Werner Beckmann ist mit seiner Windkraftanlage in Graes Teil der neuen Windkraftdirektvermarktung der Stadtwerke. © privat
Direktvermarktung

Windkraftanlagen in Ahaus trotz Förderungs-Ende keine Auslaufmodelle

Die Förderung der Bundesregierung für erneuerbare Energien läuft nach 20 Jahren aus. Doch Windkraftanlagenbetreiber können nun auch in Ahaus ihren Strom auf lokaler Ebene direkt vermarkten.

Im Jahr 2000 hat sich die Bundesregierung entschlossen, erneuerbare Energien zu fördern. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollten alternative Energiequellen 20 Jahre lang gefördert werden. Dazu zählen unter anderem Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

Zum Ende des Jahres läuft die Förderung für die ersten Anlagen aus. „Da stellt sich für die Anlagenbetreiber die Frage, ob diese noch wirtschaftlich weiter betrieben werden können“, erläutert Yvonne Overkämping, bei den Stadtwerken Ahaus für Marketing und Unternehmenskommunikation verantwortlich. Nur wenn die Betreiber ihre Anlagen zurückbauen und eine neue, größere Anlage bauen, wird die EEG-Förderung fortgesetzt.

In Ahaus sind acht Windkraftanlagen und 27 Photovoltaikanlagen betroffen, deren Einspeisevergütung im Rahmen der EEG-Förderung künftig wegfällt. „Alle Betreiber, deren Förderung ausläuft, sind von uns angeschrieben worden“, berichtet Yvonne Overkämping.

Stadtwerke-Kunden können über Aufschlag „Lokalstrom“ beziehen

Denn die Bundesregierung hat für Windkraftanlagen das Modell der sonstigen Direktvermarktung geschaffen. Energiebetreiber können den Strom aus den Anlagen übernehmen und an die Kunden weitergeben. „Wir zahlen den Betreibern eine feste Vergütung und können dafür den Strom aus erneuerbaren Energien nutzen“, so Yvonne Overkämping.

Die Stadtwerke Ahaus haben die ersten drei Windkraftanlagen in das Direktvermarktungsmodell aufgenommen und versorgen mit diesen Mengen Ahauser Bürger mit Lokalstrom. Die Kunden können über einen Aufschlag von 0,5 Cent pro Kilowattstunde den Lokalstrom-Tarif buchen, der im Direktvermarktungssystem erzeugte Strom bleibt in Ahaus. „Das ist Energie aus Ahaus. Die Kunden unterstützen lokale regenerative Energien“, wirbt Yvonne Overkämping für den neuen Tarif.

Windkraftanlage in Graes funktioniert so wie ein gutes Fahrrad

Eine Windkraftanlage in der Direktvermarktung ist die „Tacke“ in Graes. Für Betreiber Werner Beckmann war ein Rückbau seiner Anlage auch unter ökologischen Gesichtspunkten keine Alternative.

Neuere Anlagen bringen zwar deutlich mehr Leistung. Ob ein sogenanntes „Repowering“ aber sinnvoll ist, scheint ihm fraglich. „Wer trennt sich denn von einem alten Fahrrad, wenn es noch gute Dienste tun kann?“, verdeutlicht Werner Beckmann seinen Standpunkt.

„Tacke“ kann 200 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen

Deswegen habe er sich entschieden, die alte Anlage so lange laufen zu lassen, wie es geht. Mit dem Abnahmevertrag der Stadtwerke ist er sehr zufrieden. „Wir hoffen, den von der Altanlage produzierten Strom noch über Jahre hinweg einer ökologisch sinnvollen Nutzung zuführen zu dürfen. Hierfür bieten die Stadtwerke Ahaus mit dem vorliegenden Nutzungskonzept eine gute Voraussetzung“, fasst er zusammen.

Die 1998 erbaute Anlage im Thiebrink hat eine Leistung von 600 Kilowatt und erzeugt pro Jahr etwa 700.000 Kilowattstunden Strom. Damit können etwa 200 Haushalte versorgt werden.

Ab 2025 laufen immer mehr Förderungen aus

„Warum soll man solche Anlagen zurückbauen und neue bauen?“, fragt auch Yvonne Overkämping. Mit dem Lokalstromkonzept setze man die Energiewende auf lokaler Ebene um.

Das Thema wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Vor allem ab dem Jahr 2025 laufen immer mehr EEG-Verträge aus.

Werner Beckmann freut sich auf jeden Fall, dass seine „Tacke“ noch kein Auslaufmodell ist. „Besser und effektiver kann man die Klimawende aus meiner Sicht nicht angehen“, meint er.

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Bastian Becker

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