17. Juni 1995: Dortmund im Ausnahmezustand - der BVB ist Meister

Zeitspiel

Lange 32 Jahre musste Borussia Dortmund auf diese Deutsche Meisterschaft warten. Am 17. Juni 1995 gewinnt der BVB das Herzschlagfinale gegen Bremen. Unser Zeitspiel.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 17.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Emotionen pur (v.l.): Andreas Möller, Michael Zorc und Ibrahim Tanko.

Emotionen pur (v.l.): Andreas Möller, Michael Zorc und Ibrahim Tanko. © imago images / WEREK

42.600 Fans - das Stadion war durch den Umbau der Nordtribüne um 11.000 Plätze verkleinert worden - waren beim Showdown gegen den Hamburger SV live dabei. Weitere 50.000 Borussen hatten sich in der Dortmunder City versammelt, um die Partie auf einer riesigen Leinwand zu verfolgen.

BVB geht mit einem Punkt Rückstand in den letzten Spieltag

Die Ausgangssituation: Der BVB hatte unter Trainer Ottmar Hitzfeld mit 47:19 Punkten aus 33 Meisterschaftsspielen eine sehr gute Saison gespielt und lag hinter Werder Bremen (48:18 Punkte) auf Platz zwei. Die Borussen mussten also im letzten Match gegen den HSV gewinnen, gleichzeitig Bremen in München straucheln.

Andreas Möller präsentiert die Meisterschale.

Andreas Möller präsentiert die Meisterschale. © imago/WEREK

Weil die Karten-Nachfrage unvorstellbare Ausmaße angenommen hatte, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt entschieden, Borussias Saisonfinale auf dem Friedensplatz zu übertragen und hier auch - im Fall der Fälle - am Sonntag die Meisterfeier zu zelebrieren.

Andreas Möller bringt den BVB früh in Führung

Die Entscheidung für den Friedensplatz erwies sich als großer Wurf. Bereits am Vormittag des Spieltages hatten sich rund 10.000 Fans vor dem Rathaus versammelt, um höchst emotional Flemming Povlsen zu verabschieden. Borussias Sympathieträger war Monate zuvor im Pokalspiel gegen Kaiserslautern so schwer verletzt worden, dass er seine Karriere beenden musste.

Borussias Meistertrainer: Ottmar Hitzfeld.

Borussias Meistertrainer: Ottmar Hitzfeld. © imago / Sven Simon

Bereits nach neun Minuten wurde dem BVB ein Freistoß aus gefährlicher Distanz zugesprochen. Spezialist Andreas Möller legte sich die Kugel zurecht und schnippelte sie rechts an der HSV-Mauer vorbei, HSV-Torhüter Richard Golz war machtlos. Wenige Minuten später folgte die Info aus München: „Bayern führt gegen Bremen!“ Das lief ja wie geschmiert.

Michael Zorc: „Das war eine Explosion der Gefühle“

Den Borussen merkte man trotz der Führung die große Bedeutung des Spiels an. Die Hitzfeld-Truppe wirkte recht verkrampft - eine wirklich große Partie entwickelte sich nicht. Knapp eine halbe Stunde war gespielt, da segelte eine von Stefan Reuter präzise geschlagene Ecke in den Strafraum der Hamburger, Youngster Lars Ricken stand goldrichtig und verwandelte per Kopf zum 2:0.

Der Party-Marathon der BVB-Fans begann im Westfalenstadion.

Der Party-Marathon der BVB-Fans begann im Westfalenstadion. © imago / Claus Bergmann

Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Schlusspfiff. Und da Bremen in München mit 1:3 unterlag, stand fest: Borussia Dortmund war Deutscher Meister der Saison 1994/95. Zum vierten Mal in ihrer Vereinsgeschichte hatten die Schwarzgelben die Schale in den Pott geholt. „Das war eine Explosion der Gefühle, weil es die erste Meisterschaft nach sehr langer Zeit war“, sagt Sportdirektor Michael Zorc und 1995 Kapitän rückblickend. „Das war eine Mannschaft, in der es durchaus Reibereien gab - aber dem Erfolg wurde alles untergeordnet. Ottmar hat das sehr gut moderiert, das hat sehr gut zusammengepasst.“

Der BVB feiert die Meisterschaft - Dortmund im Ausnahmezustand

Am Tag nach dem großen Spiel war ganz Dortmund in Schwarz und Gelb gehüllt. Die Stadt befand sich im Ausnahmezustand. Der Autokorso vom Borsigplatz bis zur Innenstadt faszinierte fast 500.000 Menschen. Mit dem wehmütigen Trude-Herr-Song „Niemals geht man so ganz“ wurde Flemming Povlsen nun auch offiziell verabschiedet. Als die Spieler - Julio Cesar hatte sich die Haare dem Anlass gemäß gelb färben lassen - mit Meistertrainer Ottmar Hitzfeld auf dem Friedensplatz eintraf, ging die Party erst richtig los. Ein unvergesslicher Moment für Spieler und Fans – heute vor 25 Jahren.

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