BVB-Trainer André Fuhr macht klare Ansage: Wollen als Tabellenführer unterm Weihnachtsbaum sitzen

BVB-Handball-Frauen

Borussia Dortmund hat den perfekten Saisonstart hingelegt. Zufriedengeben wollen sich die BVB-Handballerinnen damit aber nicht - und arbeiten deshalb an ihren Baustellen. Eine erste Zwischenbilanz.

Dortmund

, 23.10.2019, 13:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Trainer André Fuhr macht klare Ansage: Wollen als Tabellenführer unterm Weihnachtsbaum sitzen

Die herausragende BVB-Spielerin der ersten fünf Spieltage: Bogna Sobiech © Ludewig

Fünf Spiele, fünf Siege. Mit dieser hundertprozentigen Quote haben sich die Handballerinnen des BVB in die kurze Länderspielpause verabschiedet. „Dass wir jetzt als Tabellenführer ganz oben stehen, war vor der Saison nicht zu erwarten“, freute sich Trainer André Fuhr über den äußerst gelungenen Saisonstart.

Und so soll es weitergehen. Überraschend offensiv ging Fuhr die Ziele für den Rest des Jahres an: „Wir wollen als Tabellenführer unterm Weihnachtsbaum sitzen. Und im Pokal wollen wir uns für das Final Four in Stuttgart qualifizieren.“

Fuhr in Doppelfunktion unterwegs

Der Chefcoach selbst war von Montag bis Mittwoch bei einem U20-Nationalmannschaft-Lehrgang in Kienbaum. Seit Mitte September übt er diese Doppelfunktion aus. Trainer des BVB und Nationalmannschaft-Coach der U20, die er im kommenden Jahr auch bei der U20-WM in Rumänien (7. bis 19. Juli 2020) betreuen wird.

In Kienbaum, rund 40 Kilometer östlich von Berlin gelegen, sind gleich vier Nachwuchs-Borussinnen aus der Meistermannschaft der A-Jugend dabei: Lena Hausherr, Dana Bleckmann, Leonie Kockel und Mariel Wulf. Der BVB stellt damit die meisten Spielerinnen überhaupt in diesem 16er-Kader. Was sicherlich für die außerordentlich gute Nachwuchs-Arbeit der Dortmunder spricht.

Vier Nachwuchs-Spielerinnen des BVB in Kienbaum

Zurück zur Bundesliga. Was waren in den fünf Spielen die herausragenden Partien, wer hat am meisten überrascht, wie geht’s weiter und wo gibt’s noch die ein oder andere Baustelle? „Die beste Leistung haben wir wohl in Thüringen gezeigt, da sind wir nach einem 18:22 zurückgekommen und haben noch mit 26:25 gewonnen.

BVB-Trainer André Fuhr macht klare Ansage: Wollen als Tabellenführer unterm Weihnachtsbaum sitzen

Haben gute Arbeit geleistet: BVB-Coach André Fuhr (l.) mit Co-Trainer Andreas Kuno. © Ludewig

Danach kommt sicherlich der 35:31-Sieg zuhause gegen Metzingen“, urteilte Fuhr, der es nicht als selbstverständlich ansieht, dass der BVB nach fünf Spieltagen diese exponierte Stellung einnimmt. Am Wochenende in Neckarsulm hieß es immer wieder, dass man sechs neue Spielerinnen habe und es deshalb noch nicht so wirklich rund laufe, so Fuhr: „Aber wir mussten sogar sieben neue Spielerinnen integrieren.“

Bogna Sobiech die überragende Akteurin

Überragende Spielerin beim Sieg gegen Serienmeister Thüringer HC (2011 bis 2016) war Bogna Sobiech mit sieben Treffern, darunter der entscheidende zum 26:25, erzielt durch einen mutigen Konter wenige Sekunden vor Schluss.

„Bogna war in den ersten fünf Spielen die überragende Spielerin. Sie hat bei uns eine außergewöhnliche Qualität, die sie in den letzten Jahren so nicht gezeigt hat“, lobte Fuhr die 29-jährige polnische Nationalspielerin, die über die Stationen Hannover-Burgdorf, SVG Celle und HSG Bensheim/Auerbach in diesem Sommer nach Dortmund kam.

Zwar ist die Linksaußen Toptorschützin des BVB, aber André Fuhr nimmt sie dennoch in die Pflicht. „Bogna muss noch beständiger werden. Gegen Metzingen war sie quasi nicht parat. Und ihre neun Toren in Neckarsulm resultieren natürlich auch zum Großteil daraus, dass unser Spiel so angelegt ist und über die Außen läuft.“

Lob für Dana Bleckmann

Dass André Fuhr bislang konsequent auf seinen Stamm setzt, hat gute Grunde. Lässt aber auch dem Nachwuchs wenig Chancen. „Das ist natürlich Fluch und Segen zugleich. Die ersten neun Spielerinnen sind ungeheuer stark, sind alle im richtigen Handball-Alter, verfügen über eine große Erfahrung. Da ist es äußerst schwierig für den Nachwuchs, Einsatzzeiten zu bekommen“, so Fuhr, der unter anderem Dana Bleckmann, die erst 18-jährige Rückraumspielerin hervorhebt.

„Sie hat Potenzial. Das hat sie im Pokal in Bremen gezeigt und zuletzt in Neckarsulm mit ihren vier Toren.“ Fuhrs Tipp für die Zukunft. „Die jungen Spielerinnen müssen geduldig sein, weiter konsequent arbeiten“, so der U20-Bundestrainer, der aufgrund seiner bisherigen Arbeit in Blomberg nicht nur einmal bewiesen hat, ein glückliches Händchen für den Nachwuchs zu haben.

Ein paar Baustellen gibt es noch

Durchaus kritisch sieht der BVB-Coach dagegen drei Dinge, die er als „Baustellen“ umschreibt. „Es fehlen uns die einfachen Tore aus dem Rückraum. Dazu lassen wir einfach zu viele Gegentore zu, obwohl wir die Defensiv-Varianten 6:0 als auch 5:1 gut beherrschen. Wir sind eigentlich nicht schlecht in der Abwehr, müssen aber individuell noch konstanter werden“, so Fuhr.

Bislang kassierte Spitzenreiter BVB 132 Gegentore, die HSG Blomberg-Lippe als Tabellenzweiter nur 114 und der Tabellenvierte Thüringen nur 107. Und noch etwas will der 47-Jährige in den kommenden Spielen abstellen. Die auffällige Schwäche des BVB in der erstenHälfte.

Appell an die Mannschaft

Zwar gilt die aktuelle Tabellensituation für Fuhr nur als Momentaufnahme, doch ändern soll sich daran bis Weihnachten nichts. „Wir wollen als Tabellenführer unterm Weihnachtsbaum sitzen“, so sein Appell an die Mannschaft. Klingt zum jetzigen Zeitpunkt etwas ungewöhnlich, ist es aber nicht, stehen doch nur noch zwei Meisterschaftsspiele auf dem Programm.

Am 9. November zu Hause gegen Göppingen und am 16. November in Buxtehude. Erst am 27. Dezember geht’s mit dem Auswärtsspiel in Bad Wildungen weiter. Dazwischen liegt die Bundesliga-Spielpause wegen der Handball-Weltmeisterschaft im japanischen Kumanoto vom 30. November bis zum 15. Dezember.

Das Final Four in Stuttgart ist das Ziel

Und dann wäre da noch der DHB-Pokal. Nach dem Auftaktsieg bei Werder Bremen folgt am kommenden Freitag, 1. November, das Achtelfinale gegen den Liga-Konkurrenten Bayer Leverkusen in der heimischen Halle Wellinghofen. „Bis zum Olymp Final4 in Stuttgart am 23./24. Mai in Stuttgart benötigen wir noch zwei Siege. Stuttgart muss unser Ziel sein“, formulierte Fuhr durchaus selbstbewusst das Ziel im Pokalwettbewerb.

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