Zwei Jahre Haft für „Susi Sorglos“ mit großer Menge Drogen im Gepäck

mlzDrogenkurier angeklagt

Die Angeklagte war als Drogenkurier unterwegs. Sie tischte dem Ahauser Schöffengericht eine Geschichte auf, die das Gericht schon öfter gehört hat. Die Aussage war aber nicht zu widerlegen.

Ahaus

, 24.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschichte, die eine 49-Jährige dem Ahauser Schöffengericht am Freitag (23.10.2020) auftischte, hatte das Gericht schon öfter gehört. Diese Story sei der „Regelfall“, meinte der Vorsitzende Richter. Die Frau aus Dülmen war angeklagt, weil sie als Drogenkurier unterwegs war und vom Zoll gefasst wurde.

882 Gramm Marihuana im Rucksack

Insgesamt 882 Gramm Marihuana und 46 Gramm Haschisch fanden die Beamten im November 2019 bei einer Kontrolle im Raum Ahaus im Rucksack der Frau. In einer weiteren Tasche einen Zettel mit einer Auflistung der Drogen, inklusive Gewichtsangabe. Entsprechend war die zweifache Mutter angeklagt, Betäubungsmittel „in nicht geringen Mengen“ eingeführt zu haben und damit zu handeln.

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Die Angeklagte kam mit den Drogen aus Enschede. Vor Gericht schilderte sie dann, dass sie bei einer Freundin dort zum Kaffee war. Ein Unbekannter sei dazu gekommen und habe ihr 500 Euro geboten, wenn Sie die Drogen mit über die Grenze nimmt.

Obwohl der 49-Jährigen klar war, dass mit den Drogen Handel betrieben werden sollte, willigte sie ein, den Kurier zu spielen. Die 500 Euro lockten. „Sie war relativ naiv“, meinte ihre Anwältin. Ihre Mandantin habe noch nie etwas mit Drogen zu tun gehabt und sei sich der Folgen nicht bewusst gewesen.

Gericht glaubte der Angeklagten nicht

Der Richter wollte der Angeklagten nicht wirklich glauben, dass es Zufall war, dass jemand bei ihrer Freundin auftauche und ihr Drogen gab, die sie über den Grenze bringen sollte. Auch, dass der Mann die Drogen direkt dabei hatte, „spricht gegen einen Zufall“, meinte der Richter.

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„Das liest sich wie eine Einkaufsliste“, sagte der Vorsitzende zu dem bei der Angeklagten gefundenen Zettel mit einer Drogenliste. Die Angeklagte hatte zuvor ausgesagt, dass der Unbekannte die Drogen bei Ihr in Deutschland wieder abholen wollte.

„Da macht es doch keinen Sinn, dass der Zettel in der Tasche war. Das ist schon merkwürdig“, deutete der Richter an, dass die Angeklagte möglicherweise auch mit einer Einkaufsliste nach Enschede gefahren sei. Aber dafür gab es keine Beweise und die Story der Angeklagten ließ sich vor Gericht nicht widerlegen. Auch hatte die Auswertung der Handydaten der Angeklagten keine Anhaltspunkte dafür geliefert, dass sie mit Drogen handelt.

Angeklagte als „Susi Sorglos“ dargestellt

In seinem Plädoyer warf der Staatsanwalt der Angeklagten vor, dass es ihr völlig egal gewesen sei, dass mit den Drogen Handel getrieben werden sollte. Gleichwohl schilderte er der Angeklagten, dass sie mit einem blauen Auge aus der Sache kommt, weil der Wirkstoffgehalt der Drogen so war, dass eine Verurteilung in einem minderschweren Fall noch möglich sie. So forderte er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung auszusetzen sei.

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Die Anwältin der 49-Jährigen bezeichnete ihre Mandantin in ihrem Plädoyer als „Susi Sorglos“, so blauäugig habe sie sich zum Drogenkurier machen lassen. „Das liegt daran, dass sie keine Erfahrung hat auf dem Gebiet“, das Geld sei einfach nur willkommen gewesen. Sie fand sechs Monate als ausreichende Bestrafung für ihre Mandantin.

Urteil wegen unerlaubter Einfuhr und Beihilfe zum Handel mit Drogen

Das Schöffengericht verurteilte die Frau schließlich wegen unerlaubter Einfuhr von Drogen und der Beihilfe zum Handel mit Drogen in einer nicht geringfügigen Menge zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss die Angeklagte 150 Sozialstunden leisten.

In seiner Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Richter von Skepsis beim Gericht, was die Aussage der Angeklagten angeht. Aber diese sei nicht zu widerlegen. „Ein paar Gramm mehr, und es wäre eine Haftstrafe fällig gewesen“, betonte der Richter, darauf hinweisend, dass die im Gesetz festgelegte Menge um das 24-fache überschritten wurde.

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