Gute Leistung beim 2:0 gegen Wolfsburg: Thomas Delaney (r.) und Manuel Akanji (l.). © imago / firo
Einzelkritik

Akanji und Delaney gehen beim BVB voran – Meunier ist ein Unsicherheitsfaktor

Bei Borussia Dortmund herrscht nach dem 2:0-Sieg gegen Wolfsburg große Erleichterung. Akanji und Delaney gehen beim BVB voran, Meunier ist ein Unsicherheitsfaktor. Die Einzelkritik.

Roman Bürki: Eine merkwürdige erste Hälfte für den Schweizer Torhüter, der nur einmal geprüft wurde, aber gerade in der Anfangsphase permanent im Brennpunkt des Geschehens stand, als ihm einige Balle um die Ohren flogen. Als er selbst am Ball vorbeiflog, blieb das zum Glück ohne Folgen – Weghorst köpfte über das Tor (56.). Dass Wolfsburg sehr hoch anlief, forderte ihn auch spielerisch. Note: 3,0

Thomas Meunier: Strahlte keine Sicherheit aus. Als er unfreiwillig bei einer Rettungstat Wolfsburgs Schlager den Ball vor die Füße legte, war noch etwas Pech dabei (6.). Schlampig hingegen sein gefährlicher Rückpass in die Füße von Weghorst (9.). Ungenauigkeiten in seinem Spiel blieben ein Thema, Haaland ärgerte sich zurecht, als der Pass des Belgiers in den Strafraum nicht scharf genug kam. Das hätte eine gute Chance werden können (45.+1). Unauffällig nach der Pause, bis er zu lässig im Zweikampf gegen Otavio zu Werke ging – das blieb folgenlos (72.). Note: 4,5

Manuel Akanji: Zu Beginn überrascht vom hohen Pressing der Gäste, suchte wie Nebenmann Hummels nach Orientierung. Mit Glück überstand der BVB diese Phase, auch Akanji steigerte sich. Gut seine Verlagerungen, riskant aber sein Einsatz gegen Arnold, als die Wolfsburger Elfmeter forderten. Er war noch im Rahmen des Erlaubten (32.). Weil seine Kollegen vorne kaum durchkamen, half er aus: wuchtiger Kopfball, das wichtige 1:0 (66.). Wichtig auch sein beherzter Körpereinsatz gegen Weghorst (73.). Note: 2,0

Mats Hummels: Fälschte Gerhardts Schuss mit etwas Glück ab, der Ball wäre ansonsten wohl im Tor gelandet (7.). Sah früh Gelb nach einem harten Einsteigen gegen Gerhardt (25.). Ansonsten wach und konzentriert, mit guter Übersicht und Auge, so wie bei der Eröffnung auf Guerreiro, die die gute Chance für Haaland einleitete (53.). Note: 2,5

Raphael Guerreiro: Dass er das Positionsspiel als linker Außenverteidiger manchmal etwas lässig interpretiert, kannte man schon aus den Partien vor Weihnachten. Es dauerte, bis er die vielen Lücken aus der Anfangsphase schließen konnte. Wie wertvoll er sein kann, zeigte sich beim schönen Pass auf Haaland (53.). Seine Standards kamen allerdings schon deutlich besser. Auch sein leichter Ballverlust gegen Mehmedi hätte ins Auge gehen können, Akanji bügelte gegen Weghorst aus (73.). Note: 3,5

Thomas Delaney: Stärkster Dortmunder der ersten Hälfte. Sehr aufmerksam, lief viel (6,43 Kilometer bis zur Pause) und stopfte so etliche Löcher. Seine Aggressivität hätte manchem Kollegen auch gut zu Gesicht gestanden. Allerdings ging er schon mit Gelb belastet in die Pause. Der Däne blieb auch nach der Pause auffällig, nicht nur bei seinem Kopfball, der knapp am Tor vorbei ging (63.). Blockte auch Wolfsburgs letzte Schusschance, sein Einsatz war vorbildlich. Note: 2,0

Axel Witsel: Die Partie begann nicht gut für den Belgier. Erstaunlich klar unterlegen im Laufduell mit Xaver Schlager, daraus resultierte eine der Wolfsburger Großchancen der Anfangsphase (7.). Steffens Kopfball gegen seinen Ellenbogen löste einen dreiminütigen Videobeweis aus, es gab wohl zu Recht keinen Elfmeter (20.). Um Ballkontrolle und Struktur bemüht, das gelang ihm nicht immer. Sein Tempodefizit war auch im zweiten Durchgang erkennbar, verschleppte den Ballvortrag. Note: 4,0

Jadon Sancho: Das Bemühen konnte man ihm nicht absprechen. Bezeichnend für seine schwierige Situation, dass er den Ball nicht richtig traf, als ihm die Kugel nach Casteels‘ Faustabwehr vor die Füße fiel – das hätte ein Tor sein müssen (45.+2). Zeigte sich aber gewillt, sich aus seinem Tief zu kämpfen, auch nach der Pause gab er nicht auf. Den Lohn fuhr er in der Nachspielzeit ein – wie groß die Erleichterung nach seinem ersten Saisontor war, konnte man ihm ansehen. Note: 3,0

Marco Reus: Dass er bei den besten BVB-Gelegenheiten jeweils beteiligt war, spricht für seinen guten Instinkt und gute Laufwege. Frei vor Casteels blieb er zweiter Sieger (10.), da hätte er auch querlegen können. Dass er nach einem gelungenen Doppelpass mit Haaland zentral vor dem Tor nochmal quergelegte, war eindeutig die falsche Entscheidung (43.). In den Zweikämpfen gab er zu leicht nach und tauchte zwischenzeitlich auch mal komplett ab. Note: 3,5

Giovanni Reyna: Nach seinem guten Ball auf Reus offensiv lange ohne Aktion. Verdiente sich Fleißpunkte durch einige defensive Ballgewinne. Offensiv blieb es auch im zweiten Durchgang gegen die robust verteidigenden Wolfsburger schwierig für ihn. Note: 4,0

Erling Haaland: 28 Minuten dauerte es bis zu seinem ersten Schuss aufs Tor, der war kein Problem für Casteels. Zu Beginn war er wenig eingebunden, das wurde gegen Ende der ersten Hälfte besser, als er sich mit guter Dynamik ein freies Schussfeld erarbeitete. Casteels wehrte ab (45.+2). Vor dem Tor blieb er brandgefährlich, Casteels parierte seinen Linksschuss nur mit viel Mühe (53.). Unübersehbar fehlte ihm aber nach seiner Verletzung noch etwas der Rhythmus. Note: 3,0

Steffen Tigges (81. für Haaland), Emre Can (85. für Reus) und Dan-Axel-Zagadou (90.+2 für Reyna) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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