Die Anwohner der Waldstraße fühlen sich durch den Sextreffen auf dem Haldenparkplatz gestört. Die unerwünschten Besucher hinterlassen Essenreste, Müll – und jede Menge Feuchttücher. © Stefan Milk
Sex und Drogen

Sextreffen an der Halde in Bergkamen versetzen Anwohner in Angst

Die Anwohner sind verärgert und ängstlich: Vor ihrer Nase werden mutmaßlich Drogen gehandelt und Sextreffen abgehalten. Die „Besucher“ verhalten sich nicht gerade freundlich.

Wenn sie sich den zu schnell fahrenden Autos in den Weg stellen oder sich beschweren, werden sie angepöbelt oder bekommen auch mal einen Mittelfinger entgegengestreckt. So schildern die Anwohner der Waldstraße den Kontakt zu unerwünschten „Besuchern“ des Haldenparkplatzes am Ende der Waldstraße. Freundlich sind diese speziellen Besucher offenbar nicht. Doch das ist nicht das einzige Problem: Die Anwohner beklagen sich darüber, dass die Autofahrer, die aus der ganzen Region kommen, zu schnell an ihren Häusern vorbeifahren, dass ihr Aufenthalt auf dem Parkplatz laut ist – und dass sie Müll hinterlassen.

Freilich sind damit nicht jene gemeint, die auf der Halde wandern gehen möchten oder sich abends die Lichtkunst ansehen. Gemeint sind Szenen, die die Anwohner mittlerweile gut kennen.

Seit etwa eineinhalb Jahren würden dort Sextreffen abgehalten, erzählt ein Anwohner. Es gebe sogar eine Internetseite, auf der der Haldenparkplatz für solche Treffen angepriesen wird. „Sie kommen aber nicht nur nachts.“ Neben den Beischläfern beobachten die Nachbarn noch eine Drogenszene. Man könne beobachten, wie sich Händler und Käufer abends und nachts gegenseitig durch Lichthupen verständigen.

Sextourismus: Anwohner kontaktieren die Stadt und die Polizei

Es ist also offenbar ganz schön viel los auf der kleinen, idyllisch gelegenen Waldstraße, wo viele Einfamilienhäuser stehen. Von Idylle ist aber nur noch wenig übrig. „Die älteren Anwohner haben Angst, abends spazieren zu gehen und verlassen die Häuser dann lieber nicht mehr“, erzählen die Anwohner. Mütter seien besorgt um ihre Kinder. Die Heiler wollen lieber nicht öffentlich in Erscheinung treten, weil sie Angst vor der Szene haben.

Der Proviant, der mitgebracht wurde, bleibt liegen. Das stört die Anwohner, denn Essensreste locken Ratten an. © Stefan Milk © Stefan Milk

Akzeptieren wollen sie die Situation aber auch nicht. Sie hätten mehrmals die Stadt kontaktiert und riefen stets die Polizei, wenn die Ruhe gestört wird. Da sie bislang keine konkreten Antworten über eine Lösung für das Problem bekommen hätten, drängen sie nun öffentlich auf Informationen.

Im Rathaus ist das Problem dank der vielen Hinweise bekannt – und an Lösungen wird schon gearbeitet. „Ende August haben wir dort die Geschwindigkeit gemessen“, erklärt der erste Beigeordnete Hans-Joachim Peters auf Nachfrage. Dabei sei durchschnittlich eine Geschwindigkeit von 32 km/h gemessen worden und es habe keine auffälligen Ausschläge gegeben.

Die Zahlen sprechen also gegen Raserei. Ob trotzdem Maßnahmen getroffen werden, um den Verkehr an der Stelle zu beruhigen – wie die Anwohner es sich ausdrücklich wünschen – würde aber der Fachausschuss Bauen und Verkehr entscheiden, so Peters.

Essensreste könnten Ratten und Wildschweine anlocken

Die Anwohner stört aber nicht nur der in ihren Augen zu schnelle Verkehr, sondern auch die lauten Treffen auf dem Parkplatz und der Müll, der danach dort hinterlassen wird. „Dort liegen Scherben und Essensreste herum. Das lockt Ungeziefer an und Wildschweine“, sagt der Ortsvorsteher Dirk Slotta, der im Austausch mit Bürgern und Rathaus steht. Betroffen sei ein hinterer Teil des Parkplatz.

Anwohner und Ortsvorsteher haben verschiedene Ideen, wie dem Sex-Tourismus Einhalt geboten werden könnte. Eine Beleuchtung, um den Platz unattraktiv für solche Gruppen zu machen ist eine davon – eine andere ein Verbotsschild für die Abend- und Nachtstunden.

Von einem Verbot, nachts auf dem Parkplatz zu parken, hält Peters wenig, weil es weiterhin möglich sein soll, die Halde zu begehen. „Besucher auf der Halde sind ausdrücklich erwünscht. Manche kommen auch abends und nachts, um sich das Lichtkunstwerk anzusehen“, sagt er. Die Stadt wolle den Besuch auf der Halde nicht behindern und könne sich deshalb auch nicht vorstellen, eine Schranke zu installieren.

Stadt will den Haldenparkplatz mit einer Kamera überwachen

Doch es gibt eine andere Idee, um Kontrolle über die Situation zu gewinnen. „Wir können uns gut vorstellen, eine Videoüberwachung zu installieren“, sagt Peters. Die Stadt sei diesbezüglich bereits mit dem Besitzer der Fläche, dem RVR, im Gespräch. Der Regionalverband Ruhr bestätigt das und signalisiert Zustimmung, eine Überwachung zu erlauben. Die Probleme dort seien bekannt, sagte die Pressesprecherin Barbara Klask.

Dass sich an der Situation dann mit Sicherheit etwas ändern wird, heißt das aber nicht. Schon jetzt kann die Polizei nur bedingt etwas ausrichten bzw. nur in jenen Momenten aktiv werden, wenn eine Straftat beobachtet wird oder sich Anwohner belästigt fühlen.

Die Anwohner der Waldstraße fühlen sich durch den Sextourismus auf dem Haldenparkplatz in Bergkamen gestört.
Die Anwohner der Waldstraße fühlen sich durch den Sextourismus auf dem Haldenparkplatz gestört. Die unerwünschten Besucher hinterlassen Essenreste, Müll – und jede Menge Feuchttücher. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Hilfe komme immer schnell, loben die Nachbarn, die in den vergangenen Monaten häufig zum Hörer griffen. Das kann Polizeisprecher Christian Stein bestätigen. „In den vergangenen Monaten wurden dort viele Einsätze gefahren“, sagt er. Zudem gehöre der Parkplatz zu jenen Punkten, die die Polizei auch ohne Anrufe auf dem Radar hat und immer wieder kontrolliert.

Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit ist an sich nicht verboten

Die häufigste Begründung für Einsätze sei Ruhestörung gewesen, aber es habe auch Belästigungsvorwürfe gegeben. Die Beamten hätten vor Ort dafür gesorgt, dass die Fahrzeuge sich entfernen und mit den Personen gesprochen, schildert Stein. „In einigen Fällen konnten wir auch keine Feststellungen mehr machen, weil die Autos wahrscheinlich wieder weggefahren sind.“ Einmal habe die Polizei auch eine Trunkenheitsfahrt festgestellt.

Lichtkunst, die weit in die Region strahlt, ist der „Impuls“ in Bergkamen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Zu den Vorwürfen des Sex-Tourismus erklärt Stein, dass Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit an sich kein Vergehen ist – aber dann eins wird, wenn Dritte sich dadurch belästigt fühlen. „Wenn Anwohner sich dadurch gestört fühlen, dann haben wir eine solche Situation.“

Wie viel kann eine Überwachsungskamera ausrichten?

Allerdings müsste die Polizei ein solches Vergehen auch beobachten, um dagegen anzugehen. Und das ist an dem Parkplatz schwer, wie die Anwohner wissen: Die Jahnstraße, von der die Waldstraße abgeht, sei vom Parkplatz aus gut einsehbar und damit auch die Streifenwagen. Etwaige Straftaten können also schnell vertuscht sein, bis die Polizei am Parkplatz angekommen ist.

Doch könnten Filmaufnahmen wirklich dabei helfen, mehr gegen die Szene auszurichten? Das kann Stein nicht pauschal beantworten, weil in einen solchen Prozess mehrere Behörden verwickelt wären.

Generell fragt die Polizei schon nach Filmaufnahmen, um Täter zu identifizieren – wie etwa nach einem Tankstellenraub. Inwiefern Aufnahmen in diesem Fall aber wirklich für mögliche Ermittlungen genutzt werden könnten, würde sich noch zeigen. Zunächst einmal müssen die Kameras hängen – und dafür entsprechende Rechtsgrundlagen vorliegen.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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