Enttäuschte BVB-Spieler nach dem 1:2 gegen den 1. FC Köln. © dpa
Meinung

Altes Lied, neuer Rückschlag: Der BVB scheitert mal wieder an sich selbst

Den BVB trifft der Rückschlag gegen Köln besonders hart, weil er so unerwartet kommt. Auf der Suche nach einer Lösung scheitert Borussia Dortmund regelmäßig an sich selbst.

Das Bild passte nicht wirklich zum Gesagten. Lucien Favre hockte nach der enttäuschenden Niederlage seiner Mannschaft gegen den zuvor Tabellenvorletzten und 18 Spiele sieglosen 1.FC Köln auf der Pressekonferenz und sprach über seine Eindrücke dieses unnötigen, aber nicht unverdienten 1:2. Die beiden Gegentore, die auf identische Art und Weise gefallen waren, nannte der BVB-Trainer „schwer zu akzeptieren“.

Ansonsten ging der Schweizer nicht sonderlich hart mit seinen Spielern, die fast neun Kilometer weniger als der Gegner gelaufen waren, ins Gericht. Eigentlich sagte Favre so gut wie gar nichts, nur ein paar Sätze, die er nach Niederlagen regelmäßig im Stehsatz hat. Das eigene Spiel sei ein wenig zu hektisch, der Gegner gut, die Partie die erwartet schwere gewesen.

Den BVB trifft dieses 1:2 gegen den 1. FC Köln unerwartet

Das klang nicht unbedingt alarmierend, aber Favres Mimik verriet dann doch ein bisschen mehr als seine Worte. Der 63-Jährige war sichtlich geknickt ob der Leistung seiner Mannschaft und überrascht von diesem Rückschlag, der Borussia Dortmund schmerzhaft und unerwartet traf. Er kam aus dem Nichts, wie es im Fußball wohl heißt. Zack. Klatsch. Und Aua.

Denn eigentlich dachten sie beim BVB, dass sie schon – oder endlich – weiter wären in ihrer Entwicklung. Seit Samstag muss diese Annahme mal wieder mit einem Fragezeichen versehen werden, weil die Schwarzgelben trotz guter Torchancen in der Schlussphase über die gesamte Dauer des Spiels zu viel vermissen ließen von dem, was es braucht, um das Prädikat Spitzenmannschaft dauerhaft mit sich herumtragen zu dürfen. Die Niederlage erinnerte stark an die enttäuschenden Auftritte in Augsburg zu Saisonbeginn oder bei Lazio Rom zum Auftakt der Champions League. Der Vizemeister investierte, vor allem in der ersten Hälfte, zu wenig in dieses Spiel und gab dem verunsicherten Gast aus dem Rheinland früh das Gefühl, dass es an diesem Samstag vielleicht etwas in Dortmund zu holen geben könnte.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc erkennt „einen guten Spirit“

Noch am vergangenen Donnerstag hatte Michael Zorc nach einem weiteren souveränen Zu-Null-Sieg gegen Brügge in der Königsklasse Optimismus versprüht, dass die jüngste und positive Entwicklung eine nachhaltige sei. „Was mir am meisten gefällt, ist, dass wir in der Mannschaft einen guten Spirit haben. Der Fokus ist da“, sagte Zorc. „Das hat uns in den vergangenen Spielzeiten immer mal wieder Punkte gekostet. Da haben wir uns verbessert“, hatte der BVB-Sportdirektor erklärt – und wohl niemand hätte ihm zu diesem Zeitpunkt widersprochen.

Trotzdem hatte er seinem Lob noch eine deutliche Mahnung hinterhergeschickt, als er sagte: „Wir haben uns verbessert, aber auch nur bis jetzt, denn wir müssen das weiter beweisen.“ Diesen Beweis blieb Borussia Dortmund nur zwei Tage nach Zorcs Aussagen schuldig.

Für den BVB geht die Arbeit nun wieder von vorne los

Nun geht die Arbeit für den BVB wieder von vorne los. Das Köln-Spiel muss ein letzter Ausrutscher bleiben, so wie eigentlich schon das Augsburg- und das Lazio-Spiel letzte Ausrutscher gewesen sein sollten. Solange diese talentierte Mannschaft in unschöner Regelmäßigkeit in alte Strickmuster verfällt, wird sie am Ende einer jeden Saison mit leeren Händen dastehen. Dafür ist die Konkurrenz aus München zu stark.

Es braucht eine perfekte Saison, nicht nur ein paar perfekte Wochen, um große Ziele erreichbar erscheinen zu lassen. Das ist zweifelsfrei eine große Aufgabe, aber der enttäuschende Eindruck ist, dass der BVB auf der Suche nach einer Lösung für diese Aufgabe immer wieder nicht an der Qualität der Konkurrenz, sondern in erster Linie an sich selbst scheitert. Und mit jedem neuen Rückschlag schwindet der Glaube, dass sich daran dauerhaft etwas ändern wird.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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