Claudine Klemt will ihr Geschäft am Markt wieder mehr auf Schreibwaren und Geschenkartikel konzentrieren. Die Postfiliale wird spätestens Ende des Jahres abgegeben. © Anne Winter-Weckenbrock
Postfilialen in Ahaus

„Zu viel geworden“: Zum Monatsende schließt Paper Markt die Postfiliale

Aktuell ist die Postfiliale im Paper Markt nur noch vormittags geöffnet, Ende des Monats schließt sie. Spätestens. Claudine Klemt zieht die Notbremse. Der Grund: „Es ist zu viel geworden.“

Ein Aufsteller vor dem Geschäft am Markt weist Kunden und Passanten deutlich darauf hin: Die Tage der Postfiliale im Paper Markt am Ahauser Markt sind gezählt. Im Moment werden Postkunden nur noch vormittags bedient. Spätestens Ende des Jahres schließt die Postfiliale dann, die als „Shop-in-Shop“ im Schreibwarenfachgeschäft ihren Platz hat. Seit ungefähr acht Jahren, schätzt Claudine Klemt.

Kunden können Claudine Klemts Paper Markt Pakete aufgeben, Pakete abholen, Briefmarken kaufen, Briefe aufgebeben – alles außer Postbankgeschäfte ist in der Filiale möglich. „Abholfiliale“ ist der Paper Markt seit vier Jahren. Und jeder kann sich vorstellen, dass sehr, sehr viele Pakete dort „umgeschlagen“ werden, seit das Online-Shopping boomt.

„Das ist einfach zu viel geworden“

„Das ist einfach zu viel geworden“, sagt Claudine Klemt. Im Endeffekt koste die Postfiliale mehr, als sie dem Schreibwarengeschäft geben könne. Und das meint Claudine Klemt nicht einmal nur finanziell: Sie nennt noch den Aufwand und den Ärger. Kunden, die über den Service der Post verärgert sind, nutzen (natürlich) die Filiale, um ihren Frust abzubauen.

„Das kostet Energie“, blickt die gelernte Kauffrau im Einzelhandel zurück. Die gleich zwei Einbrüche im Jahr 2018, bei denen die Kriminellen es auf die Briefmarkenbestände abgesehen hatten, hätten bei ihren Überlegungen eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Gleichwohl trage sich sich schon seit zwei Jahren mit dem Gedanken, sich von der Postfiliale zu trennen, so die 41-Jährige. Mit ihrem elfköpfigen Mitarbeiterteam ist sie sich einig: „Wir sind ein Schreibwarenfachgeschäft und wollen nicht nur als Poststelle wahrgenommen werden.“

Kundenandrang wurde mit den Jahren immer größer

Seit die Post am Ahauser Bahnhof geschlossen wurde, wuchs der Kundenandrang im Paper Markt. Claudine Klemt weiß aus Gesprächen mit Kunden, dass sie die Filiale am Markt besser erreichbar finden als die im K+K an der Bahnhofstraße – „die Leute meinen, man könnte da schlecht parken“. Und nochmal mehr wurde es, als die Filiale Abholstation wurde. Und erst Recht, als Corona kam.

„So, wie es ist, ist es einfach nicht mehr tragbar“, meint Claudine Klemt. Bei der Beschränkung der Kundenanzahl nach dem ersten Lockdown sei es oft so gewesen, dass alle fünf Kunden Postkunden waren. „Das ist nicht unser Ziel gewesen. Wir dachten, die Postfiliale soll eher nebenbei laufen.“

Ob denn die Postfiliale nicht auch den einen oder anderen Kunden mehr für Einkäufe ins Schreibwarengeschäft gelockt habe? Die Frage kann die 41-Jährige nicht genau beantworten. „Das ist so schwer messbar.“ Mittlerweile sei es aber so, dass sie eine Mitarbeiterin acht Stunden täglich für den Postschalter abstellen müsse. Und da ist sie sich sicher: „Wenn ich meinem normalen Geschäft nachgehe, habe ich mehr davon.“

Zum Monatsende schließt Paper Markt die Postfiliale

Jetzt habe sie an einem Punkt gestanden, noch jemanden einstellen zu müssen. Sie will sich jetzt mit ihrem bestehenden Mitarbeiterteam aufs Kerngeschäft konzentrieren. „Ich bin da gut mit gefahren, aber jetzt ist es zu viel.“ Den Vertrag mit der Post hat sie fristgerecht gekündigt.

Ein Aufsteller vor dem Laden am Markt macht die Kunden und Passanten darauf aufmerksam, dass die Tage der Postfiliale beim
Ein Aufsteller vor dem Laden am Markt macht die Kunden und Passanten darauf aufmerksam, dass die Tage der Postfiliale beim “Paper Markt” gezählt sind. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Das Paper-Markt-Team freue sich auf mehr Platz für Schreibwaren und Co. „Ich denke, dass wir mit unserem Sortiment eine gute Kombi bieten“, sagt Claudine Klemt. Schreibwaren und Geschenkartikel sind das Kerngeschäft. Die 41-Jährige hat zwei Dinge festgestellt: „Die Leute schreiben in Coronazeiten mehr und geben mehr Geld für Schönes aus.“ Umweltfreundlich und nachhaltig solle vieles sein.

Selbst der gute alte Kalender für die Wand habe längst nicht ausgedient: „Von 100 Kunden sagen 98, dass sie ihre Termine im Handy haben, aber sie auch visuell auf dem Kalender brauchen“, sagt Claudine Klemt lachend.

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