Alles oder Nichts? Der BVB will die wohl letzte Titelchance nutzen

mlzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund spielt im Gipfeltreffen mit Bayern München wohl um die letzte Meisterschaftschance. Und es stellt sich die Frage: Mit wieviel Risiko und Mut geht der BVB in den Klassiker?

Dortmund

, 26.05.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie groß die Dominanz der beiden Branchenriesen der Fußball-Bundesliga in den zurückliegenden Jahren geworden ist, das belegt ein Blick in die Statistiken. Schaut man auf die vergangenen zehn Spielzeiten zurück, beginnend mit der Saison 2010/11, an deren Ende Borussia Dortmund sensationell die Meisterschaft erringen konnte, hieß am Ende einer Saison der Meister immer entweder Dortmund oder Bayern. Deren Serie von nun sieben Meisterschaften in Serie zeigt auch den Vorsprung, den die Münchnener trotz aller Dortmunder Anstrengungen immer noch haben.

Vier Mal lief die Borussia hinter dem Rekordmeister aus München als Vizemeister ein, die schlechteste Platzierung des BVB hinter den Bayern, die seit 2013 mehr oder weniger souverän immer oben standen, war ein siebter Platz in der Saison 2014/15. Es war die Abschiedssaison von Trainer Jürgen Klopp.

Borussia Dortmund kratzt an der Bayern-Dominanz

Nicht nur der BVB biss sich die Zähne aus in dem Versuch, die Bayern vom Thron zu stoßen. Schalke, Bayer Leverkusen, RB Leipzig und der VfL Wolfsburg, sie wurden je einmal Vizemeister in dieser Zeitspanne. Die Konstanz, dem Duo FCB/BVB nachhaltig auf den Fersen zu bleiben, hat keiner an den Tag gelegt. An der Bayern-Dominanz kratzt kein anderer Klub so hartnäckig wie Borussia Dortmund.

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat für seinen Klub mal den Begriff des „zweiten Leuchtturms in Deutschland“ geprägt. Eine Einordnung, die auch die finanziellen Kennzahlen unterstreichen. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2018/19 erwirtschaftete die Borussia Dortmund GmbH & Co Kg.a.A. Umsatzerlöse in Höhe von 446 Millionen Euro, im Jahr der ersten Meisterschaft (2011) nach der Beinahe-Insolvenz 2005 waren es „nur“ 151 Millionen Euro.

Zwischen Dortmund und München klafft eine finanzielle Lücke

Dass finanziell immer noch eine riesige Lücke klafft zu den Bayern, unterstreichen die Kennzahlen aus München: 750,4 Millionen Euro Jahresumsatz bedeuteten im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis für die Bayern. Und die Kurve zeigt ungebremst nach oben.

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Sportlich war es zum Glück nicht immer so deutlich. Vor allem im Signal Iduna Park gelang es der Borussia, den Rivalen konstant zu ärgern. Nach der zweimonatigen Zwangspause der Fußball-Bundesliga haben die beiden einzigen echten Titelanwärter ihre Hausaufgaben erledigt, beide haben sechs Punkte eingefahren und sich auch torhungrig gezeigt.

BVB und Bayern im Gleichschritt an der Tabellenspitze

Alles scheint somit bereit für das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen. Die Pflicht, bis dahin keine Federn zu lassen, um dann in den 90 Minuten die wohl einmalige Chance zu haben, das Titelrennen in der Bundesliga mit einem Sieg wieder richtig spannend zu machen, hat Lucien Favres Mannschaft erfüllt. Streckenweise mit Bravour, am Samstag in Wolfsburg nicht ohne einen zwischenzeitlichen Hänger. Aber vielleicht kam der sogar nicht ungelegen, weil er die Sinne noch einmal schärft.

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Auf die Frage, wie sich Borussia Dortmund ohne die Atmosphäre in den Stadien, ohne Unterstützung der Gelben Wand und der immer zahlreich mitreisenden Auswärtsfans schlagen wird, hat die Mannschaft streckenweise bemerkenswerte Antworten gegeben. Zwei Mal aber haben auch die Bayern geliefert, nachdem die Borussia jeweils vorgelegt hatte. Das konnte man einerseits erwarten, bedeutet aber andererseits dennoch zwei weitere verpasste Chancen. Allzu viele werden nicht mehr kommen für die Borussia.

Der BVB muss ein Spiel nahe an der Perfektionsgrenze hinlegen

Wer die Partien der beiden Konkurrenten verfolgt hat, dem dürfte eins aufgefallen sein: Spielerisch unterlegenen Gegnern fällt es deutlich schwerer, ohne den Faktor Fans und Stimmung die eigenen Grenzen zu überschreiten und damit für eine Überraschung in Frage zu kommen. Schalke war davon meilenweit entfern. Wolfsburg fand 45 Minuten ebenso wenig statt und musste dann feststellen, dass sich das erhöhte Risiko danach nicht ausgezahlen sollte.

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Überraschungen werden wohl selten bleiben für den Rest der Saison, umso größer ist die Bedeutung des Heimspiels gegen die Bayern am Dienstag. Dort muss Borussia Dortmund liefern, dort muss die Mannschaft, diese Prognose ist nicht allzu weit hergeholt, ein Spiel nahe an der Perfektionsgrenze hinlegen.

Wieviel Risiko geht BVB-Trainer Lucien Favre?

Sorgen bereitet in Dortmund nach wie vor die Anfälligkeit für Verletzungen. In Wolfsburg musste Mats Hummels zur Pause passen, die Achillessehne ist gereizt - der Abwehrchef soll heute Abend aber spielen können. Etliche Spieler klagen über muskuläre Beschwerden, nachdem die Körper so abrupt wieder auf Höchstleistungen getrimmt werden mussten.

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Nach über zwei Monaten ohne Pflichtspiel bleibt also noch eine gute Portion Ungewissheit. Und es bleiben einige Fragen: Wieviele Spieler mit Rückstand nach Verletzungen kann der BVB in der Startformation vertragen? Wieviel Risiko ist Lucien Favre bereit zu gehen, taktisch und personell? Wie wirkt sich der fehlende Support von den Rängen und damit quasi der Wegfall des Heimvorteils aus, wenn der Gegner ebenbürtig oder vielleicht sogar stärker ist? Die Antworten wird es heute Abend geben.

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