Handball

BVB-Spielerin schießt gegen den eigenen Trainer: „Er kann damit nicht gut umgehen.“

Fast schon zeitgleich zur Bekanntgabe ihres Wechsels nach Bietigheim, kritisiert BVB-Spielerin Kelly Dulfer ihren Trainer André Fuhr sehr deutlich. Borussia Dortmund zeigt sich enttäuscht.
Eine wichtige Stütze für BVB-Trainer André Fuhr im Liga-Endspurt. Die Niederländerin Kelly Dulfer musste zuletzt nicht in Quarantäne. © Ludewig

Seit Donnerstagfrüh gegen 9.30 Uhr ist bekannt, dass Borussia Dortmunds Spielerin Kelly Dulfer in der kommenden Saison bei der SG BBM Bietigheim spielen wird. Dies gab der Handball-Bundesligist bekannt und schaffte damit einen echten Coup. Denn dem Verein ist es gelungen, eine der weltweit besten Rückraumspielerin vom größten nationalen Konkurrenten loszueisen.

Nur wenige Minuten später erschien ein Medienbericht auf dem Portal „NOS“ aus den Niederlanden, in dem Dulfer mit deutlichen Worten gegen Borussia Dortmund schießt, allen voran gegen BVB-Coach André Fuhr.

Atmosphäre im Team habe gelitten

Dulfer sagt, es fühle sich gut an zu wissen, dass sie den BVB am Ende der Saison verlassen könne. „Was Dortmund darüber denkt, ist für mich unerheblich“, erklärte sie laut dem niederländischen Portal. Deutliche Worte der Handball-Weltmeisterin von 2019, die sich vor allem auf ihren aktuellen Trainer einschoss. „Wir sehen eine Reihe von taktischen Fragen in Bezug auf das Training und Coaching anders – auch in Champions-League-Spielen“, sagte sie gegenüber „NOS“ und führte weiter aus: „Er kann damit nicht sehr gut umgehen.“

Dabei gibt sie auch Indizien darauf, dass die Atmosphäre im Team gelitten habe. Andere Meinungen wären nicht akzeptiert worden, hätten sie nicht der von Fuhr entsprochen.

Der Trainer der erfolgreichen BVB-Handballerinnen wollte sich am Donnerstagnachmittag zu den Vorwürfen nicht äußern. Das tat dafür Andreas Heiermann, Handball-Abteilungsleiter des BVB: „Für uns ist es sehr traurig, wie sie jetzt mit dem Verein und dem Trainer umgeht. Sie gefährdet die deutsche Meisterschaft und nachhaltig die Handball-Abteilung von Borussia Dortmund.“

Heiermann betont, dass den Verantwortlichen um ihn, Trainer Fuhr und auch dem stellvertretenden Abteilungsleiter Andreas Bartels klar gewesen sei, dass Dulfer den Schritt zu Bietigheim gehe, nachdem sie den Wechselwunsch vor einiger Zeit geäußert hatte. Im Übrigen gehen die Verantwortlichen von Borussia Dortmund ebenfalls davon aus, dass Dulfers Teamkollegin Inger Smits den Weg ebenfalls nach Bietigheim geht.

Zu möglichen Konsequenzen des Interviews, das nicht mit dem Verein abgesprochen war, konnte Heiermann noch nichts sagen, doch er betont: „Sie schädigt ja nicht nur den Verein alleine, sondern das ganze Team.“ Und vor allem gefährdet sie die Chance auf die erste deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte für den BVB. Schwarzgelb ist in dieser Spielzeit noch verlustpunktfrei, hat die beste Tordifferenz der Liga, steht seit dem 27:21-Sieg am Mittwoch gegen Bayer Leverkusen auf der Spitzenposition im Tableau und kann sich – rein von den sportlichen Resultaten her – überhaupt nicht beschweren.

Eigentlich keine großen Nebenschauplätze

Zwar gab es unter der Woche die Verkündung der Abgänge von Dulfer, Smits, Johanna Stockschläder und Isabell Roch, doch zeitgleich verlängerten Alina Grijseels, Dana Bleckmann und Merel Freriks ihre Verträge. Die Kaderplanungen schienen im Soll für das kommende Jahr. Große Nebenschauplätze waren in den vergangenen Wochen kein Thema.

Ehe Dulfer erst mit ihrem Wechsel zum größten nationalen Konkurrenten Aufsehen erregte und im Anschluss mit den Aussagen gegenüber dem Klub und Trainer André Fuhr.

Angesprochen auf die Gespräche vor Vertragsabschluss mit dem Konkurrenten aus Bietigheim und ihrem zukünftigen Trainer Markus Gaugisch meinte Dulfer vielsagend: „Er hat genau das gesagt, was ich in den letzten zwei Jahren vermisst habe. Er sieht sich als Teil des Teams, das gemeinsam in Absprache Dinge erreicht“, sagte sie laut „NOS“.

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