Dass ein 34-jähriger Mann wieder in Haft ist und in einer JVA hinter Schloss und Riegel sitzt, hat er seiner eigenen Ungeduld zu verdanken. © dpa
Paketboten überfallen

SEK-Festnahme in Bergkamen: Entführer (34) kam nach Abschiebung zurück

Ein SEK der Polizei nimmt am Mittwoch in Bergkamen einen Mann fest, gegen den ein Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraubs vorliegt. Der Fluch der bösen Tat holte ihn wieder ein.

Der Mann, der am Mittwochabend in Bergkamen von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen wurde, sitzt wieder in Haft. „Der Fluch der bösen Tat holte ihn letztlich wieder ein“, sagt Oberstaatsanwalt Paul Jansen, stellvertretender Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Bochum, dazu.

Auslieferungsfahrer überfallen

Denn dass es so kommen würde, hat sich der Mann selbst zuzuschreiben. Im Jahr 2008 passte er mit vier weiteren Mittätern in Recklinghausen den Fahrer eines mit Paketen beladenen Transporters ab. Als dieser zu seiner Heckklappe ging, überwältigten die Männer den Fahrer, drückten ihn auf der Ladefläche nieder und einer von ihnen fuhr den Wagen davon. Die anderen folgten im Wagen der Täter. „Weil sie den Fahrer mitgenommen und festgehalten haben, ging es um den Tatbestand des erpresserischen Menschenraubs. Die wollten in den Besitz der Pakete kommen“, erklärt Jansen.

Während die vier Mittäter schnell gefasst wurden, war der 34-Jährige lange auf der Flucht. Doch knapp fünf Jahre nach der Tat konnte er 2012 gefasst und am 7. Mai 2013 verurteilt werden: zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Teil der Strafe in der JVA verbüßt

Einen Teil seiner Strafe verbüßte der Mann in der JVA, dann wurde er in seine Heimat abgeschoben – den Kosovo. „Die Staatsanwaltschaft hat dann die Haft unterbrochen und einen Nationalen Haftbefehl ausgestellt“, erklärt Jansen. Das bedeutet – und so sei der Verurteilte auch entsprechend belehrt worden – dass er die restliche, noch ausstehende Strafe nicht verbüßen müsste, wenn er im Ausland bliebe, bis die Strafe verjährt sei. Weil noch 980 Tage zu verbüßen waren, wäre dieser Zeitpunkt im August 2023 gekommen.

„Doch das konnte der Mann wohl nicht aushalten und reiste frühzeitig wieder nach Deutschland ein“, erklärt Jansen. Wann genau das passierte, und warum das Ziel Bergkamen war, weiß die Staatsanwaltschaft nicht. Aber als es den Hinweis gab, dass sich der Mann in einem Haus an der Gedächtnisstraße aufhält, wurde er von der Polizei festgenommen und wieder der Strafhaft zugeführt.

Erneute Abschiebung unklar

„Dort bleibt er jetzt erstmal“, sagt Jansen. Das Urteil von damals muss vollstreckt werden. Und das lautete drei Jahre und sechs Monate Haft. Ob der Mann erneut abgeschoben würde, müsse mit dem Ausländerrecht abgeglichen werden. „Wir hätten gut damit leben können, dass der Mann nicht länger in Deutschland war“, sagt Jansen auf die Frage, ob man sich über die geglückte Festnahme freue. Dass der Mann aber zurückgekehrt sei und die daraus resultierenden Konsequenzen auch gezogen würden, stimme zufrieden. „Der Fluch der bösen Tat holt einen letztlich doch wieder ein.“

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