Dr. Dr. Heinz Giesen aus Wüllen mit einem der Covid-19-Antigen-Schnelltests. Nur durch die flächendeckende Testung könne eine Weiterverbreitung des Virus' eingedämmt werden, sagt der Mediziner. © Stephan Rape
Coronavirus

Zehn positive Befunde: Praxen werten Schnelltest-Aktion als Erfolg

Kurz vor Weihnachten haben zwei Praxen in Ahaus und Wüllen zu Corona-Schnelltests aufgerufen. Mindestens zehn Mal schlug der Test positiv aus. Das sind gute und schlechte Nachrichten.

Der ganz große Ansturm am Dienstagmorgen ist ausgeblieben. Trotzdem wertet Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus, Inhaber der Praxis im Kreishaus, die Schnelltestung auf das Coronavirus als vollen Erfolg: „Wir haben über 100 Patienten getestet und zehn Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen“, sagt er am Mittag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Diese Menschen hätten ganz normal Weihnachten mit ihren Familien gefeiert und das Virus weitergegeben“, erklärt er. Schon deswegen habe sich die Aktion aus medizinischer Sicht in jedem Fall gelohnt. Auch wenn die Nachricht für die Betroffenen natürlich nicht schön sei und ihnen das Weihnachtsfest schon jetzt verhagelt habe.

Zehn positive Corona-Schnelltests sind das Ergebnis der Testaktion in der Praxis im Kreishaus von Dienstag. Der Inhaber Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus wertet die Aktion als vollen Erfolg kurz vor Weihnachten.
Zehn positive Corona-Schnelltests sind das Ergebnis der Testaktion in der Praxis im Kreishaus von Dienstag. Der Inhaber Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus wertet die Aktion als vollen Erfolg kurz vor Weihnachten. © Praxis im Kreishaus © Praxis im Kreishaus

Mit der Resonanz insgesamt sei er zufrieden. „Mit diesen Zahlen hatten wir gerechnet“, sagt er. Auch der geplante Ablauf mit Einbahnstraßenregelung in der Praxis, Laufzetteln für die Patienten und einem möglichst kurzen Aufenthalt in der Praxis habe sich bewährt. „Wir haben die Patienten nicht vor Ort auf die Ergebnisse warten lassen, sondern sie direkt nach Hause geschickt und dann später informiert“, sagt er. Auch so sollten unnötige Kontakte vermieden werden.

Einzig kurz vor der Beginn der Testaktion habe sich eine Schlange gebildet. „Die Leute standen etwas zu früh bei uns vor der Praxis“, sagt er. Allerdings hätten sie sich auch dort sehr diszipliniert verhalten und die Abstände eingehalten. „Im Schlangestehen sind die Menschen inzwischen ja geübt“, erklärt der Mediziner mit einem Lachen in der Stimme. Nach diesem anfänglichen Andrang habe sich der Zulauf dann weiter entspannt.

Auch Wüllener Mediziner wertet Aktion als Erfolg

So wie Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus wertet auch der Wüllener Hausarzt Dr. Dr. Heinz Giesen die Schnelltests als Erfolg. Gemeinsam hatten sie die Testaktionen vorbereitet. In der Wüllener Praxis mussten sich Patienten allerdings anmelden. Genaue Zahlen nennt Giesen am Dienstag nicht. Nur so viel: Über 40 Patienten hätten bei ihm kurz vor Weihnachten einen Schnelltest auf das Coronavirus gemacht.

„Wir haben unser Ziel erreicht“, sagt er. Es sei einzig und allein darum gegangen, vor Weihnachten noch möglichst viele Patienten mit einer Infektion herauszufiltern, die bisher wenige oder keine Symptome zeigen.

In den Schnelltests sieht er auch für die nächsten Wochen und Monate den einzigen wirksamen Schutz, um die ungebremste Verbreitung des Virus‘ einzudämmen. „Jeder, der erkältet ist, muss wissen ob er oder sie mit dem Coronavirus infiziert ist“, sagt er. Da sehe er auch die Krankenkassen in der Pflicht: Schnelltests müssten in seinen Augen schnell wieder zur Kassenleistung werden.

Schnelltests liefern ersten Hinweis

Auch wenn die Tests nicht 100-prozentig sicher seien und nur eine Momentaufnahme zeigten, würden sie dennoch ein sehr deutliches Bild abliefern – und weitere Gefahren ausschließen: Bei negativen Tests liege die Trefferquote über 99 Prozent. Bei positiven Testergebnissen etwas darunter. „Diese Fälle werden dann ja ohnehin noch mit einem weiteren Test untersucht“, erklärt Heinz Giesen.

Im Moment sei der einzige Weg, jeden mit Erkältungssymptomen direkt für mindestens eine Woche krank zu schreiben. „Das ist aber auf Dauer für die Wirtschaft nicht tragbar“, gibt er zu. Deswegen rechne er fest damit, dass die Schnelltests in Zukunft weiter ausgebaut werden. Vielleicht sogar durch Unternehmen forciert, die wissen wollen, ob sie ihre Angestellten weiter beschäftigen können oder in Quarantäne schicken müssen.

Mit Blick auf die kommenden Weihnachtsfeiertage hofft er darauf, dass sich die Menschen an die Regeln halten und auf große Feiern verzichten. Er befürchtet allerdings, dass die Infektionszahlen nach Weihnachten weiter steigen. „Dafür reicht es ja schon, wenn sich nur eine kleine Gruppe nicht an die Regeln hält“, sagt er.

Er beobachtet noch einen anderen Effekt: „Die Leute sind müde und wollen nur noch ihre Ruhe haben“, sagt er. Auch das könne sich aber über die Feiertage positiv auswirken.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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