BVB-Trainer André Fuhr: Wollen bis zum Ende um den Titel mitspielen - WM-Pause kommt ungelegen

BVB-Handball-Frauen

Die Bundesliga der Frauen geht in die WM-Pause – und es führt Borussia Dortmund. Der BVB ist auf dem Wege, den Platzhirschen wie Thüringen oder Bietigheim den Rang streitig zu machen.

Dortmund

, 21.11.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Trainer André Fuhr: Wollen bis zum Ende um den Titel mitspielen - WM-Pause kommt ungelegen

Borussia Dortmund hatte in dieser Saison bislang viel zu feieren. © Peter Ludewig

Die Handballerinnen des BVB sind wieder wer in Deutschland. Am Wochenende gelang gegen Buxtehude der siebte Sieg im siebten Spiel. Dortmund ist Spitzenreiter, als einziges Team noch verlustpunktfrei. Dahinter folgt Meister Bietigheim mit einem Zähler weniger, während Blomberg gegen Pokalsieger Thüringer HC die ersten Minuspunkte kassierte.

Doch so richtig glücklich ist Andrè Fuhr, der Coach der BVB-Handballerinnen, nicht mit der Situation. Damit meine er natürlich nicht die Tabellensituation, sondern die anstehende WM-Pause aufgrund der Ende November beginnenden Titelkämpfe in Japan, so der Handball-Lehrer.

BVB fehlt komplette Sieben

„Uns fehlt eine komplette Sieben. Dazu kommen noch die beiden Polinnen (Aleksandra Zych und Bogna Sobiech, Anm. d. Red.). Bevor wir das Ligaspiel am 27. Dezember in Bad Wildungen bestreiten, können wir gerade mal zwei Trainingseinheiten komplett absolvieren“, sagte Fuhr.

Der 27. Dezember ist natürlich noch weit weg. Andererseits kommt es nur zwei Tage später in Dortmund zum großen Showdown, wenn der BVB den amtierenden Meister aus Bietigheim empfängt. Dann wird sich zeigen, wo der BVB steht, der aktuell das Maß aller Dinge ist.

Ziele leicht korrigiert

Andreas Heiermann, der Abteilungsleiter der Dortmunder, korrigierte nach dem 31:25 in Buxtehude – übringens der erste Sieg des BVB seit dem 14. Mai 1997 gegen die Norddeutschen – daraufhin das Zwischenziel, zumindest ganz leicht. Hieß es bislang, man wolle als Spitzenreiter unterm Weihnachtsbaum sitzen, was die Borussinnen ja schon können, sagte Heiermann nun: „Wir wollen als Tabellenführer ins neue Jahr gehen.“

Damit wäre ein Sieg oder zumindest ein Unentschieden gegen Bietigheim Pflicht, einen Erfolg beim Schlusslicht Bad Wildungen natürlich mit eingerechnet. Für Heiermann sei der Sieg in Buxtehude ein „mehr als positiver Abschluss“ dieser ersten Saisonphase. Dass der BVB bis zu diesem Zeitpunkt verlustpunktfrei durch die Liga marschiert, hatte der Abteilungsvorstand so nicht vorhergesehen. Mit zwei Minuspunkten habe er im optimalen Fall kalkuliert: „So ist es das Sahnehäubchen auf einer bislang perfekten Saison.“

Kader fast komplet ausgewechselt

Dabei hatte es im Sommer gar nicht danach ausgesehen. Durchaus überraschend hatten sich die Wege des BVB und Trainer Gino Smits getrennt. Wobei die Dortmunder zeitgleich mitten im Umbruch standen. Bis auf ganz wenige Spielerinnen wie Nationalspielerin Alina Grijseels wurde der Kader komplett ausgewechselt.

Der für den Sport verantwortliche Andreas Bartels, stellvertretender Abteilungsleiter, bewies zusammen mit dem scheidenden Gino Smits und Heiermann Gespür und ein glückliches Händchen. „Der Verein hat gute Arbeit geleistet“, gestand André Fuhr, seit Sommer Nachfolger von Smits.

Qualität im Kader weiter angehoben

Die Qualität des Teams hat sich im Vergleich zum Vorjahr massiv erhöht. In Kelly Dulfer, Aleksandra Zych, Isabell Roch und Inger Smits kamen international erfahrene Spielerinnen, die über eine hohe Qualität verfügen. Die „größte Überraschung sind für mich aber unsere zwei neuen Außenspielerinnen“, sagte Heiermann. Bogna Sobiech liegt mit 54 erzielten Treffern ligaweit auf Platz drei der Scorerliste. Rechtsaußen Kelly Volleybregt traf 33 Mal (Platz 20). „Das ist schon traumhaft, was auf Außen abgeht“, so der Abteilungsvorstand.

Nach nur sieben Meisterschafts- und zwei Pokalspielen hat der Ostwestfale André Fuhr daraus eine Mannschaft geformt, die offensichtlich zusammenpasst, die mittlerweile auch ein Spiel drehen kann. Es brauche natürlich seine Zeit, bis die Spielflüsse automatisiert seinen, bis die Spielerinnen antizipieren, so Fuhr. Das sei ein langwieriger Prozeß, der längst noch nicht abgeschlossen sei. Und genau deshalb käme die WM-Pause zu keinem günstigen Zeitpunkt.

BVB will bis zum Ende um Titel mitspielen

Und dennoch ist man mutiger geworden in Dortmund, die Zielsetzung wurde angepasst. „Ich gehe davon aus, dass es am Ende drei Teams sein werden, die um den Titel mitspielen werden. Thüringen, Bietigheim und wir. Aber nach dem 29. Dezember wissen wir mehr, wo wir stehen“, so Fuhr.

Zumindest die Zuschauer honorieren dieses neue Selbstbewusstsein. 908 Anhänger der Schwarzgelben strömten bislang durchschnittlich zu den drei Heimspielen der Borussia – mehr als doppelt so viel wie noch in der vergangenen Saison. Erfolg macht eben attraktiv.

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