Zukunft der Höstenpumpe ist ungewiss: Betreiber wechselt auf neues Konzept

mlzNachfolger gesucht

Dennis Busscher, Betreiber der Höstenpumpe in Wüllen, kann nicht mehr. Aus gesundheitlichen und familiären Gründen sucht er einen Nachfolger. Gleichzeitig präsentiert er sein Konzept für die Zukunft.

Wüllen

, 20.10.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eins vorweg: Dennis Busscher gibt die Höstenpumpe nicht auf, weil sie nicht liefe. Im Gegenteil: „Der Laden brummt“, sagt er am Dienstagmorgen im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie berichtet sucht er dringend nach einem Nachfolger für die Höstenpumpe.

Doch dieser wirtschaftliche Erfolg der letzten verbliebenen Kneipe in Wüllen ist Segen und Fluch zugleich: „Ich mache ja praktisch alles alleine“, sagt er. Gerade die Veranstaltungen im Saal – Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen – machten es ihm schwer: „Ich habe die Wochenenden oft durchgearbeitet“, sagt er. Ein Geburtstag am Abend, der Frühschoppen am nächsten Tag, nachmittags Kaffee, abends die nächste Veranstaltung im Saal. „Das kann ich einfach nicht mehr“, erklärt er.

Familie und Gesundheitszustand machen es dem Gastronomen schwer

Einerseits sei da seine Familie: „Meine Lebensgefährtin hat ein kleines Kind. Für das möchte ich da sein“, sagt er. Auch über eigene Kinder mache er sich Gedanken. „Man plant ja für die Zukunft“, sagt er. Andererseits gehe es auch gesundheitlich trotz seines jungen Alters nicht mehr: „Ich kann nicht mehr rund um die Uhr hinter der Theke stehen“, erklärt der 26-Jährige.

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Versuche, den Betrieb digitaler und somit weniger zeit- und personalintensiv aufzustellen, hätten keinen Erfolg gebracht. „Ich habe es versucht, mit digitalen Bestell- und Bezahlmodellen“, sagt er. Doch viele Gäste in Wüllen seien älter und hätten das System nicht angenommen. Den großen Nutzen habe es für ihn daher nicht gegeben. Und auch für die Gesellschaften im Saal habe das nicht funktioniert. „Da muss man als Gastronom einfach dabei sein und mit den Leuten direkt reden“, erklärt er. Am Ende werde der Gastronom – gerade im Dorf – eben doch ständig gebraucht.

Neues Konzept an neuer Adresse – in Wüllen

Zukünftig möchte er sich mit einem anderen Konzept in Wüllen selbstständig machen: Ab März 2021 will er in der ehemaligen Gaststätte Schulte, Barle 1, das „Taste it“ eröffnen – ein Café mit Bar und Feinkosthandel. Vom Frühstück über einen wechselnden Mittagstisch, Kaffee, Torten und Kuchen bis hin zu Gewürzen, Antipasti, Ölen, Spirituosen und Wein will er dort eine breite Palette anbieten.

Auch Wein-, Bier-, Rum- oder Whiskeyverkostungen will er in sein Angebot aufnehmen. Dazu kommen verschiedene Veranstaltungen. Auch das klingt jetzt nicht gerade nach entspannten oder gar kurzen Arbeitstagen. „Stimmt schon“, sagt Dennis Busscher. Aber er sei dann nicht mehr so eingebunden und könne flexibler reagieren. Und: „Ich stehe dann nicht mehr bis 5 Uhr morgens in der Kneipe“, sagt er.

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Für dieses Konzept sei die neue Adresse ideal: „Da kommen jeden Tag 30.000 Autos vorbei“, erklärt er. Für einen kurzen Kaffeestopp, Mittagstisch oder einen kurzen Einkauf also eine perfekte Lage. Dieses Konzept in der Höstenpumpe umzusetzen habe er zwar kurz überlegt, dann aber schnell verworfen: „Die Räume passen dafür nicht“, sagt er. Außerdem solle die Kneipe im Dorf auch die Kneipe im Dorf bleiben.

Die Gaststätte Höstenpumpe in Wüllen. Ihr Betreiber Dennis Busscher sucht einen Nachfolger – aus gesundheitlichen und familiären Gründen.

Die Gaststätte Höstenpumpe in Wüllen. Ihr Betreiber Dennis Busscher sucht einen Nachfolger – aus gesundheitlichen und familiären Gründen. © Markus Gehring

Einen Großteil seines Personals – Dennis Busscher hat ein Team von bis zu 35 Aushilfen, die stundenweise bei ihm arbeiten – sollen mit ihm in den neuen Betrieb wechseln. „Mit denen hab ich schon gesprochen“, erklärt er.

Zukunft der Höstenpumpe ist noch offen

Und wie geht es mit der Höstenpumpe weiter? Ein potentieller Nachfolger habe sich bisher noch nicht gemeldet. Er könne sich auch vorstellen, eine Zeitlang zumindest am Wochenende die Höstenpumpe auch danach noch zu öffnen. „Um den Übergang hinzubekommen“, erklärt er. Und vor allem auch um für die Wüllener die letzte Kneipe zu erhalten. Doch bei seinem Verpächter sei das bisher auf kein großes Interesse gestoßen.

Dennis Busscher betreibt die Höstenpumpe mitten in Wüllen seit 2016. Immer wieder waren Gerüchte hochgekocht, dass er sein Lokal schließen müsse. Und zwar auch direkt nach der Eröffnung. „Mit diesen Gerüchten hat meine jetzige Entscheidung nichts zu tun“, erklärt er eindringlich.

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