BVB-Kreisläuferin Anne Müller spricht leise von Abschied

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Kaum vorstellbar, aber möglich: Das 19:24 des BVB in Thüringen könnte das letzte Spiel von Anne Müller im DHB-Pokal gewesen sein. Auch wenn die 35-Jährige selbst noch nicht davon reden will.

Dortmund

, 15.01.2019, 09:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie lange spielt Anne Müller noch im BVB-Trikot? Alles sei offen, sagt die 35-Jährige. Auch ein Karriere-Ende.

Wie lange spielt Anne Müller noch im BVB-Trikot? Alles sei offen, sagt die 35-Jährige. Auch ein Karriere-Ende. © Peter Ludewig

Die Enttäuschung bei Anne Müller ist auch einen Tag nach dem Ausscheiden im DHB-Pokal noch greifbar. „Natürlich ist man niedergeschlagen, wenn man so knapp vor dem Final Four steht und es dann doch nicht schafft“, sagt Borussia Dortmunds Rechtsaußen am Montag. „Aber gegen so einen Gegner wie Thüringen, gerade mit unserer Rumpftruppe, hätten 150 Prozent stimmen müssen, um zu gewinnen.“

Am Ende fehlten einige Prozent, und so mussten sich die Schwarzgelben nach 60 Minuten mit 19:24 geschlagen geben. Nur 19 Tore. „Das war einfach zu wenig“, betont Müller, die vor allem die „geile Atmosphäre in diesem Endspiel“ um das Final Four noch einmal so richtig genossen hat. Und auch wenn man es sich noch nicht so recht vorstellen mag: Für Müller, die am Sonntag drei Tore beisteuerte, könnte die Partie beim Thüringer das letzte DHB-Pokal-Spiel ihrer 17 Jahre währenden Karriere gewesen sein, auch wenn sie selbst einen endgültigen Abschied vom aktiven Handball noch nicht bestätigen will.

„Der Verein und ich sind in Gesprächen, was die Zukunft betrifft“, sagt die 35-Jährige. Wie es nach der Saison weitergeht? Das sei noch offen, erklärt Müller. Klar sei aber auch: „Ich bin in meiner Karriere von großen Verletzungen bislang verschont geblieben. Da sollte man das Glück vielleicht auch nicht überstrapazieren.“ Jeweils ein Innenbandriss im linken und rechten Knie gehören zu den gravierendsten Verletzungen. Es gab ein paar Platzwunden, Nasen- und Fingerbrüche, auch die Rippe war in dieser Saison schon kaputt – aber alles Dinge, „die im Handball nicht der Rede wert sind“, wie Müller erklärt. Den Schultern und den Knien gehe es nach wie vor gut. Das sei das Wichtigste. Zumal es auch ein Leben nach dem Sport gibt. Privat, aber auch beruflich. Müller arbeitet nebenbei als Web-Entwicklerin.

Verein will auf Müllers Expertise zurückgreifen

Der Verein bestätigt den Austausch mit der Spielerin. „Wir sprechen natürlich mit Anne Müller. Wie ihre Zukunft aussieht und ob beziehungsweise in welcher Rolle wir sie im Verein einbinden können“, sagt Andreas Bartels, stellvertretender BVB-Abteilungsvorstand. Müller habe in Handball-Deutschland einen „klangvollen Namen. Da wäre es fahrlässig, nicht auf ihre Erfahrung und Expertise zurückgreifen zu wollen“.

171 Länderspiele hat die Kreisläuferin auf ihrem Konto, 2008 nahm sie mit der deutschen Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Peking teil. Seit 2015 spielt sie bei Borussia Dortmund. Und hat hier in dieser Saison mit dem derzeitigen Tabellenvierten noch einiges vor. „Wir haben zuletzt gegen Neckarsulm und Blomberg unsere Pflichtaufgaben erfüllt“, sagt Müller. „Ich bin gespannt, ob wir das jetzt auch mal gegen die Topmannschaften der Bundesliga bestätigen können.“

Großer Einsatz und Willen

Die 35-Jährige, die ihre Bundesliga-Karriere 2002 bei Bayer Leverkusen startete, wird alles dafür geben. Wer Müller kennt, weiß um ihren Einsatz und ihren Willen. „Sie kann nicht verlieren, egal ob beim Fußballspielen im Training oder im Wettkampf“, sagt BVB-Trainer Gino Smits über seine Spielerin. Müller gehe voran, gebe immer alles. Eine Spielerin, wie sie sich jeder Trainer wünscht. Auch Smits. Ob er Müller auch in der kommenden Saison gerne in seiner Mannschaft hätte? „Das entscheidet nicht der Trainer, das entscheidet allein Anne Müller“, sagt der Niederländer, der die Kreisläuferin in dieser Saison aufgrund der personellen Situation auch schon auf Linksaußen aufgestellt hat.

Für Müller kein Problem. Auch wenn sie sich selbst lieber in der Mitte sieht. „Auf Außen ist man viel weniger ins Spiel involviert als in der Mitte.“ Da ist es kaum vorstellbar, dass sie demnächst gar keinen Ball mehr auf dem Feld in die Hände bekommt.