8500 Kilometer in einer Woche - BVB muss sich in Moskau warm anziehen

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Gerade aus Neckarsulm zurück, geht's schon wieder weiter. Samstag fliegen die Handballerinnen des BVB zum Champions League-Spiel nach Moskau. Nur nicht unter die Räder kommen, lautet die Devise.

Dortmund

, 15.01.2021, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine Szene aus dem Hinspiel im Oktober. Auch im Rückspiel am Samstag in Moskau ist die Dortmunder Inger Smits gefordert.

Eine Szene aus dem Hinspiel im Oktober. Auch im Rückspiel am Samstag in Moskau ist die Dortmunder Inger Smits gefordert. © Ludewig

Das geht an die Substanz - selbst für erfahrene, durchtrainierte und mental starke BVB-Handballerinnen. "Wenn wir am Samstagabend aus Moskau zurück sind, dann haben wir in einer Woche 8500 Kilometer zurückgelegt, das ist schon eine ganze Menge, wirklich respektabel", umschreibt BVB-Trainer André Fuhr die Reisestrapazen und den Kräfteverschleiß in dieser Woche mit drei Auswärtsspielen. Neben dem Reisestress haben die Borussinnen dann auch noch ganz nebenbei zwei Champions League-Spiele in Montenegro und Moskau und eine Bundesliga-Partie in Neckarsulm bestritten. In der Tat respektabel.

Eisige Kälte erwartet die BVB-Delegation in Moskau

Bevor es aber am Samstag Richtung Osten in die eiskalte russische Hauptstadt geht (am Samstag werden Temperaturen bis minus 15 Grad erwartet), galt es, das Auswärtsspiel am Mittwochabend in Neckarsulm zu analysieren.

Zwar stand unterm Strich der elfte Liga-Sieg in Serie, womit der BVB als Tabellenzweiter hinter Bietigheim (drei Spiele mehr) noch als einziges Team der Liga verlustpunktfrei ist, doch ein Spaziergang war das 31:29 (16:17) absolut nicht. "Wir hatten leichte Probleme, den Kampf anzunehmen. Deshalb war der Spielverlauf und das Ergebnis nicht so souverän wie wir uns das vorgestellt haben", gestand Fuhr.

40 Minuten lang lag die Neckarsulmer Sport Union in Führung, war mit einer knappen 17:16-Führung in die Pause gegangen und hatte mit Sarah Wachter, die im gesamten Spielverlauf mit 18 Paraden glänzt, erneut einen starken Rückhalt im Tor. Andererseits hinterließ der BVB den Eindruck, immer Chef im Ring zu sein, erhöhte nach der 40. Minute merklich das Tempo und ging von da an in Führung. André Fuhr nutzte zudem die Chance, zuletzt stark belastete Spielerinnen wie Kelly Dulfer oder Alina Grijseels zwischenzeitlich eine Pause zu gönnen und die Formation auf dem Parkett komplett durchzuwechseln. Die Statistik unterstreicht das. Beste Torschützin war Jennifer Gutierrez Bermejo mit acht Treffern vor Tina Abdulla mit sieben und Inger Smits mit sechs Toren. "Es wurde ja auch nie richtig eng", relativierte Fuhr das auf dem ersten Blick recht knappe Ergebnis von 31:29.

Dass die Konzentration auf die Bundesliga und den damit verbundenen Meistertitel liegt, hat die Führungscrew des BVB in dieser Saison nicht nur einmal unterstrichen. Deshalb warnte Fuhr im Nachgang auch vor Leichtsinn: "Wir dürfen unser bislang gutes Polster nicht gegen Mannschaften wie Neckarsulm oder Blomberg verspielen. Wenn man zwei oder drei solcher Spiele verliert, dann sieht die Tabelle schon ganz anders aus."

Einmal Moskau und wieder zurück

Da der BVB am Donnerstagmorgen erst um 2 Uhr wieder aus Baden-Württemberg zurück war, stand zunächst individuelle Regeneration auf dem Programm. Am Freitag wurde dann leicht trainiert. "Um den Kopf freizubekommen", wie es der BVB-Coach formulierte. Am Samstagmorgen um 9 Uhr geht es dann erneut mit einem Charterflieger von Dortmund aus los. In der Vorwoche Richtung Süden nach Montenegro, diesmal Richtung Osten nach Moskau. Ankunft ist gegen 13 Uhr, danach geht's kurz ins Hotel und dann zur Vorbereitung in die Halle, wo um 16 Uhr Anwurf ist. Ralativ schnell nach Abpfiff fliegt die Dortmunder Delegations dann wieder zurück Richtung Westen. Sollte es für eine Landung in Dortmund zu spät sein, dann zunächst nach Paderborn und weiter mit dem Bus nach Dortmund.

Für den BVB ist es das neunte Spiel in der Gruppenphase der Champions League. Während die Borussia mit zwei Punkten auf Rang sechs rangiert, gehört CSKA Moskau als Tabellendritter mit 13 Punkten zur Spitzengruppe hinter Györi aus Ungarn und Brest aus Frankreich. "Moskau", so André Fuhr, ist eine absolute Top-Mannschaft, technisch überaus stark. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter die Räder kommen. Wir dürfen nicht nachlassen und müssen alle Energie zusammennehmen."

Hinspielniederlage war eine Lehrstunde

Dass auch gegen eine europäische Spitzenmannschaft wie Moskau immer eine Überraschung drin ist, bewies der BVB im Hinspiel in der heimischen Körnig-Halle bei der bitteren 28:29-Niederlage. Zehn Sekunden vor Abpfiff war der BVB noch in Ballbesitz, hatte zumindest einen Punkt so gut wie sicher, verspielte aber leichtsinnig den scheinbar sicheren Vorteil. "Das", blickt André Fuhr zurück, "war die allerbitterste Niederlage überhaupt. Eine Lehrstunde."

Ob Kreisläuferin Clara Monti Danielsson in Moskau dabei sein wird, entscheidet sich erst kurz vor Abflug nach Russland. Die Schwedin fiel im Spiel gegen Neckarsulm stumpf auf den Hinterkopf und schied verletzt aus. Auf jeden Fall nicht dabei ist Jennifer Gutierrez. Sie hat von der russischen Behörden kein Visum erhalten.

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