Christopherus Holt (19), Peter Gebing (19) und Till Beckers (21) haben ihren Meisterbrief im Fleischerhandwerk schon in der Tasche. Direkt nach der Ausbildung haben sie die Meisterschule besucht. Till Beckers sogar mit besonderem Erfolg: Er ist der Drittbeste seines Kurses und hat den bayerischen Staatspreis für eine ausgezeichnete Prüfungsleistung bekommen. © Stephan Rape
Fleischerhandwerk

Zwei Ahauser und ein Legdener sind mit knapp 20 schon Handwerksmeister

Till Beckers ist 21, Peter Gebing und Christopherus Holt sind 19 – doch alle drei haben ihren Meisterbrief schon in der Tasche. Kein Grund für eine Pause. Sie haben noch viel vor.

Sie hatten gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen und können sich jetzt wenige Monate später schon Meister nennen: Till Beckers (21), Christopherus Holt (19) und Peter Gebing (19) haben die Prüfung zum Fleischermeister bestanden.

Seit einigen Jahren benötigen Fleischergesellen keine Berufserfahrung mehr, bevor sie die Meisterschule besuchen können. Das nutzten die drei jungen Fleischer und haben die Meisterschule in Augsburg direkt an die Ausbildung angeschlossen. „Schneller wäre es nicht gegangen“, sagt Till Beckers lachend. Sie können sich damit zu den jüngsten Meistern in ganz Deutschland zählen.

Und Peter Gebing fügt schmunzelnd hinzu: „Jetzt in der Coronazeit konnte man ja eh nicht viel erleben.“ Da sei diese Gelegenheit einfach ideal gewesen. Schließlich könnten sich die Anforderungen für die Meisterprüfung in den nächsten Jahren ja auch wieder ändern.

Kaum die Ausbildung beendet und schon Handwerksmeister: Peter Gebing, Till Beckers und Christopherus Holt zeigen stolz ihre Meisterbriefe.
Kaum die Ausbildung beendet und schon Handwerksmeister: Peter Gebing, Till Beckers und Christopherus Holt zeigen stolz ihre Meisterbriefe. © privat © privat

Für Till Beckers und Peter Gebing war die Entscheidung für dieses Handwerk früh klar: Till Beckers ist der Sohn von Clemens Beckers, der in Ahaus in zweiter Generation eine Fleischerei betreibt. Peter Gebings Eltern betreiben in Legden eine Viehhandlung samt Schlachtbetrieb. „Da habe ich schon als kleines Kind mit auf dem Lkw gesessen“, sagt Peter Gebing. Auch Till Beckers half schon als Jugendlicher im Betrieb mit.

Und auch bei Christopherus Holt ist das Fleischerhandwerk Familientradition – wenn auch mit einer Generation Abstand: „Mein Großvater Hugo Woltering war Fleischermeister, ist aber früh gestorben“, sagt er. Für ihn sei nicht von Anfang an klar gewesen, dass er Fleischer werden wollte. „Ich hatte viele Wünsche“, sagt er. Nach einigen Praktika habe aber auch er diesen Beruf für sich entdeckt und führe so die Familientradition fort.

Vielfältige Aufgaben überraschen

Trotzdem sind alle drei im Nachhinein überrascht, wie vielfältig ihr Beruf ist: Es gehe ja um mehr als Schlachten und Blut. „Das ist das Bild, das oft über die Medien transportiert wird“, erklärt Peter Gebing. Doch im Kern sei der Fleischermeister mit einem Koch zu vergleichen: Er hole aus einem Lebensmittel das Beste heraus.

Die Praxis im Fleischerhandwerk war nur ein Teil des Meisterkurses: Zu den Inhalten gehören auch Betriebswirtschaft, Recht, Hygiene und der Ausbilderschein.
Die Praxis im Fleischerhandwerk war nur ein Teil des Meisterkurses: Zu den Inhalten gehören auch Betriebswirtschaft, Recht, Hygiene und der Ausbilderschein. © privat © privat

Einen Tierkörper so zuzuschneiden, um vom Filet bis zur Wurst alles herauszuholen, sei die eigentliche Kunst. „Ein echt tolles Handwerk“, betont Till Beckers. Doch das sei eben lange noch nicht alles. Hygiene, technische Abläufe, Betriebsführung und -wirtschaft, Buchhaltung, Marketing, Recht, der Ausbilderschein – der elfwöchige Meisterkurs hatte es noch einmal in sich. „Wir hatten das Glück, dass wir schulisch durch die Ausbildung ja noch gut im Stoff waren“, erklärt Christopherus Holt. Da hätten sich ältere Kursteilnehmer deutlich schwerer getan.

Wie es für sie nun weitergeht, ist noch nicht endgültig klar. „Erst einmal Erfahrung sammeln“, sagt Till Beckers. Denn auch wenn sie ihren Meisterbrief in der Tasche haben, fehlt ihnen noch die praktische Erfahrung.

Erst einmal Erfahrung sammeln

„Ich werde mich jetzt nirgendwo als Meister aufspielen“, sagt Till Beckers. Die beiden anderen nicken. Erst einmal gehe es jetzt darum, Praxiserfahrung zu sammeln. „Du brauchst einfach ein paar Jahre, um dir einen Namen zu machen“, fügt er hinzu. Für Till Beckers und Peter Gebing geht es erst einmal in den Betrieben ihrer Eltern weiter. Dann wollen sie Praktika absolvieren und verschiedene Betriebe kennenlernen. Ob sie die elterlichen Betriebe einmal weiterführen wollen, lassen sie im Moment noch offen.

Christopherus Holt arbeitet in der Fleischerei Damhues in Rosendahl. Begeistert erzählt er von den großen Maßstäben, in denen dort gearbeitet wird. „Da werden jeden Tag 15 Tonnen Wurst produziert, aber hochqualitativ“, erzählt er. Auch für ihn ist aber noch nicht endgültig klar, wo sein Berufsleben ihn hinführt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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