Wo bleiben die Sitzenbleiber?

Auslaufende Schulen

„Stell dir vor du bleibst sitzen – aber unter dir ist keine Schule mehr…“ So könnte es Sechstklässlern der Realschule im Vestert oder der Franziskushauptschule ergehen. Weil die beiden Schulen auslaufen und seit 2013 keine neuen Schüler aufnehmen, wird es dort zum neuen Schuljahr auch keine sechsten Klassen geben.

AHAUS

, 13.06.2014, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Schuljahr geht dem Ende entgegen. Für Sitzenbleiber in der sechsten Klasse könnten sich an der Realschule im Vestert und an der Franziskusschule, die beide auslaufen, neue Fragestellungen ergeben.

Das Schuljahr geht dem Ende entgegen. Für Sitzenbleiber in der sechsten Klasse könnten sich an der Realschule im Vestert und an der Franziskusschule, die beide auslaufen, neue Fragestellungen ergeben.

Das sei, so Fleer, der wahrscheinlichste Weg. Wer in der Realschule nach der Erprobungsstufe in den Klassen 5 und 6 sitzen bleibe, sei in der Regel an der Hauptschule besser aufgehoben. Da es aber an der benachbarten Franziskusschule auch keine sechste Klasse geben wird, bliebe nur der Weg zur Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule in Alstätte.

Aber es gibt auch Einzelfälle, in denen Kinder zum Beispiel aus vorübergehenden familiären oder gesundheitlichen Gründen die Versetzung nicht schaffen, aber eigentlich auf einer Realschule gut aufgehoben wären. „In diesen Fällen könnten die Kinder zu uns wechseln“, sagt Rudolf Homann, Leiter der Anne-Frank-Realschule. „Das dürfte kein Problem sein.“

Eine theoretische Alternative wäre ein Wechsel zur Gesamtschule. Praktisch ist das aber in diesem Jahr kein Option. „Unsere Klassen sind voll“, erklärt Gesamtschulleiterin Marion Brügger. Es gebe jetzt schon eine Warteliste. Ob sich in den nächsten Jahren freie Kapazitäten ergeben, das sei jetzt noch nicht abzuschätzen.

Und was ist mit den Sitzenbleibern der Franziskusschule? Die Schüler, die in diesem Jahr die sechste Klasse wiederholen müssen, können zur Annette-von-Droste-Hülshoff-Schule nach Alstätte wechseln. „Das ist der Vorteil der Zusammenlegung der beiden Hauptschulen, so Schulleiterin Anneliese Vortkamp. Allerdings läuft auch die Hauptschule in Alstätte aus, wenn auch ein Jahr später als die Franziskusschule. Wird sich das Sitzenbleiberproblem hier in den nächsten Jahren verschärfen? Das befürchtet Vorkamp nicht: Die Versetzungkriterien an der Hauptschule seien weniger streng als an der Realschule.

„Versetzungen sind auch im Zweifelsfall aus pädagogischen Gründen möglich.“ Das Schulgesetz biete hier Spielräume. Mit individueller Förderung könne die Zahl der Sitzenbleiber minimiert werden. Dennoch sei auch auf der Hauptschule ein Sitzenbleiben künftig nicht ausgeschlossen. Dann könnte es in Einzelfällen passieren, dass Ahauser Kinder, die weder an der Gesamtschule, an den Realschulen oder Hauptschulen in Ahaus beschult werden können, zur Kreuzschule nach Heek wechseln. Die Verbundschule hat zwölf Hauptschul- und zwölf Realschulklassen.

In einem Punkt sind sich die vier Schulleiter einig: Sitzenbleiben ist ohnehin für die Schüler meist nicht die beste Lösung. Individuelle Förderung sei der bessere Weg. Nur fehlten dazu zu oft die personellen Mittel. Und manchmal auch die Motivation der Schüler, ohne die es am Ende nicht gehe. Dann könne ein Klassen- oder Schulwechsel auch eine neue Chance bedeuten. Wichtig, auch da sind sich die Schulleiter einig, sei von Anfang an die Wahl der richtigen Schulform. Bärbel Fleer: „Die Eltern sollten nicht zu ehrgeizig sein und ihr Kind überfordern. Auch Hauptschüler können ihren Weg machen.“ Schließlich sei das Schulsystem für unterforderte Schüler auch nach oben hin offen.

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