Die BVB-Frauen müssen gegen Thüringen aus dem Nichts heraus liefern

Handball

Es ist das Topspiel der Liga. Der Dritte gegen den Fünften. Der BVB muss am Sonntag beim Rekordmeister Thüringer HC antreten. Es wird sich zeigen, wer die EM-Pause am besten verkraftet hat.

25.12.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kelly Dulfer gehört nach einer kurzzeitigen Suspendierung wieder zum BVB-Kader.Ludewig

Kelly Dulfer gehört nach einer kurzzeitigen Suspendierung wieder zum BVB-Kader.Ludewig © lu

Wenn es ein Beleg dafür gibt, was ein Spitzenspiel ist oder auch nicht, reicht ein Blick ins TV-Programm. Dort wird die Partie Thüringer HC gegen Borussia Dortmund auf Eurosport gezeigt, Anwurf 15 Uhr, live. Quasi der mediale Ritterschlag im Frauenhandball.

Das Spitzenspiel der Liga, der Fünfte aus Erfurt empfängt den Dritten aus Dortmund, ist eine Partie mit vielen Unbekannten und noch mehr Fragen. Wer hat die lange EM-Pause am besten überstand, wie sieht es in Sachen Corona aus, wer ist verletzt? „Wir müssen aus dem Nichts heraus liefern“, umschrieb Andreas Bartels, der stellvertretende Abteilungsleiter, die Situation.

Niederlage im Pokal war unnötig

Der Reihe nach: Das letzte Meisterschaftsspiel des BVB datiert auf den 30. Oktober. Da schlugen die Borussinnen den Titel-Mitfavoriten Bietigheim in fremder Halle mit 28:22, ein Woche später folgten die beiden Niederlagen in der Champions League am Doppelspieltag in Györ in Ungarn, drei Tage später dann die ernüchternde 25:26-Pokalpleite beim Buxtehuder SV. „Das war natürlich völlig unnötig und überflüssig, ist aber abgehakt. Wir wollen jetzt nach vorne schauen“, kommentierte Borussen-Coach André Fuhr im Rückblick.

Der Betriebsausflug nach Ungarn hatte dazu noch weitere unangenehme Folgen. Da gleich mehrere Spielerinnen von Györ positiv auf Corona getestet wurden, musste auch der BVB für 14 Tage in Quarantäne.

Den gesamten Dezember lief dann die Europameisterschaft in Dänemark. Mit zahlreichen Spielerinnen aus Dortmund und André Fuhr für zwei Wochen auf der Trainerbank. Der hätte sich besonders für Inger Smits bei den Niederländerinnen („Inger ist eine tolle Allrounderin“) und für die Dortmunderin Alina Grijseels („Man hätte ihr mehr Verantwortung übertragen können“) mehr Spielanteile erwartet.

Sieben Wochen Spielpause

Geschlagene sieben Wochen hat der BVB, der null Verlustpunkte hat und nur aufgrund der weniger gespielten Partien nicht auf Platz eins liegt, nicht mehr in kompletter Besetzung trainiert. Wieder zurück in Dortmund, wurde in einer recht übersichtlichen Gruppe trainiert. Insgesamt acht Spielerinnen hatte Fuhr zur Verfügung. Zwischendurch fiel noch eine Spielerin durch eine Corona-Quarantäne aus und nach der EM durften die Nationalspielerin zunächst eine kleine Regenerationspause einlegen.

Erst am Dienstagmorgen dieser Woche traf sich der gesamte Kader zur ersten gemeinsamen Trainingseinheit. „Voll einsteigen kann man dann natürlich nicht. Jetzt hoffe ich, dass die Spielerinnen die Weihnachtstage diszipliniert überstehen. Ich denke aber, sie wissen, wie wichtig dieses Spiel in Erfurt für uns ist“, nahm Fuhr seinen Kader in die Pflicht.

Von der Berufsauffassung der Spielerinnen ist auch Andreas Bartels überzeugt: „Sie sind sehr diszipliniert und wissen, dass wir einen erfolgreichen Wiedereinstieg in die Liga brauchen.“

Dabei ist Thüringen trotz seiner bereits sieben kassierten Minuspunkt ein unangenehmer Gegner. „Der THC ist eine echte Herausforderung, zumal er nur zwei Spielerinnen zur EM abstellen musste“, umschreibt Bartels die Spielstärke der Erfurterinnen.

Ein Blick in die Statistik zeigt. Spiele des BVB gegen Thüringen waren schon immer eng, hart umkämpft und endeten zum Großteil mit Niederlagen für den BVB. Seit 2016 trafen beide Klubs zehnmal aufeinander. Sechsmal behielt der THC die Oberhand, dreimal der BVB, dazu gab‘s ein Remis.

Mit Herbert Müller haben die Erfurterinnen einen Trainer, der als großer Motivator gilt und sieben Meistertitel zwischen 2011 und 2018 holte. Der BVB kann dennoch mit breiter Brust in den Osten fahren. „Wir müssen zwar aus dem Nichts heraus liefern, verfügen dafür aber über einen qualitativ hochwertigen Kader“, so Bartels.

Zudem sind auch Kelly Dulfer und Inger Smits wieder dabei. Beide waren zuletzt aus disziplinarischen Gründen gesperrt (Fuhr: „Es gibt Regeln, die sind unantastbar“), gehören aber wieder zum Kader. „Die Sache ist erledigt“, so der BVB-Coach. Zum Borussen-Kader dazu gehört auch die Niederländerin Laura van der Heijden. Die 30-jährige Rückraumspielerin wechselte im November mit sofortiger Wirkung vom ungarischen Top-Klub Siófok KC zum BVB und hat zunächst einen Vertrag für die laufende Saison unterschrieben.

BVB-Neuzugang dabei

Natürlich wird Laura van der Heijden sich noch eingewöhnen müssen. „Ein Training reicht dazu nicht aus“, so Andrè Fuhr. Andererseits verfügt die Holländerin über eine enorme Erfahrung und ein hohes Grundverständnis, hat bereits über 200 Länderspiele absolviert und dabei über 600 Tore für die Niederlande geworfen. Bei der Europameisterschaft in Dänemerk gehörte Linkshänderin Laura van der Heijden in jedem Spiel zur Startformation der Niederlande.

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