Ballbesitz und Positionsspiel beim BVB greifen – 20 Tore in fünf Testspielen

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20 Tore in den fünf Partien gegen Profiteams - eine für diesen Zeitpunkt der Vorbereitung beeindruckende Ausbeute für Borussia Dortmund. Das BVB-Spiel kommt in Schwung. Das steckt dahinter.

Bad Ragaz

, 31.07.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In unserer Analyse schauen wir auf das bevorzugte Spielsystem von Lucien Favre, das Positionsspiel, das Verhalten bei Ballbesitz und das Gegenpressing. Eine große Baustelle bleibt vorerst bestehen.



Das System: Schematisch setzt BVB-Trainer Lucien Favre weiterhin vor allem auf das bewährte 4-2-3-1-System. Er ist überzeugt, dass mit dieser Anordnung die Stärken der Spieler und des gesamten Kaders am besten zur Geltung kommen. Es ist aber das erklärte Vorhaben, hier flexibler zu werden, zum Beispiel das 4-1-4-1 häufiger zu testen. Varianten mit Dreierkette oder nur einem Sechser hat es in Bad Ragaz nicht gegeben.

Das Positionsspiel: Auffällig ist nach den bisherigen Eindrücken der Vorbereitung, wie gut das flüssige Verschieben durch alle Reihen bereits funktioniert. „Die Abläufe werden immer besser, auch im Training. Bei den Spielen ist das manchmal noch schwieriger, weil wir immer mit anderen Mannschaftskollegen zusammenspielen“, sagt BVB-Kapitän Marco Reus.

Oft bilden die Spieler Dreiecke, um dem Ballführenden mehrere Anspielstationen anzubieten. Vor allem im vorderen Bereich wirkt das durchaus abgestimmt, es gibt viele fließende Übergänge zwischen den Positionen und permanent Wechsel in den Aufenthaltszonen. Häufig sind die gefährlichen Zwischenräume das Ziel, die Regionen zwischen Abwehr und Mittelfeld, um dort in Ballbesitz zu kommen und Richtung Tor zu drehen.

Auf den Flügeln fokussieren sich die Schwarzgelben darauf, mindestens Gleichzahl-Situationen zu ermöglichen und Läufe in die Tiefe hinter die Abwehrketten. Dazu ziehen die Flügelstürmer in Richtung Zentrum und öffnen den Raum hinter sich so für die Außenverteidiger, die nach vorne sprinten.

Ballbesitz und Positionsspiel beim BVB greifen – 20 Tore in fünf Testspielen

Viel Platz auf der Außenbahn - auch für Nico Schulz! Weil sich die offensiven Außenspieler häufig ins Zentrum orientieren, bieten sich den Außenverteidigern oft freie Räume. © imago

Der Ballbesitz: Fast immer suchen die Borussen spielerische Lösungen. Es gibt Passstafetten in höchstem Tempo, bevorzugt kurze, flache Anspiele, gerne mit einem, in der Regel maximal mit zwei Kontakten wird der Ball weitergeleitet. Damit bringen die Borussen die gegnerischen Abwehrreihen in Bewegung und versuchen sie zu „destabilisieren“, wie Lucien Favre es nennt. Heißt konkret: Organisierter Spielaufbau, bis sich eine Lücke auftut, dann mit Raketenschub nach vorne und Richtung Tor.

Bis das umsetzbar ist, braucht es mitunter Geduld gegen defensiv aufgestellte Gegner. Statistische Werte mit Ballbesitzanteilen von mehr als 70 Prozent werden vermutlich keinen Seltenheitswert haben.

Ballbesitz und Positionsspiel beim BVB greifen – 20 Tore in fünf Testspielen

Die Balljagd ist eröffnet! Wie hier Paco Alcacer setzt der BVB die Gegner schon früh unter Druck. © Inderlied

Das Gegenpressing: Das aggressive Anlaufen des Gegners nach Ballverlusten gehörte zum Markenkern von Borussia Dortmund und wird wieder intensiviert. Von allen Seiten werden die Gegner in Ballbesitz angelaufen und angegriffen. Gegen Udinese Calcio und den FC Zürich ergatterte der BVB so viele Bälle. Der FC St. Gallen präsentierte sich etwas pressingresistenter. Die Balljagd ist auf jeden Fall wieder eröffnet.

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Die Standards: Probleme nach ruhenden Bällen scheinen die Schwarzgelben auch in die neue Saison zu begleiten. Gegen Seattle, Udinese und St. Gallen fielen Gegentore nach Standards, es gab einige weitere gefährliche Situationen. Diese Kümmerkarte ist also noch längst nicht abgearbeitet.

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