinsteiger ist ein Fußballgott, aber nicht ich.

Fabian Herbers nahm sich während seines Heimatbesuchs eine Stunde Zeit, um über den Podcast „Gemischtes Hack“, die zurückliegende Saison und seine Begegnung mit Zlatan Ibrahimovic zu sprechen.

Fabian Herbers nahm sich während seines Heimatbesuchs eine Stunde Zeit, um über den Podcast „Gemischtes Hack“, die zurückliegende Saison und seine Begegnung mit Zlatan Ibrahimovic zu sprechen. © Johannes Schmittmann

Haben Sie spontan einen „Overrated- und Underrated Hack“ – also eine unterschätzte und überschätzte Sache aus dem Alltag – auf Lager, so wie es Tommi Schmitt und Felix Lobrecht in jeder Sendung besprechen?

Ich finde das Prinzip von Bargeld völlig überholt. Viele Länder sind ja auch schon viel weiter im Prozess des elektronischen Bezahlens als Deutschland. Und ich persönlich bezahle in den Staaten alles mit Karte. Für unterschätzt halte ich den Videotext. Den hab ich in Amerika nicht, aber er ist total praktisch. Man kann einfach und schnell Informationen abrufen, ohne dass man direkt das Handy rausholen muss.

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