BVB-Abteilungen geschockt und traurig

DORTMUND Am Sonntag, kurz vor 14 Uhr, stand Bernd Möllmann in der Brügmann-Halle. Wie immer bei Heimspielen des Tischtennis-Zweitligisten Borussia Dortmund. Und doch ist an diesem Tag alles anders.

von Von Dirk Krampe

, 01.03.2009, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Möllmann begrüßt den Gegner, "unsere Freunde aus Bergneustadt. Auch ihr habt davon gehört, dass es für lange Zeit das letzte Mal sein wird, dass ihr hier zu Gast seid". Seine Stimme stockt, dann wendet er sich an die Zuschauer. Heute sind nur gut 30 da, sonst sind es über 100 im Schnitt. Es hat sich herumgesprochen, dass dieser BVB auf Abschiedstournee ist. Während Möllmann redet, ist es totenstill in der Halle.

Möllmanns Rede ist bewegend. Er verweist auf die Tradition. "15 Jahre lang haben wir in der 2. Bundesliga gespielt." Sagt, dass es weitergehen muss. "Weiter gehen wird." Die sechs Spieler haben vom beschlossenen Aus für die Bundesliga-Mannschaft am Samstagabend erfahren, zwei sogar erst eine Stunde vor Spielbeginn. Sie alle werden den Klub verlassen.

Entsetzen

Borussia Dortmund am Tag nach der Entscheidung des Präsidiums, künftig ohne die beiden Bundesliga-Mannschaften Tischtennis und Handball in den Spielbetrieb gehen zu müssen. Es herrscht Entsetzen, Fassungslosigkeit. Und große Trauer. Im Gästebuch auf der Internetseite der BVB-Handballerinnen drücken Fans ihren Unmut über die Entscheidung aus. Verständnis äußert niemand. Einige wollen ihre Fußball-Dauerkarten abgeben, die meisten haben in KGaA-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Schuldigen ausgemacht. Es ist eine emotionale Diskussion. Keine faire, zugegebenermaßen. Aber das kann man wohl auch nicht erwarten.

Die Abteilungsleitungen haben damit zu tun gehabt, Teammitglieder und verdiente Ehrenamtler zu informieren. "Der Frust sitzt tief", sagt Jochen Busch, Sportleiter bei den Handballern. Seine Spielerinnen haben sich gestern Nachmittag zur Krisensitzung getroffen. Die vier Holländerinnen, die bei ihrer Nationalmannschaft weilen, wurden von Busch per Telefon informiert. Auch bei ihnen Frust pur. Und Wut. Busch sagt: "Die fragen mich, warum sie so blöd waren, mit Grippe zu spielen und für uns auch noch ihre Gesundheit riskiert zu haben." Eine Antwort hatte er darauf nicht.Wo ist die Zukunft?

Während die "Profis" wie Tessa Cocx oder Willemijn Karsten wohl anderswo unterkommen können, stellt sich für andere auch die Frage nach der Zukunft. "Ich habe selten gespielt, konnte mich nicht empfehlen", sagt zum Beispiel "Mieke" Köhler. Das Eigengewächs hat in Bochum ein Studium aufgenommen, arbeitet "nebenbei" noch auf der BVB-Geschäftsstelle. "Ich hätte gern 2. Liga hier gespielt", sagt sie. "Jetzt muss ich schauen, wie es weitergeht."

Ihr jetziger Trainer, Gustl Wilke, hat nach einer schlaflosen Nacht die Initiative ergriffen und ein Modell erarbeitet, wie die Handballer als ausgelagerte "Spielbetriebs-GmbH" überleben könnten. "Mit 100- bis 120 000 Euro könnten wir ein junges Zweitliga-Team mit Perspektive stellen", sagt Wilke. Das große Problem: In vier Wochen endet die Frist zur Einreichung der Lizenzunterlagen. Wenig Zeit. Wilke sagt offen: "Ich frage mich, ob da Kalkül hintersteckt. Es ist ja nicht so, dass diese Situation neu ist für das Präsidium." Viele Fragen sind noch offen. Antworten gibt es kaum. Noch sitzt der Schock zu tief.

 

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