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Kommentar

Blamage gegen Mainz: BVB zeigt anderes Gesicht – nicht nur sportlich

Borussia Dortmund blamiert sich gegen Mainz, die sportliche Leistung ist erschreckend schwach. Aber nicht nur die. Dirk Krampe kommentiert.

Emre Cans rüdes Foul an der Mittellinie gegen Burkhardt, Axel Witsels Tritt von hinten in die Beine von Latza, der Griff von Raphael Guerreiro ins Gesicht eines Mainzers – die schwächste Saisonleistung ließ bei einigen Spielern im BVB-Trikot das Frustrationslevel bedenklich in den roten Bereich rutschen.

Auch in diesem Punkt zeigte Borussia Dortmund beim 0:2 gegen die abstiegsbedrohten Rheinhessen ein Gesicht, das man bislang nicht kannte von dieser Mannschaft. Das Entsetzen über die eigene Darbietung muss auch im inneren Zirkel groß gewesen sein, anders lassen sich diese Aussetzer kaum erklären.

Spannungsabfall: BVB zeigt schwächstes Heimspiel der Saison

Das schwächste Heimspiel der Saison allein mit dem nicht zu leugnenden Spannungsabfall nach erfolgreicher Qualifikation für die Champions League zu begründen, oder aber mit der (nicht zu bestreitenden) Tatsache, dass der Borussia sieben Spieler (und damit die Möglichkeit zur Rotation) fehlten, all das wären zu billige Entschuldigungen. Die Elf, die auf dem Platz stand, hatte allemal mehr Qualität als die der Mainzer, aber sie versuchte im Schongang und mit einem Lucky Punch zum Erfolg zu kommen. Das war schon in Düsseldorf so ähnlich, da kaschierte der positive Ausgang eine ähnlich farblose Darbietung noch.

Wer Michael Zorc, den ehrgeizigen Sportdirektor, nach der Partie vom Platz stapfen sah, der wusste: Spätestens jetzt gibt es Redebedarf. Denn Platz zwei ist nun wieder in Gefahr. Dortmund kann noch froh sein, dass sich auch RB Leipzig nicht mit Ruhm bekleckerte. Verliert der BVB am Samstag im direkten Duell um die Vizemeisterschaft und ginge der Titel als „bester vom Rest“ an einen Konkurrenten, der in Dortmund ähnlich unbeliebt ist wie Revierrivale Schalke, hätte dies auch Einfluss auf die Gesamt-Bewertung dieser Spielzeit.

BVB-Leistung gegen Mainz wird hängen bleiben

Dabei hatte die Borussia vor allem in der Rückrunde die Hoffnung genährt, als ärgster Konkurrent der Über-Bayern in der kommenden Saison einen neuen Anlauf nehmen zu können. Diese Partie aber wird zweifellos in den Klamotten hängen bleiben – und womöglich längst zur Seite gelegte Diskussionen wieder neu aufflammen lassen.

Lucien Favre wird darum kämpfen, dass am Ende ein positives Bild in den Köpfen bleibt. Auch er aber wirkte während der 90 Minuten ratlos an der Seitenlinie. Und ob seine müde und überspielt wirkenden Spieler in der Lage sind, ihm in diesem Punkt zu folgen, daran sind Zweifel erlaubt. Es waren nicht nur die Jungen, die gegen Mainz enttäuschten. Ihnen würde man Leistungsausreißer nach unten noch am ehesten verzeihen. Doch auch die Abteilung „Erfahrung“, mit Spielern wie Piszczek, Witsel, Bürki, Can und Hummels ausreichend stark besetzt, blieb am Mittwoch erschreckend weit unter ihren Möglichkeiten.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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