BV Leblos 09

DORTMUND Es macht doch noch Spaß, Borussia Dortmund Fußball spielen zu sehen. Am Sonntag musste man dazu nur das Training der Versager von Karlsruhe (1:3) besuchen und seinen Kopf um circa 180 Grad drehen. Auf dem Nebenplatz kickten die B-Junioren der Borussia zeitgleich Bayer Leverkusen mit 5:2 in Grund und Boden.

von Von Sascha Fligge

, 30.09.2007, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kruska (links), Buckley: Kolektives Versagen.

Kruska (links), Buckley: Kolektives Versagen.

Die Profis brachten am Morgen nach dem „kollektiven Versagen“ (Trainer Thomas Doll) eine mehr als einstündige Aussprache in der Kabine hinter sich. Der Plan, den Sonntag auf dem Münchner Oktoberfest zu verbringen, wurde verworfen. Immerhin entschloss sich der Kader, ausgerechnet beim Rivalen Schalke in die Lehre zu gehen – Medienboykott auf unbestimmte Zeit.

Boykottiert hatten die Profis in Karlsruhe bereits rund 5000 BVB-Fans. Nur der gesperrte Florian Kringe sowie die Debütanten Patrick Njambe und Christopher Nöthe zog es nach dem 1:3 – Tore: Porcello (25.), Eggimann (64.) und Freis (74.) für Karlsruhe, Wörns (41.) per Abstauber für den BVB – in die Kurve der Anhänger. Der Rest spielte Verstecken, allen voran Kapitän Christian Wörns (Foto/35), der seit Wochen Hauptdarsteller in seinem eigenen Stummfilm ist und sich inzwischen den Spott einiger Kollegen zuzieht. KSC-Stürmer Sebastian Freis, der das erste Saison-Stürmertor des Aufsteigers zum 3:1 (74.) erzielt hatte, witzelte: „Die BVB-Innenverteidiger sind ja etwas reifer. Die kommen nicht immer hinterher.“

  Zuvor hatten Hajnal (2./36.), Freis (4.) und Franz (16.) den Manndecker schwindelig gespielt. Warum neben ihm erstmals seit dem zweiten Spieltag Robert Kovac dilettieren durfte und Martin Amedick noch immer keine Chance bekam, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis von Trainer Thomas Doll.

Der hatte sein Team, das zum zweiten Mal in Serie gegen ein 4-2-3-1 antrat, abermals gründlich umgebaut. Statt mit Raute (Doll: „So fühlen wir uns am wohlsten“) ließ er mit der Doppel-Sechs Kruska/Tinga und den vorgeschobenen Außen Federico/Buckley spielen. Federico ergoss sich an alter Wirkungsstätte jedoch in Leblosigkeit, sogar die Torhüter hatten bis zur 60. Minute mehr Ballkontakte als er. Mittelfeldmann Jakub Blaszczykowski wiederum musste in ein Rechtsverteidiger-Kleidchen schlüpfen, das ihm nie passte.

Der BVB vor 29 300 Fans in Karlsruhe – ein Fußball-Alptraum mit weniger als 40 Prozent Ballbesitz, 1:9 Torchancen und 6:15 Torschüssen. „Wir müssen uns jetzt austauschen“, sagt Doll. Also alles wie immer.

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