Bittencourt: Jürgen Klopp hat mir definitiv in meiner Entwicklung geholfen

mlzBVB-Gegner Hoffenheim

Als 18-Jähriger wechselte Leonardo Bittencourt zu Borussia Dortmund. Über Hannover und Köln ging es im vergangenen Sommer nach Hoffenheim. Im Interview spricht der Offensivspieler über Ziele, Entwicklung und das DFB-Team.

Dortmund

, 08.02.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 5 min

Gegen die Bayern kann man verlieren, in Freiburg haben Sie gewonnen, das 1:1 gegen Düsseldorf aber trübt die Stimmung deutlich. Wo fehlt es momentan bei der TSG?
Wir wollten nach dem gewonnen Spiel gegen Freiburg eine kleine Serie starten. Dann kommt ein Spiel, was du eigentlich gewinnen musst, es aber nicht schaffst - da ist es doch normal, dass man unzufrieden ist. Wir haben am vergangenen Wochenende kein gutes Spiel gemacht und nicht die Leistung abgerufen, zu der wir imstande sind. Ich denke, unser Trainer hat dazu die richtigen Worte gefunden und ich hoffe, dass wir die richtige Reaktion zeigen.

Anzeige



Sieben der vergangenen neun Partien in der Bundesliga endeten remis, auch in der Champions League waren die beiden Unentschieden gegen Lyon der Knackpunkt für das Ausscheiden. Fehlt 1899 der letzte Punsch, um Spiele am Ende zu gewinnen?

Wenn man da das Hinspiel gegen Dortmund sieht (1:1, Anm. d. Red.), ist das sicher ein Abbild von vielen Spielen gewesen, die wir nicht für uns entscheiden konnten: Dortmund hatte, glaube ich, einen Schuss aufs Tor, das war das Tor - wir hatten ausreichend Chancen, um das Spiel 3:1 oder 4:1 zu gewinnen. Das ist uns in der Partie und in vielen anderen aber nicht gelungen. Um ganz oben dabei zu sein, musst du aber nun mal Spiele gewinnen.


Zwei, drei Siege mehr statt Unentschieden, und die TSG wäre dick im Geschäft um die Champions-Plätze. Wie sehen Sie die Chancen, am Saisonende noch zu den besten Vier zu gehören?

Wenn du zu Hause gegen Düsseldorf nicht gewinnst und schon etwas mehr hinten dran bist an Platz vier, brauchst du erstmal nicht an die Champions League denken. Unser Ziel ist zunächst, generell die internationalen Plätze anzupeilen. Wir wollen es zudem erst einmal wieder schaffen, regelmäßig Spiele zu gewinnen, eine Serie starten, und dann wird man sehen, wofür es reicht.

Bittencourt: Jürgen Klopp hat mir definitiv in meiner Entwicklung geholfen

Mit der TSG spielt Bittencourt (r.) bislang eine durchwachsene Saison - aktuell belegt die TSG in der Bundesliga Rang acht. © picture alliance/dpa

Nach dem 1:1 gegen Düsseldorf ist es unruhig in Sinsheim. Fans haben sich vor allem auf den Trainer eingeschossen, der den Klub ja am Saisonende verlässt. Wie nehmen Sie das wahr?

Wir wollen ja als Spieler selbst unbedingt wieder nach Europa. Und der Trainer ist extrem ehrgeizig und will Hoffenheim zum dritten Mal nacheinander in den internationalen Wettbewerb führen. Alle haben also dasselbe Ziel - und da wäre es sinnlos, es einfach nur so dahinlaufen zu lassen.


Erfolg lässt immer die Erwartungshaltung bei den Fans steigen. Ist sie in Hoffenheim zu groß?

Das ist doch überall so, dass die Erwartungshaltungen steigen. Aber das kommt ja auch nicht nur von außen, auch wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst, dem wir gerecht werden wollen. Insgesamt kann man hier in Hoffenheim vergleichsweise ruhig arbeiten.


Sie kamen als 18-Jähriger zum damaligen Double-Sieger BVB. Wie haben Sie Verein und Mannschaft damals wahrgenommen?

Die Euphorie war sehr groß. Wie die Jungs mich damals aufgenommen haben, war Weltklasse, das kannte ich in dieser Form nicht. Es war eine herausragende Mannschaft, mit jungen, aber auch erfahrenen Spielern.


Dann haben Sie zunächst ein halbes Jahr lang vorwiegend in der zweiten Mannschaft gespielt. War der Schritt rückblickend zu groß oder dennoch richtig?

Es war sicherlich ein großer Schritt, aber definitiv ein richtiger für meine Laufbahn. Klar hatte ich anfangs mehr in der zweiten Mannschaft gespielt, aber in der dritten Liga, von daher war das auch okay. In der Rückrunde war ich dann komplett oben dabei und habe viele Spiele gemacht. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, das Jahr unter Trainer Jürgen Klopp hat mir definitiv in meiner Entwicklung geholfen.

Bittencourt: Jürgen Klopp hat mir definitiv in meiner Entwicklung geholfen

In der Saison 12/13 trug Bittencourt (r.) das Trikot des BVB. © dpa

Gibt es noch Kontakt? Allzu viele Spieler von damals sind ja gar nicht mehr da…

Genau, von damals sind nur noch Marco Reus, Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer übrig geblieben. Von daher ist es persönlich eher ein Spiel wie jedes andere - aber dennoch ist es immer besonders, in Dortmund zu spielen. Man kennt die Atmosphäre, es ist wahnsinnig laut, von daher ist Dortmund unabhängig, ob man schon dort gespielt hat, eine schöne Reise (grinst).


Nach nur einem Jahr der Wechsel zu Hannover 96. Weil Sie klare Signale hatten, dass es in Dortmund schwierig bleiben würde?

Ich bin ehrgeizig und habe nicht gesagt: Es reicht mir, beim BVB unter Vertrag zu stehen, aber dann vielleicht mehr auf der Bank zu sitzen. Ich wollte Fußball spielen, deswegen wollte ich etwas Neues machen, bei dem ich mir sicher war, dass ich mich so in der Bundesliga etablieren kann. Das hat bei Hannover gut geklappt.


Würden Sie sich jetzt, mit 25, als gestandenen Erstliga-Spieler bezeichnen?

Wenn man in dem Alter knapp 150 Spiele gemacht hat, dann gilt man sicher als gestandener Bundesliga-Spieler (lacht). Das macht mich stolz, und ich hoffe, es kommen noch einige dazu.


Sie haben sich in Köln sehr wohl gefühlt, dann kam der Abstieg und die Anfrage der TSG. Auch Bremen und RB Leipzig sollen um sie geworben haben. Warum war es keine Option, beim sofortigen FC-Wiederaufstieg mitzuhelfen, wie es beispielsweise Jonas Hector gemacht hat?

Es war definitiv eine Option, der Abschied aus Köln nach dem Abstieg ist mir schon schwergefallen, ich habe lange darüber nachgedacht. Aber letztlich habe ich die Chance bekommen, unter einem der besten Trainer der Bundesliga zu trainieren und Champions League zu spielen. Darum habe ich mich dafür entschieden, diesen Schritt zu gehen.


Wussten Sie bei Ihrer Zusage, dass Julian Nagelsmann in seine letzte TSG-Saison gehen würde? War die Zusage unabhängig davon, dass es ja klare Signale gab, dass er gehen würde am Ende dieser Saison?

Das war bei unseren Gesprächen, die schon recht früh stattgefunden haben, kein Thema. Aber mal ehrlich, man kann doch im Fußball ohnehin nie genau wissen, wie lange man mit einem Trainer zusammenarbeitet.


Sie haben damals als Wechselgrund auch genannt, dass Sie hoffen, von seiner Arbeit profitieren zu können. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Absolut. Ich habe zuletzt schon mal gesagt, dass mein Kopf größer geworden ist, seitdem ich hier bin (lacht). Julians Training und seine Spielphilosophie sind sehr komplex - es sind viele Details, auf die er wert legt, und Dinge, die ich vorher anders gemacht habe. Aber ich komme damit immer besser zurecht und versuche weiterhin, all das aufzuschnappen, was mich weiterbringt.

Dahinter verbarg sich auch die Hoffnung, vielleicht mal bei Joachim Löw anklopfen zu können. Wie realistisch ist das aktuell?

Wenn man alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hat, existiert natürlich auch der Wunsch, es in die A-Nationalmannschaft zu schaffen. Wichtig ist aber dafür allein die Leistung im Verein, darauf liegt mein kompletter Fokus. Alles weitere wird man sehen.


Nagelsmann lässt sie, anders als die Trainer bei Ihren vorherigen Vereinen, überwiegend im zentralen Mittelfeld spielen. Liegt Ihnen das mehr, als über die Außenbahnen zu kommen?

Ich habe in den vergangenen sechs, sieben Jahren eher auf den Außenpositionen gespielt, von daher war das jetzt schon eine kleine Umstellung, mehr im Zentrum zu agieren. Aber vom Spielertyp her ist das überhaupt kein Problem für mich.


Bei einer Niederlage am Samstag drohen die internationalen Plätze außer Sichtweite zu geraten. Wie muss die TSG das Spiel angehen?

Wir müssen kompakt als Mannschaften auftreten und brauchen keine Angst haben. Wir haben oft genug bewiesen, dass wir mit Top-Mannschaften mindestens mithalten können und auch in der Lage sind, solche Teams zu schlagen. Klar, Dortmund hat zu Hause noch kein Spiel verloren und steht zurecht dort oben - aber wir haben ebenso viel Qualität, das haben wir bereits in Hinspiel gezeigt.


Sie haben unter der Woche Pause gehabt, während Dortmund nach dem kräftezehrenden 1:1 in Frankfurt auch noch im Pokal gefordert war. Könnte das ein Vorteil sein?

Klar, es könnte schon von Vorteil sein, dass wir vielleicht etwas frischere Beine haben. Aber auf der anderen Seite sind sie es auch gewohnt, unter der Woche zu spielen. Sie wissen, was auf sie zukommt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt