Für die Abiturienten Moritz Weidlich (l.) und Marco Steube neigt sich ein außergewöhnliches Schuljahr dem Ende zu: Ohne Abifahrt, dafür mit Maske bei den Prüfungen und Distanzunterricht. © Marcel Drawe
Mit Video

„Das ist traurig“: Abiturienten über ein Jahr, das anders geplant war

Zwei Abiturienten aus Bergkamen berichten, wie sie das vergangene Schuljahr erlebt haben. Und wie es für sie ist, stundenlange Prüfungen mit FFP2-Maske zu schreiben.

„Eine Abifahrt wäre schön gewesen, auch wegen der Gemeinschaft.“ Der 17-jährige Marco Steube und seine Mitschüler haben sich auf ihre Fahrt zum Abschluss der gemeinsamen Schulzeit gefreut. Dass sie ausfallen musste, habe die Schüler ziemlich getroffen.

Eigentlich sollte es kurz vor den Osterferien nach Kroatien gehen, doch daraus wurde nichts. Auch der Plan B, stattdessen nach Hamburg zu fahren, fiel der Pandemie zum Opfer.

Die Schüler überlegen nun, im Sommer privat eine gemeinsame Fahrt zu unternehmen, falls es das Pandemiegeschehen dann zulässt. Es wäre zumindest ein kleiner Trost für das, was die Abiturienten seit Beginn der Pandemie alles missen mussten. Eigentlich wollten die Schüler Abivorfeten feiern, um damit Geld für den Abiball einzunehmen und sie hätten Kuchen verkauft und Aktionen gestartet, damit der Ball perfekt werden würde.

Abiturienten wünschen sich eine nachträgliche Abifeier mit der Stufe

Doch nach der ersten Abivorfete, die kurz vor der Pandemie noch stattfinden konnte, fiel nahezu alles aus, was das letzte Schuljahr für die Abiturienten am Bergkamener Gymnasium eigentlich zu einem besonderen machen sollte.

Auch eine Mottowoche war unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich. Und der Abiball? Steube hat noch ein wenig Hoffnung, dass er stattfinden kann, „auch wenn es nicht gut aussieht.“

Marco Steube hat noch ein paar Abiprüfungen vor sich. Die Maske stört ihn dabei kaum. An sie hat sich der 17-Jährige mittlerweile gewöhnt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Steubes Mitschüler Moritz Weidlich denkt indes an Alternativen zu dem Ball, den er schon beinahe aufgegeben hat. Er wünscht sich, dass die Stufe dafür nachträglich gemeinsam feiert, „damit wir wenigstens irgendwas haben“. Auch er ist enttäuscht, dass so vieles ausfallen musste. „Das ist traurig, aber man muss es in Kauf nehmen.“

Der 18-Jährige hat gemeinsam mit Steube den Leistungskurs Sozialwissenschaften am Gymnasium belegt. Die Freunde haben in dem Fach am Dienstag ihre Abiturprüfungen absolviert. Während sie die Aufgaben lösten, mussten alle Schüler eine Maske tragen.

Wenn man bedenkt, dass die Prüfungen etwa vier Stunden oder länger dauern, könnte man meinen, dass das eine ganz schöne Herausforderung war. Für manche Menschen ist es schließlich schon anstrengend, die Maske nur zum Einkaufen zu tragen.

Schülern machen die Abiturprüfungen mit Maske wenig aus

Doch die Schüler stört der Mundschutz wenig. Weidlich und Steube haben sich längst daran gewöhnt, sie zu tragen. Während der Prüfung war es zudem erlaubt, in Begleitung draußen eine kurze Pause zu machen, um frische Luft zu schnappen. Dann durften die Schüler die Maske auch kurz absetzen.

Zudem sei der Raum gut gelüftet worden, sagt Steube. Und jeder Schüler hat eine Ersatzmaske bekommen. „Ich finde, dass es nicht unmöglich war, die Prüfung zu schreiben. Die Schule hat das meiner Meinung nach gut geregelt.“

Moritz Weidlich hatte eigentlich vor, nach dem Abitur ein Auslandsjahr zu machen. Das muss jetzt warten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Beide Schüler haben sich zudem gut vorbereitet gefühlt, auch wenn die vergangenen Wochen anstrengend waren. „Ich hatte im Homeschooling ab und zu das Gefühl, nicht genug vorbereitet zu sein, aber meine Lehrer haben sich gut um die Schüler gekümmert“, sagt Steube. Es sei ihm nicht schwer gefallen, alleine zu Hause zu lernen. Aber weil weniger durch Unterricht vermittelt wurde, mussten die Schüler große Datenmengen verarbeiten, was anstrengend war.

Die schriftlichen Abiturprüfungen am Gymnasium Kamen finden wegen der Corona-Pandemie im Foyer der Konzertaula statt. Dort ist so viel Platz, dass über 60 Schüler aus verschiedenen Kursen gleichzeitig schreiben können. Am Gymnasium in Bergkamen schreiben die Schüler unter anderem im geräumigen Pädagogischen Zentrum. © Stefan Milk © Stefan Milk

Neben der vielen digitalen Unterrichtsmaterialen war es auch nicht immer einfach, sich zu motivieren, wie Weidlich erzählt. „Das Problem bei vielen war, dass sie nicht wussten, wie sie alleine lernen sollen“, berichtet er. Der 18-Jährige hat sich dann eine neue Methode gesucht und mit einer digitalen Dateikarten gearbeitet. „Die App hat mir gezeigt, wo noch Defizite sind. Für mich war es eine relativ neue Lernmethode, weshalb das Lernen damit Spaß gemacht hat.“

Neues Lernen, keine Feiern, keine Abifahrt und kaum Kontakt zu den Mitschülern. Mit den Abiturprüfungen geht für die Schüler eine außergewöhnliches Schuljahr zu Ende, das ganz anders geplant war. Doch die Schüler beschweren sich kaum und konzentrieren sich stattdessen auf die Zeit nach der Pandemie – in der sie dann hoffentlich doch noch eine Abschlussparty feiern können.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
Zur Autorenseite
Claudia Pott

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.