Der BVB ist aus dem Tritt geraten. Die Offensive ist nicht so gefährlich wie gewünscht, die Defensive nicht so stabil wie gewohnt. Eine Suche nach den Gründen.

Dortmund

, 22.02.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmund im Februar 2019, irgendwas fehlt irgendwie. Dabei ging es so gut los in der Rückrunde. Ein Sieg in Leipzig (1:0), ein Schützenfest gegen Hannover (5:1), ein Punkt in Frankfurt (1:1), der völlig in Ordnung war. Alles gut soweit. Doch dann verletzte sich Marco Reus im DFB-Pokal-Spiel gegen Werder Bremen – und ab diesem Moment kränkelte plötzlich der komplette BVB.

Der Ausfall von Marco Reus schmerzt, aber es gibt weitere Gründe

Raus im Pokal gegen Werder (5:7 n.E.), ein hergeschenktes 3:3 gegen Hoffenheim, eine 0:3-Klatsche in der Champions League bei Tottenham Hotspur und ein enttäuschendes 0:0 beim Tabellenschlusslicht aus Nürnberg.

Reus und die übrigen Verletzungssorgen sind sicherlich ein wichtiger Grund für die Durststrecke von Borussia Dortmund, doch es gibt auch andere Gründe, die sich schwarz auf weiß ablesen lassen. Man muss sich nur die Tore und die Gegentore des BVB anschauen – und man findet drei Auffälligkeiten.

Analyse der Tore und Gegentore: Die Gründe für die Durststrecke des BVB

Ein Joker-Gegentor in der Schlussviertelstunde! Wie hier beim Treffer durch Tottenhams Fernando Llorente ist der BVB zuletzt häufiger eiskalt erwischt worden. © imago

Tore in der Schlussviertelstunde:

Die Mannschaft von Lucien Favre war in der Hinrunde der König der späten Tore. Allein in der Bundesliga erzielte Borussia Dortmund vor der Winterpause 14 Tore in der Schlussviertelstunde (Liga-Bestwert), wettbewerbsübergreifend sogar 20. Doch der BVB war nicht nur selbst brandgefährlich in den letzten 15 Minuten des Spiels, er war auch defensiv unheimlich stabil. Den 14 selbst erzielten Treffern kurz vor Spielende standen bis zur Winterpause in der Liga nur zwei Gegentore in der Schlussviertelstunde gegenüber, in der gesamten zweiten Hälfte waren es nur acht.

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Diese besondere Qualität ist 2019 verschwunden. In der Rückrunde hat der BVB allein an den ersten fünf Rückrunden-Spieltagen doppelt so viele Gegentore in den letzten 15 Minuten kassiert wie in der gesamten Hinrunde, nämlich vier. Ein verkraftbares Tor beim 5:1 gegen Hannover, drei nicht verkraftbare Tore beim 3:3 gegen Hoffenheim. Dazu kommen die zwei Gegentore beim 0:3 gegen Tottenham in der Champions League, die ebenfalls in der Schlussviertelstunde fielen und die Hoffnung aufs Viertelfinale in der Champions League gegen Null tendieren lassen.

Parallel zur defensiven Anfälligkeit in den letzten 15 Minuten ist die eigene Torgefahr in dieser Phase des Spiels fast gänzlich verloren gegangen. Nur Axel Witsel traf in der 90. Minute gegen Hannover zum 5:1-Endstand. Das war’s.



Tore durch Einwechselspieler:

Lucien Favre hat sein goldenes Händchen irgendwo im Winterurlaub verloren – oder die Joker treffen einfach nicht mehr. Allen voran natürlich Paco Alcacer, der in der Bundesliga-Hinrunde zehn von 14 Jokertoren beim BVB beisteuerte. Die Unberechenbarkeit ist Borussia Dortmund in den vergangenen Wochen abhandengekommen. Wettbewerbsübergreifend erzielte der BVB in der Hinrunde 21 Tore durch Einwechselspieler, 17 verschiedene Torschützen trugen sich in die Torstatistik ein. 2019 wartet der BVB noch auf das erste Jokertor. Für die 13 Tore in Liga und Pokal seit der Winterpause zeichneten sieben verschiedene Torschützen verantwortlich (Reus (3), Witsel (2), Guerreiro (2), Götze (2), Hakimi (2), Sancho und Pulisic).

Analyse der Tore und Gegentore: Die Gründe für die Durststrecke des BVB

Seit dem 18. Dezember hat Paco Alcacer nicht mehr getroffen. In der Rückrunde wartet der BVB weiter auf sein erstes Tor durch einen Einwechselspieler. © imago

Doch auch bei den Jokertoren fällt nicht nur eine Verschlechterung in der Offensive auf. Auch defensiv hat der BVB plötzlich ein Problem mit gegnerischen Einwechselspielern. In der Hinrunde kassierte der BVB in der Liga und in der Champions League kein einziges Joker-Gegentor, nur in der zweiten Pokalrunde traf der eingewechselte Sebastian Polter zweimal für Union Berlin.

2019 dagegen sind es bereits fünf Gegentore durch Einwechselspieler: In der Liga traf Ishak Belfodil doppelt für Hoffenheim, in der Champions League Fernando Llorente für Tottenham und im Pokal trafen Claudio Pizarro sowie Martin Harnik für Werder Bremen. Fünf Joker-Gegentore – und alle fünf taten richtig weh.



Tore nach Standards und Flanken:

Besonders alarmierend sind die Zahlen beim Blick auf die Gegentore nach Standards und Flanken. In der Hinrunde kassierte der BVB in der Liga in 17 Spielen nur elf Treffer nach Standards und Flanken, fünf davon resultierten aus ruhenden Bällen, sechs aus Hereingaben aus dem laufenden Spiel.

Analyse der Tore und Gegentore: Die Gründe für die Durststrecke des BVB

Eine Szene mit Symbolcharakter: Martin Harnik wird von Achraf Hakimi kaum am Kopfball gehindert. Der Bremer rettet Werder per Kopf in die Verlängerung des DFB-Pokal-Achtelfinals. Am Ende scheitert der BVB im Elfmeterschießen. © imago

In der Rückrunde sind es nach sieben Pflichtspielen wettbewerbsübergreifend jetzt schon zehn Gegentore nach diesem Strickmuster, vier nach Standards, sechs nach Flanken. Der BVB ist defensiv verwundbar geworden – und die Gegner haben diese Schwachstelle zuletzt konsequent erkannt und genutzt.

Offensiv war der BVB seit der Winterpause zweimal nach Standards erfolgreich. Axel Witsel traf beim Rückrundenstart in Leipzig nach einer Ecke, Reus verwandelte gegen Werder einen Freistoß direkt. In der Hinrunde standen für den BVB in der Liga neun Tore nach ruhenden Bällen zu Buche. Nach Flanken waren es vor der Winterpause sechs Treffer, seit der Winterpause kamen zwei weitere hinzu.

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