Zwei junge Ahauser müssen wegen Corona Zeit in Afrika abrupt beenden

Freiwilligendienst

Josefine Herick und Felix Kemmer mussten ihren Freiwilligendienst in Ghana beziehungsweise Tansania vorzeitig abbrechen. Jetzt sind die beiden wieder zu Hause und hoffen auf ein Wiedersehen.

Ahaus

31.05.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegen der weltweiten Corona-Pandemie musste Josefine Herick ihren Freiwilligendienst in Ghana abrupt abbrechen...

Wegen der weltweiten Corona-Pandemie musste Josefine Herick ihren Freiwilligendienst in Ghana abrupt abbrechen... © Privat

Als die E-Mail kam, waren Josefine Herick und ihre Mitfreiwilligen schon ein wenig geschockt: „Wir hatten bis dahin überhaupt nicht damit gerechnet, dass wir nach Hause fliegen müssen.“

Während in Deutschland die Zahl der an Covid-19-Erkrankten rasant anstieg, schien in Ghana das Leben noch einigermaßen normal. Doch aus Sorge und zum Schutz der jungen Erwachsenen holte das Bistum Münster die Freiwilligen, die für ein Jahr einen Dienst im Ausland machen wollten, Mitte März zurück, wie das Bistum mitteilt.

Schwere Trennung von Waisenkindern

Abruptes Ende eines Auslandsjahres, das für Josefine Herick und Felix Kemmer, der zeitgleich als Freiwilliger in Tansania war, eigentlich bis August hätte dauern sollen. Nach der ersten Mail kam schnell die zweite: „Eine Woche später schon sollte unser Flug gehen.“

Josefine Herick und Felix Kemmer nutzten die wenigen verbleibenden Tage, um Letzte Dinge zu organisieren und um sich zu verabschieden. Besonders schwer war es für den 20-Jährigen, die Waisenkinder, die ihm ans Herz gewachsen waren, zurückzulassen. Der Abschied soll aber nicht endgültig sein: „Ich werde auf jeden Fall wiederkommen“, plant Felix Kemmer für die Nach-Corona-Zeit eine Rückkehr nach Iringa, bei der er dann hoffentlich einige der Kinder wiedersehen wird.

Kein großer Abschied

Das wünscht sich auch Josefine Herick. Große Abschiede waren aus Angst vor der Pandemie auch in Ghana nicht mehr möglich. Die 19-Jährige hat an drei Schulen in Jasikan unter anderem Nachhilfe in Englisch und Mathematik geben sowie Leselernklassen und die mobile Bücherei betreut.

Sebastian Aperdannier, Franziska Barthelt und Judith Wüllhorst aus dem Referat Freiwilligendienste im Ausland des Bistums Münster haben sich um die Rückreise der jungen Erwachsenen gekümmert. Was nicht so einfach war, da der internationale Flugverkehr zunehmend eingeschränkt wurde.

Mit einer Rückholaktion der Bundesregierung konnten die beiden Ahauser nicht rechnen: „Weil es zu diesem Zeitpunkt noch Flüge kommerzieller Gesellschaften gab.“ Für die Bemühungen des Bistumsteams sind sie dankbar: „Wir haben uns sehr gut betreut und begleitet gefühlt, wir standen in ständigem Kontakt mit Münster.“

Viele Telefonate geführt

Geduldig warteten Josefine Herick und Felix Kemmer mit den anderen deutschen Freiwilligen auf ihre Abreisen nach Amsterdam beziehungsweise nach Frankfurt. Trotz aller Umstände haben sie aus der Situation das Beste gemacht. Dazu gehörten auch Telefonate mit den Familien zu Hause.

Wegen der weltweiten Corona-Pandemie musste Felix Kemmer seinen Freiwilligendienst in Tansania abrupt abbrechen.

Wegen der weltweiten Corona-Pandemie musste Felix Kemmer seinen Freiwilligendienst in Tansania abrupt abbrechen. © Privat

Eltern und Geschwister berichteten ihnen, mit welchen Einschränkungen sie rechnen müssten: „In Deutschland war das Leben längst heruntergefahren, während in Tansania und Ghana vieles noch geöffnet war.“ Inzwischen, wissen sie, ist auch dort das Leben mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Neben der offiziellen Zahl der an Covid-19-Erkrankten rechnet man in den afrikanischen Staaten mit einer hohen Dunkelziffer an unerkannten und nicht registrierten Infizierten.

Kontakt mit afrikanischen Freunden

In ihren Gedanken sind die Ahauser noch oft in der Ferne. Fast täglich haben Josefine Herick und Felix Kemmer Kontakt mit ihren afrikanischen Freunden.

Die Erinnerungen an die vielen wunderbaren Begegnungen, an die Ausflüge und die Reisen, bei denen sie mit anderen Mitfreiwilligen Land und Leute erkundet haben, lassen sie manchmal wehmütig werden. Aber nur für den Moment, dann überwiegt die Vorfreude auf ein Wiedersehen. Nach Corona.

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