Auf dem Bayer-Nordgelände, auf dem Bild links oben, könnten zusammen mit einer Laborfläche rund 1600 Arbeitsplätze in der Chemischen Industrie angesiedelt werden. Noch fehlt aber die richtige Idee für die Produktion. © Stefan Milk
Kohleausstieg

Platz für 1600 neue Arbeitsplätze – aber es fehlt noch eine zündende Idee

Die Stadt Bergkamen hat im Zuge des Kohleausstiegs das Bayer-Nordgelände und die Laborfläche in den Blick genommen. Es fehlt aber noch die Idee, was dort angesiedelt werden soll.

Bergkamen fehlen noch immer Arbeitsplätze. Die Stadt hat zwar seit dem Ende des Bergbaus neue Arbeitsplätze geschaffen – aber noch nicht genug, sagen Experten. Zwar hat die Arbeitslosigkeit in den vergangenen zehn Jahren um 29 Prozent ab- und die Beschäftigung um 60 Prozent zugenommen. „Trotzdem ist die Zahl der Beschäftigten deutlich geringer als in vergleichbaren Städten“, sagte Gerhard Seltmann von „GseProjekte – Büro für Regionalentwicklung“ Dinslaken in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses.

Das Büro hat für Bergkamen eine Potenzialanalyse erstellt, wo sich neue Arbeitsplätze schaffen lassen. Es geht darum, dafür Fördermittel aus den 662 Millionen Euro zu bekommen, die für die Standorte von Steinkohlekraftwerken zur Verfügung stehen.

Die Stadt hofft, dass auf der Bayer-Fläche neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, wahrscheinlich auch im Bereich der chemischen Industrie. © Marcel Drawe (Archiv) © Marcel Drawe (Archiv)

Das Geld bekommen jedoch nicht die drei Städte mit Kraftwerken, also Bergkamen, Lünen und Werne, sondern der Kreis Unna. Der Kreistag hat auch schon zwei Projekte zur Förderung angemeldet. Die befinden sich jedoch in Bönen und Schwerte, wo es keine Steinkohlekraftwerke gibt.

In Bergkamen haben die Gutachter festgestellt, dass sich außer der Fläche des Kraftwerks Heil das 40 Hektar große Bayer-Nordgelände für ein Projekt anbieten würde. Fast nebenan an der Werner Straße befindet sich eine sechs Hektar große, bisher ungenutzte Laborfläche, die der Stadt gehört. Auf den beiden Flächen könnten nach Berechnung der Gutachter im Chemiebereich rund 1600 neue Arbeitsplätze entstehen.

Bayer hat Gesprächsbereitschaft über die Fläche signalisiert

Bisher hatten Schering und der Nachfolger Bayer wenig Neigung gezeigt, das Nordgelände für Industrie- und Gewerbeansiedlungen zur Verfügung zu stellen. Das könnte sich ändern. Bayer habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, versichert Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD).

Ein Ausschnitt aus dem Flächennutzungsplan der Stadt. Er zeigt den Chemiepark in grau mit der ungenutzten Fläche oben. Rechts die orangene Fläche ist die Laborfläche an der Werner Straße. © Stadt Bergkamen © Stadt Bergkamen

Doch selbst wenn sich der Chemiekonzern nach Jahrzehnten erweichen lässt: Für eine Förderung mit Kohleausstiegsmitteln reicht es nicht, eine Fläche zu haben, auf der sich Arbeitsplätze ansiedeln lassen. Es ist auch eine Projektidee erforderlich, die viele Kriterien erfüllen muss. Die fehlt jedoch bisher.

CDU vermisst Ideen und die SPD fragt nach einem Plan B

Schäfer sieht die Suche nach Flächen als Beginn eines Diskussionsprozesses über die Nutzung. Bei der Politik herrscht jedoch eine gewisse Skepsis. Der CDU geht der Prozess nicht schnell genug – und sie kritisierte, dass es noch kein Konzept gibt. „Man braucht Fläche und Ideen und das fehlt mir“, sagte der Fraktionsvorsitzende Thomas Heinzel.

Die SPD fragte nach einem „Plan B“, wenn Bayer die Flächen doch nicht zur Verfügung stellt. Die Grünen fragten an, ob sich nicht schon ein Teil der Kraftwerksfläche vorab für neue Gewerbeansiedlungen nutzen lässt. Dort würden theoretisch weitere 45 Hektar für neue Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Das Kraftwerk in Heil wird stillgelegt. Der Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Stadt hat auch mit dem Kraftwerksbetreiber Steag schon Gespräche geführt. Bei der Fläche gibt es jedoch das Problem, das niemand weiß, wann sie zur Verfügung steht. Es ist zwar wahrscheinlich, dass das Kraftwerk schnell stillgelegt wird. Ob es trotzdem noch in der Netzreserve bleiben muss, steht wohl noch nicht fest.

Der Erste Beigeordnete und Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters wies die Kritik an der Stadtverwaltung zurück. Der Stadtverwaltung sei klar, dass ein klassisches Gewerbegebiet für eine Förderung nicht ausreiche. „Das sind ungelegte Eier, die erst noch ausgebrütet werden müssen.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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