1:9 gegen Hertha BSC: Die Geschichte einer historischen BVB-Klatsche

Zeitspiel

Borussia Dortmund kassiert im April 1970 eine historische 1:9-Klatsche bei Hertha BSC. Das hatte auch mit einer Mexiko-Reise des BVB zu tun. Unser Zeitspiel.

Dortmund

, 12.03.2021, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Torhüter Klaus Günther konnte einem leidtun: In Berlin musste er neunmal hinter sich greifen.

BVB-Torhüter Klaus Günther konnte einem leidtun: In Berlin musste er neunmal hinter sich greifen. © dpa

Das Hinspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC wurde in dieser Saison mit einem 5:2-Sieg der Borussen eine deutliche Sache. Noch viel klarer lief es allerdings in der Saison 1969/70 - und das zu Ungunsten des BVB, der gegen den Hauptstadtklub eine saftige Klatsche kassierte. Mit einem 9:1 schickten die Herthaner die Borussen damals zurück in den Ruhrpott. Es ist bis heute die dritthöchste Bundesliga-Niederlage in der Geschichte der Schwarzgelben.

Hertha BSC ging nach 30 Sekunden gegen den BVB in Führung

Schon nach 30 Sekunden lag der Ball damals zum ersten Mal im BVB-Tor. In der dritten Minute schoss Herthas Mittelfeldspieler Wolfgang Gayer dann das 2:0. Drei weitere Tore von ihm sollten an diesem Nachmittag im April 1970 folgen.

„Ich hätte gerne fünf Dinger gemacht“, sagte Wolf­gang Gayer später im Rückblick auf das Spiel in einem Interview mit „11Freunde“. Es blieb ihm verwehrt, dafür durften er und seine Teamkollegen sich nach dem Spiel über zwei gute Flaschen Rotwein freuen. Die hatte Hertha-Coach Helmut Krons­bein in der Halbzeit beim Stand von 6:0 versprochen, sollte seine Mannschaft weitere Tore nachlegen.

Die zum damaligen Zeitpunkt höchste Bundesliga-Niederlage des BVB

Drei Tore für die Hertha kamen noch hinzu. Den Ehrentreffer für den BVB erzielte Jürgen Boduszek in der 80. Minute zum zwischenzeitlichen 8:1. Es ist bis heute der höchste Sieg in der Geschichte des Hauptstadtklubs und zum damaligen Zeitpunkt die höchste Niederlage überhaupt in der Bundesliga für Dortmund.

Erst später folgten mit der 0:12-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach und einer 1:11-Packung bei Bayern München noch höhere Niederlagen für den BVB. DieKlatsche gegen Hertha war damals nicht vorherzusehen: Beide Klubs lagen vor dem 32. Spieltag in der Tabelle nah beisammen. Hertha belegte den vierten, Dortmund den fünften Rang.

Vorbereitung auf Mexiko-Reise: Einige BVB-Spieler lagen flach

„Wenn Hertha BSC dieses Spiel gegen uns nicht gewinnt, dann ist die Mannschaft wirklich müde“, sagte BVB-Trainer Hermann Lindemann im Vorfeld der Partie. Diese Aussage gründetet auf der Tatsache, dass der Borussen-Kader zu diesem Zeitpunkt stark ausgedünnt war.

Für die Dortmunder stand nach der Saison eine Reise nach Mexiko an. Der BVB sollte dort im Vorfeld der WM unter anderem ein Testspiel gegen die mexikanische Nationalmannschaft bestreiten. Die Mannschaft ließ sich gegen die Pocken impfen. Einige Spieler bekamen Fieber, andere fehlten verletzt.

„Warum sollten wir die Dortmunder schonen?“

Den Herthanern war‘s egal. „Warum sollten wir die Dortmunder schonen und nicht alle Chancen wahrnehmen? Uns schenkt auch keiner etwas“, meine Berlins Verteidiger Bernd Patzke. Das einzig Gute für die Dortmunder an diesem Tag: Das Stadion war ungewöhnlich schlecht gefüllt. Nur knapp 23.000 Fans sahen, wie die Hertha den BVB abschoss - der Zuschauerschnitt im Olympiastadion lag damals bei über 40.000.

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