Nicht nur gendergerecht, sondern auch barrierefrei: Die Stadt Bergkamen hat das Thema Behördensprache auf der Agenda. © Stefan Milk

Verständlich und geschlechtsneutral: Sprachwandel in den Rathäusern

Geht es ums Amtsdeutsch, dann stellt sich vielen Sprachliebhabern das Nackenhaar auf. Sprachlich wollen die Rathäuser Kamen und Bergkamen besser werden, so weit wie Lünen ist man aber nicht.

Es sind viele Bereiche, in denen Sprache bei einer Behörde eine Rolle spielt. Das reicht vom Amtsdeutsch auf Formularen über Formulierungen in der Ansprache bis hin zur Lesbarkeit von Texten aufgrund von Schriftgröße und -schärfe.

Stadt Lünen als Vorreiter im Kreis

In Sachen gendergerechte Sprache, die nicht nur Frauen und Männer meint, sondern auch alle, die sich der Gruppe divers oder weiteren zugehörig fühlen, ging die Stadt Lünen vor wenigen Tagen mit einem Rundumschlag an die Öffentlichkeit.

Dank eines Leitfadens soll die geschlechtergerechte Sprache bei der Stadt Lünen zur Regel werden. Die Kommunikation der Stadtverwaltung solle so gestaltet sein, dass sich möglichst alle Bürgerinnen und Bürger „angesprochen fühlen und Wertschätzung erfahren“.

Der Genderdoppelpunkt soll bei der Stadt Lünen nur in Ausnahmefällen verwendet werden.
Der Genderdoppelpunkt soll bei der Stadt Lünen nur in Ausnahmefällen verwendet werden. © Julian Preuß © Julian Preuß

Die Mitarbeiter werden dazu aufgefordert, „dafür zu sorgen, dass in Formularen, Vorlagen, Berichten und sonstigen Veröffentlichungen, aber auch im mündlichen Kontakt, alle Geschlechter Berücksichtigung finden und angesprochen werden.

Die Anwendung des Leitfadens soll in Zukunft für den gesamten externen und internen Schriftverkehr und alle Publikationen der Stadtverwaltung die Regel sein“, heißt es in der Pressemitteilung.

Kamen und Bergkamen sitzen auch schon im Sattel

So weit wie in Lünen ist man in Kamen und Bergkamen noch längst nicht, aber auch in diesen beiden Städten nimmt das Thema Sprache mehr und mehr Raum ein und bei neuen Formularen achtet man bereits darauf, die Sprache gendergerecht zu nutzen.

„Unsere Gleichstellungsbeauftragte Martina Bierkämper geht da gut voran und verteilt immer wieder Informationen, wie man es besser machen könnte“, heißt es aus dem Bürgermeisterbüro in Bergkamen.

Auch die neue Neubürgerbroschüre sei nun so formuliert worden, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen. So befindet man sich zwar bereits in einem Prozess ständiger Anpassung, „aber da ist noch viel, viel mehr möglich“.

Bergkamen will mehr als nur genderkonforme Sprache

Denn in Bergkamen setzt man nicht allein auf eine genderkonforme Sprache, sondern auch auf eine verständliche Sprache in gut lesbarer Schrift. Barrierefreiheit spielt eine wichtige Rolle, nicht nur auf der Homepage, sondern auch bei Anschreiben. Je nach Zielgruppe wird die Schriftgröße verändert, auch wenn die Informationen dann über zwei Seiten oder mehr laufen.

„Eine Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit ist diesbezüglich in Planung“, heißt es weiter und bei neuen Formularen werde schon auf größere Schriften und ein kontrastreiches, scharfes Schriftbild geachtet. Aber auch alte Dokumente müssten irgendwann angepasst werden. „Doch in Corona-Zeiten hatten andere Dinge eine höhere Priorität.“

Neue Mitarbeiter am Start

Zudem gab es im Dezernat II, in dem die Bereiche Soziales, Gesundheit und Senioren angesiedelt sind, personelle Veränderungen. „Diese Themen werden dort eine große Rolle spielen“, so die Mitarbeiterin des Bürgermeisterbüros, „aber die Kollegen benötigen erst einmal eine Zeit der Einarbeitung.“

Kamen ist den ersten Schritt schon gegangen

Auch in Kamen ist das Thema längst kein Unbekanntes mehr. „Mit dem Relaunch ist unsere Homepage barrierefrei geworden“, erklärt Stadtsprecher Rüdiger Büscher. Eine einfache Sprache zu wählen sei jedoch ein laufender Prozess, indem die Inhalte, die vorhanden wären, nach und nach überarbeitet würden.

Im Kamener Rathaus ist man beim barrierefreien Online-Auftritt schon auf gutem Weg. Sprachlich vereinfachte Formulare soll es auf dem Weg zum digitalen Rathaus ebenfalls geben. © Stefan Milk © Stefan Milk

„Im Zuge des elektronischen Rathauses, das wir künftig haben möchten, stehen Formulare ohnehin auf unserer Agenda“, erklärt Büscher. „Wir sind also den ersten Schritt bereits gegangen“ – aber das sei ein laufender Prozess mit einem weiten Weg.

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