Werner Löbbe hat seine Bienen an mehreren Orten stehen. Dass der Sperrbezirk aufgehoben ist und er seine Bienen wieder versetzen kann, freut den Imker aus Oberaden. © STEPHANIE TATENHORST

Nach Faulbrut-Ausbruch: Imker atmen erleichtert auf

Ein Jahr ist es her, dass die amerikanische Faulbrut Imkern und Bienenfreunden das Blut in den Adern stocken ließ: In Lünen musste ein Sperrbezirk errichtet werden. Jetzt ist er aufgehoben.

Jetzt ist es offiziell: Der Kreis Unna hat an diesem Donnerstag, 28. Mai, den Sperrbezirk Lünen aufgehoben, der wegen der amerikanischen Faulbrut eingerichtet worden war. Vor einem Jahr war in einem Lüner Bienenstock diese für Bienen hoch ansteckende Seuche ausgebrochen. Der Raum Lünen wurde daher zum Sperrbezirk erklärt.

„Wir haben lange darauf gewartet, dass dieser aufgehoben wird. Das wurde nun aber auch endlich Zeit“, sagt Hüseyin Vuran, Bienensachverständiger und 2. stellvertretender Vorsitzender des Kreisimkervereins Unna-Hamm. Denn so ernst die heimischen Imker die Gefahr durch die Faulbrut auch nehmen, ein Sperrbezirk schränkt sie auch gewaltig ein.

Betroffene Stände werden abgeräuchert

Die Bienenseuche ist nicht umsonst anzeigenpflichtig. Tritt ein Fall auf, kommt das Kreisveterinäramt und muss drastische Maßnahmen ergreifen. Betroffene Bienenstände und Bienenhäuser müssen abgeräuchert werden – und bei sämtlichen Imkern der Umgebung werden Proben genommen, ob auch ihre Bienen von der Seuche befallen sind. „Bei mir waren sie zweimal zur Kontrolle“, sagt der Oberadener Imker Werner Löbbe, der seine Bienen unter anderem an der Martin-Luther-Kirche stehen hat.

Ein gesunder Bienenstock ist leuchtend gelb. © Stefan Milk © Stefan Milk

Das sporenbildende Bakterium ist nämlich nahezu unbegrenzt ansteckungsfähig und widersteht auch höchsten Temperaturen. Von bis zu 120 Grad Celsius ist in Fachkreisen die Rede. Den Namen erhielt der Erreger, weil er zum einen die Brut der Honigbienen befällt, und dies bei starkem Befall zu einem auffälligen, dumpfen und unangenehmen Geruch nach Knochenleim führt.

Viele Wege der Ansteckung

Verbreitet und übertragen wird die Krankheit sowohl durch Bienen als auch durch den Imker. Ein Auslöser ist, dass verseuchtes Futter verwendet wird. Dazu zählt auch fremder Honig. „Wir wissen, dass Honig, vor allem aus dem nicht-europäischen Raum, die Sporen enthält. Erfahrene Imker verfüttern daher niemals gekauften und fremden Honig“, erklärt Werner Löbbe. Doch Anfänger wissen das oft nicht. Zudem können die Bienen selbst über offene Mülltonnen an solche Honigreste gelangen. Und dann beginnt ein Teufelskreis. Um den zu durchbrechen, wird bei Ausbruch der Krankheit ein Sperrbezirk eingerichtet.

Die fleißigen Bienen leben in großer Gefahr. Die amerikanische Faulbrut kann zum Beispiel durch falsches Futter wie nicht-europäischen Honig übertragen werden. © STEPHANIE TATENHORST © STEPHANIE TATENHORST

„Das hat zur Folge, dass die Imker ihre Bienen innerhalb des Sperrbezirks nicht bewegen dürfen“, erklärt Hüseyin Vuran. Dabei ist es für Imker an sich Gang und Gäbe, mit ihren Völkern zu wandern und zur Tracht zu gehen. „Wenn der Raps blüht, bringt man die Bienen ins Rapsfeld, um Rapshonig zu bekommen“, nennt Vuran ein Beispiel. Doch nicht nur das war den Imkern verboten, sie durften auch keine Gegenstände oder anderen Sachen aus dem Bienenstock an einen anderen Ort bringen.

Ableger-Bildung wurde erschwert

„Man darf auch keine Völker beisetzen“, erklärt Werner Löbbe. Denn um Ableger von einem Volk zu bilden, das sich um eine neue Königin schart, müssen diese drei Kilometer weit vom alten Stock entfernt sein. „Sonst fliegen die Bienen immer wieder den alten Stock an“, erklärt Löbbe den Hintergrund.

„Durch einen Sperrbezirk ist man dabei dann extrem eingeschränkt.“ Doch auch von Außerhalb darf nichts hereingetragen werden. „Sich als Anfänger neue Bienen anzuschaffen, ging beispielsweise nicht“, erklärt Vuran, denn auch ein Ankauf von Bienenvölkern außerhalb des Sperrbezirks war verboten.

Rapsblüte verpasst, nun warten auf die Linde

Doch all das hat nun ein Ende. Die Freude bei den Imkern ist zwar groß, aber so mancher Imker murrt doch. Vielen dauerte die Sperrzeit zu lange. Und: „Der Raps ist jetzt vorbei, jetzt kommt als nächstes erst die Linde“, weiß Vuran.

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