Anker und Anführer! Emre Can stabilisiert das BVB-Sorgenkind Defensive

mlzBorussia Dortmund

Für ein Spitzenteam hat der BVB in dieser Saison zu viele Gegentore kassiert. Nun zeigt das Team eine Reaktion. Einen großen Anteil daran trägt Neuzugang Emre Can.

Dortmund

, 23.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Roman Bürki grinste zufrieden. Ja, gab er zu und lachte dann übers ganze Gesicht, „jetzt kann ich nachts wieder gut schlafen!“ Die Verteidigungsarbeit seiner Vorderleute hatte ihn einige Male die wichtige Nachtruhe gekostet, doch in Bremen setzte sich fort, was Borussia Dortmund beim 4:0 gegen Eintracht Frankfurt vor einer Woche erstmals umgesetzt hatte: Einer Mannschaft, die sich lange durch ihre ungezügelte Lust auf Offensive und große Spielfreude ausgezeichnet hatte, schafft es plötzlich auch, gut zu verteidigen. Lucien Favre, fast schon der Verzweiflung nahe nach einer Gegentorflut, die ihn an die Qualitäten seiner Spieler zweifeln ließen, kann vorsichtig aufatmen.

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Das Spiel in Bremen bildete den Abschluss einer „Top-Woche“, die auf eine „Woche zum Vergessen“ folgte. Gegen Frankfurt, Paris und auch in Bremen ließ Borussia Dortmund defensiv fast nichts zu. Nach dem Leverkusen-Spiel, meinte Bürki zufrieden, habe es „Klick“ gemacht. „Da ist bei allen die Erkenntnis gereift, dass wir nicht immer fünf Tore schießen können, um ein Spiel zu gewinnen.“

Haaland und Can verleihen dem BVB neue Qualitäten

Die Veränderung ist auf dem Platz erkennbar. Nicht nur im Zentrum, wo Stürmer Erling Haaland als erster Verteidiger immer wieder den gegnerischen Aufbau anläuft und Emre Can als zusätzlicher Abfangjäger im defensiven Mittelfeld viele Löcher stopft, ist es zuletzt schwerer geworden, gegen den BVB bis zur Grundlinie vorzustoßen. Auch Außen klappt die Verteidigungsarbeit. Achraf Hakimi und Jadon Sancho helfen beim Doppeln, in der Hinrunde, meinte Bürki, habe vor allem Hakimi das Verteidigen ja manchmal „vergessen“. „Jetzt machen alle mit, das macht Spaß.“

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Auch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Dortmund war nur das achtbeste Team der Hinrunde bei der Zahl der Gegentore, aktuell haben nur vier Mannschaften weniger Treffer kassiert als die Borussia. 1,41 Gegentore pro Spiel waren es in der Hinrunde, nach der Winterpause sind es „nur“ noch 1,33. Die vier Gegentore aus Leverkusen und drei in Augsburg drücken die Bilanz noch gewaltig.

Der BVB zeigt in Bremen eine reife Leistung

Auch wenn Borussia Dortmund in Bremen 45 Minuten lang kein Feuerwerk abbrannte und Werder die Hoffnung ließ, nach dem Pokal-Coup auch in der Meisterschaft eine Überraschung in Reichweite zu haben, so ließ die Mannschaft doch zumindest defensiv quasi nichts zu. Dass das auch nach den Treffern von Dan-Axel Zagadou (52.) und Erling Haaland (66.) so blieb und der BVB nicht wie schon mehrfach passiert noch unter Druck geriet, war Sportdirektor Michael Zorc ein Sonderlob wert: „Sehr solide und sicher“ habe die Mannschaft gestanden, „und wir haben es souverän zu Ende gespielt und nichts zugelassen.“

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In der wichtigen Phase nach der Pause gewann der BVB 60 Prozent der Zweikämpfe. Das zog Werder den Zahn. Und nach dem 2:0, als Haaland den schönsten Spielzug der Partie nach Vorarbeit von Achraf Hakimi (schon seine zehnte Vorbereitung in dieser Saison) mit der ihm typischen Energie abschloss, war die Widerstandskraft der Norddeutschen erloschen.

Der BVB spielt zum neunten Mal in dieser Saison zu Null

Für Werder spitzt sich sich Situation im Abstiegskampf nach der erneuten Niederlage weiter zu, der BVB kann nach dem fünften Rückrundensieg im sechsten Liga-Spiel den Blick weiter nach oben richten. „Wichtige Wochen stehen für uns an“, hatte Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl vor der Partie angemerkt, vor dem schwierigen Monat März, in dem Dortmund drei schwere Auswärtsspiele (Gladbach, Paris, Wolfsburg) und das Revierderby vor der Brust hat, scheint sich das „Sorgenkind Defensive“ zu stabilisieren. Dazu hat Favre beigetragen, weil er die Abwehrkette umgebaut hat. Einen großen Anteil am Aufschwung hat allerdings auch Winter-Neuzugang Emre Can.

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Auch in Bremen war der 26-Jährige mit seiner Präsenz und Entschlossenheit Anker und Anführer auf dem Feld. 69 Prozent gewonnener Zweikämpfe des defensiven Mittelfeldspielers waren Dortmunds Top-Wert des Tages, doch Can lobte lieber die „sehr erwachsene Leistung“ der gesamten Mannschaft. Die führte dazu, dass der BVB nun in einer Kategorie Spitze ist, in der man das kaum vermuten würde. Zum neunten Mal spielte Dortmund in dieser Saison zu Null - so oft wie keine andere Bundesliga-Mannschaft.

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