4:4 - Gefühlte Niederlage in Hannover

HANNOVER Am Samstag um 17.22 Uhr wirkten die Fußballer und ihre Bosse aus Hannover und Dortmund wie verstörte Kinogänger. Genau die Art, die sich einen Quentin Tarantino-Film angeschaut hat und vehement eine Handvoll Schlaf einfordert, um sich mit reichlich Abstand eine wirklich fundierte Meinung über das Gesehene bilden zu können.

von Von Sascha Fligge

, 14.03.2009, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

4:4 trennten sich beide Klubs vor 49 000 in der AWD-Arena. Gleich zweimal war der BVB mit zwei Treffern in Führung gegangen, lag sich in den Armen, träumte vom ersten Sieg im Jahr 2009. Doch die Führung durch Frei (17./Foulelfmeter) und Kringe (27.) glichen Stajner (42.) und Bruggink (48.) genauso aus wie die 96-Angreifer Hanke (80.) und Forssell (82./Foulelfmeter) in der Schlussphase Dortmunds zweiten Sturmlauf, den erneut Kringe (62.) und Frei (65.) manifestiert hatten. „Alle vier Tore haben wir durch Standards bekommen. Das ist schwach“, urteilte Nuri Sahin, der durch Tarnats übles Foul vor dem ersten Strafstoß eine Knochenstauchung des Schienbeins sowie eine Bänderdehnung im Sprunggelenk erlitt und Kringe Platz machen musste. „Ganz Deutschland hat gesehen, dass man da nicht so reingehen muss wie Tarnat“, sagte Sahin. Sein Teamkollege Neven Subotic, der Hannovers Elfmeter verursacht hatte, kündigte an: „Die Rückfahrt wird garantiert scheiße!“ Das dreizehnte Remis‘ der Saison hatte Frustfurchen so tief wie Häuserschluchten hinterlassen.Trainer Jürgen Klopp, dessen Team in der ersten Hälfte am Boden 70 Prozent seiner Duelle gewann, Hannover athletisch abhing, erstklassige Umschaltaktionen verzeichnete und deutlich höher hätte führen müssen, sprach erst am Tag danach dezidiert über das Gesehene. In den Chor derjenigen, die dem mehrfach frei vor Torhüter Enke aufgetauchten und stets ängstlich gescheiterten Nelson Valdez eine schlampige Chancenverwertung ankreideten, wollte der Coach aber noch immer nicht einstimmen.  „In Dortmund“, diktierte er, „wird zu viel personalisierte Kritik geübt. Nelson spielt stark, bereitet zwei Tore vor, hält die Bälle, legt sie geschickt ab. Er muss sich in der einen oder anderen Situation vor dem Tor nur anders verhalten, ruhiger sein“. Kritik übte Klopp an der Entstehung des dritten Gegentores: „Jeder weiß, dass Mike Hanke kopfballstark ist, aber niemand übernimmt ihn nach seiner Einwechslung. Stattdessen muss Felipe Santana, der ganz andere Aufgaben hat, ins direkte Kopfballduell. So etwas stört mich richtig!“Einzelgespräche Am Sonntag führte Klopp „diverse Einzelgespräche“. Man müsse an der „Mentalität des Kaders arbeiten“ und bei der Kaderzusammenstellung im Sommer darauf achten „Größennachteile, die bei Standards zum Tragen kommen, zu berücksichtigen“.  Der Trainer warnte jedoch davor, „nun mit der Extremlupe ‚Wieder nicht gewonnen‘“ zu urteilen: „Wir sind nach starker Hinrunde fünf, sechs Punkte hinter dem, was wir haben müssten. Das kann jetzt nicht ernsthaft der Unterschied zwischen ‚überragend‘ und ‚katastrophal‘ sein.“

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