Zu viel Druck? BVB-Kapitän Marco Reus sucht seine Topform

mlzBorussia Dortmund

Marco Reus soll Borussia Dortmund zur neunten Deutschen Meisterschaft führen, doch er schwächelt wie große Teile der Mannschaft. Prasselt im Moment zu viel auf den BVB-Kapitän ein?

Dortmund

, 08.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Einwurf eines Journalisten in den Katakomben des Schwarzwald-Stadions traf Marco Reus etwas unvorbereitet. Der BVB-Kapitän musste in der Mixed Zone, so heißt der Interviewbereich nach Spielen, im Gespräch mit der Presse einmal mehr erklären, was mittlerweile nur noch sehr schwer zu erklären ist. Borussia Dortmund hatte sich mal wieder mit einem 2:2 begnügen müssen. Zum dritten Mal nacheinander in der Bundesliga. Dieses Mal hatte es gegen den SC Freiburg nicht zum Sieg gereicht.

Zu viel Druck? BVB-Kapitän Marco Reus sucht seine Topform

Wieder nur ein 2:2 - auch gegen Freiburg ließ der BVB Punkte liegen. © imago images/Jan Huebner

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„Wir sind momentan in einer Phase, in der wir einfach keinen guten Fußball spielen“, begann Reus. Die Ballbesitzphasen seien in Ordnung, aber „sie sind ohne jede Gefahr für den Gegner. Natürlich kann der Gegner kein Tor schießen, wenn wir den Ball haben, aber wir müssen schon auch druckvoll spielen“. Das tue die Mannschaft derzeit nicht. „Es tut doppelt weh, wenn man ständig führt und die Siege nicht nach Hause bekommt.“

Reus: „Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde wiederkommen“

Dann kam der Einschub.

„Sie selber können ja auch viel besser spielen.“

„Bitte?“

„Sie selber können ja auch viel besser spielen als im Augenblick.“

Reus stutzte kurz. „Ja. Ich sage ja auch nicht, dass ich momentan gut spiele. Es ist so, wie ich das immer sage, auch wenn ich gut spiele. Wir sind im Kollektiv am stärksten. Und da ist auch jeder Einzelne dann immer am stärksten. Da tun wir uns im Moment sehr schwer. Ich auch.“

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Das war durchaus selbstkritisch. Ganz ohne kämpferische Note wollte der 30-Jährige seine Ausführungen aber auch nicht im Raum stehen lassen: „Aber machen Sie sich keine Sorgen, ich werde wiederkommen.“

Von Leichtigkeit und Lockerheit ist bei Reus nicht mehr viel zu spüren

Wiederkommen. Beziehungsweise wiederfinden. Reus sucht seine Topform aus der vergangenen Spielzeit, als er wettbewerbsübergreifend 34 Torbeteiligungen in 36 Pflichtspielen beisteuerte und zum zweiten Mal in seiner Karriere zum „Fußballer des Jahres“ avancierte.

Die Auszeichnung erhielt Reus Ende Juli. Knapp zweieinhalb Monate später ist von der Leichtigkeit und Lockerheit, die seinem Spiel jenen besonderen Glanz verlieh, der Fußballliebhaber rund um den Globus mit der Zunge schnalzen ließ, wann immer Reus den Rasen betrat, ungefähr noch so viel übrig wie von der Euphorie der BVB-Fans nach dem 5:1-Sieg gegen den FC Augsburg am ersten Spieltag.

Aus Finesse ist Tristesse geworden, aus über den Platz schweben ist über den Platz schleppen geworden. Das gilt für den BVB, das gilt auch für Reus.

Marco Reus hat die Messlatte beim BVB selbst sehr hoch gelegt

Dabei ist Reus‘ Statistik in dieser Saison beileibe nicht desaströs schlecht. Im Gegenteil: Fünf Tore und eine Vorlage in elf Pflichtspielen sind ein ordentlicher Wert, aber bei Reus wird eben mehr als ordentlich erwartet. Diese Last muss er schultern.

Zu viel Druck? BVB-Kapitän Marco Reus sucht seine Topform

Die Statistik von Marco Reus in der aktuellen Saison ist durchaus vorzeigbar. © deltatre

Zu viel Druck? BVB-Kapitän Marco Reus sucht seine Topform

Die Saison 18/19 gilt als die bislang beste in der Karriere von Marco Reus. © deltatre

Er soll der Anführer, der Dortmunder Junge, der Unterschiedsspieler sein, der Borussia Dortmund zur neunten Deutschen Meisterschaft treibt. Die Messlatte für Reus liegt, auch wenn das nicht immer fair sein mag, sehr hoch - und er hat sie mit seinen Leistungen der vergangenen Saison selbst dort oben abgelegt.

Im Moment aber, das ist offenkundig, kommt Reus an seine persönliche Bestleistung nicht heran. Am mangelnden Einsatz liegt es nicht. Er probiert vieles, will es vielleicht sogar ein wenig zu sehr erzwingen. Beim 2:2 in Freiburg lief nur Mittelfeld-Arbeiter Thomas Delaney mehr als der Kapitän. 12,2 Kilometer spulte Reus ab, aber entscheidende Offensivaktionen wollten ihm trotzdem nicht gelingen. Ein abgeblockter Schuss, ein harmloser Kopfball übers Tor, das war’s an nennenswerten Aktionen der Dortmunder Nummer 11.

Reus: „Ich habe alles erlebt in meiner Fußballer-Karriere“

Hervorzuheben ist, dass Reus sich nicht wegduckt. Er versucht vorwegzugehen, er stellt sich den Medien, er spricht Probleme klar an, er redet nichts schön, er sagt ehrlich, was er denkt, auch wenn er sich dabei in der Mentalitätsdebatte nach dem 2:2 in Frankfurt einmal in der Wortwahl vergriff.

Zu viel Druck? BVB-Kapitän Marco Reus sucht seine Topform

Marco Reus scheut trotz der Kritik keine Interviews. © imago

Der Boulevard schlussfolgerte daraus, warum auch immer, dass Reus nicht mehr der richtige Kapitän für Borussia Dortmund sei. Und auch, wenn Reus das wohl nie so ausdrücken würde, wirkt es in diesen Tagen fast so, als sei es im Moment vielleicht alles ein bisschen zu viel ist. Ein bisschen zu viel Druck, ein bisschen zu viel Ergebniskrise, ein bisschen zu viel Kritik.

„Ihr wisst ja, wie ich mit Kritik umgehe“, hat Reus Mitte September nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen gesagt. Sie sei ihm relativ egal. „Ich habe alles erlebt in meiner Fußballer-Karriere. Es gibt immer wieder Stimmen, die negativ sind. Es ist einfach wichtig, dass ich mich auf mich konzentriere und auf die Mannschaft fokussiere. Das, was geschrieben wird, das geht mich nicht so viel an.“ Vielleicht ist das ja genau der richtige Ansatz, um schnellstmöglich „wiederzukommen“.

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