BVB-Abwehrchef Mats Hummels laboriert weiterhin an Knieproblemen. © imago / Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Abwehrchef Hummels kehrt zurück – mit Sorgen im Gepäck

BVB-Abwehrchef Mats Hummels wird am Dienstag in Bad Ragaz erwartet. Doch die Patellasehnen-Probleme des 32-Jährigen könnten Borussia Dortmund bis weit in die Saison beschäftigen.

Seinen letzten Urlaubstag hat Mats Hummels am Steuer eines Bootes auf einem Kanal und mit Freunden verbracht. Das Wetter war gut, Hummels steuerte mit nacktem Oberkörper, die Laune war ganz offensichtlich blendend. Am heutigen Dienstag wird der Abwehrchef in Bad Ragaz erwartet. Dort ging am Montag kurz vor Ende des Nachmittagstrainings ein heftiger Regenschauer nieder, auch für Dienstag sind die Aussichten gemischt.

Das linke Knie von BVB-Abwehrchef Hummels bereitet Sorgen

Vielleicht, aber das ist nur Spekulation, wird auch Hummels‘ Laune eher bewölkt sein, wenn er sich nach der Ankunft in die Hände der Physiotherapeuten und Medizinier begibt. Vor knapp zwei Wochen erwischten ihn Kameraobjektive, als er nach einer Untersuchung aus der Praxis von Bayern- und Nationalmannschafts-Arzt Dr. Jochen Hahne die Säbener Straße in München entlangschlenderte. Mit Tapes an beiden Knien.

Sorgen bereitet aktuell vor allem das linke. Eine Entzündung der Patellasehne, die Hummels immer wieder mal schon während der abgelaufenen Saison und dann auch bei der Europameisterschaft beschäftigte und die beim Strecken und Beugen des Knies Schmerzen verursacht. Im Februar verpasste Hummels deshalb das Pokalspiel gegen den SC Paderborn (3:2 n.V.), eins von nur drei Pflichtspielen, die er nicht bestreiten konnte. Nach dem letzten Test vor der EM gegen Dänemark musste der Innenverteidiger einige Tage mit dem Training kürzertreten, spielte dann aber in allen vier Partien. Die Hoffnung, dass die Schmerzen im Urlaub deutlich zurückgehen würden, erfüllte sich aber nicht.

Hummels-Einsatz beim Pokalspiel des BVB scheint ausgeschlossen

Hummels‘ Probleme beschäftigen auch Borussia Dortmund, wo die Sorge um den Fitnesszustand bei einem der absoluten Führungsspieler derzeit noch nicht öffentlich geführt wird. Als Hummels bei der EM über die erneut auftretenden Beschwerden klagte, hieß es aus der medizinischen Abteilung des DFB, Ruhe und Entlastung würden das Problem beheben können. Eine Einschätzung, die auch nach Hummels‘ Besuch in München weiter Bestand hat. Eine Operation werde nicht in Betracht gezogen, hieß es dort. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute: Wie lange das Knie Ruhe benötigt und wie weit in die Saison hinein sich die Therapie ziehen wird, lässt sich nicht genau sagen.

Auch Marco Rose wartet sehnsüchtig auf gute Nachrichten in der Causa und wird sich erst einmal freuen, einen weiteren Stammspieler endlich im Mannschaftskreis versammeln zu können. Und vielleicht werden die kommenden Tage bis zur Rückkehr nach Deutschland auch mehr Klarheit bringen. Dass Hummels in Bad Ragaz gegen den Ball treten wird, sei nicht geplant, ist aus dem Klub zu vernehmen, damit ist auch sein Mitwirken im Pokalspiel in Wehen-Wiesbaden am Ende der kommenden Woche ausgeschlossen.

Mats Hummels soll seine Blessur vollständig auszukurieren

Eine Woche später startet mit der Heimpartie gegen Eintracht Frankfurt die Bundesliga-Saison. Selbst wenn Hummels in der Pokalwoche ins Training einsteigen könnte, wäre sein Mitwirken gegen Frankfurt nach nur knapp zwei Wochen Vorbereitung wohl ein zu hohes Risiko. Wasserstandsmeldungen zum Zustand seines Abwehrchefs hält Rose für nicht zielführend. Angesichts der Erfahrungen mit den Problemen in der vergangenen Saison und dem Droh-Szenario eines viel längeren Ausfalls bei zu früher Beanspruchung soll Mats Hummels die Zeit bekommen, die es braucht, um die Blessur vollständig auszukurieren. Nur weiß niemand, wie lange dieser Zeitraum dauern wird.

Hummels‘ Ehrgeiz, das hat die vergangene Spielzeit gezeigt, ist weiter groß. Auch der Oberschenkel zwickte zwischendurch, kleinere Wehwehchen kamen hinzu. Immer mussten ein paar Tage reduziertes Training und intensive Behandlungen reichen. Und meistens stand er im nächsten Pflichtspiel wieder in der Abwehr.

Akanji und Can beim BVB zu Saisonbeginn wohl erste Wahl

Auch aktuell ist der Druck groß. In Manuel Akanji ist derzeit nur ein gelernter Innenverteidiger fit, Emre Can wäre eine Alternative, die Rose relativ schnell zur Verfügung stehen könnte. Auch diese beiden kommen allerdings aus einer anstrengenden Saison inklusive anschließender Europameisterschaft und starten erst in dieser Woche mit der Vorbereitung.

Weil Dan-Axel Zagadou und Somaila Coulibaly noch mehrere Wochen fehlen werden und sich auch Nnamdi Collins verletzt ist, hat Trainer Rose hier in Bad Ragaz daher mehrere Innenverteidiger der U23 im Training. Antonios Papadopoulos und Lennard Maloney sind die Kandidaten, denen aus diesem Kreis am ehesten Chancen eingeräumt werden, im Test am Samstag gegen Athletic Bilbao bekamen die beiden allerdings aufgezeigt, dass auf Top-Niveau die Luft wesentlich dünner ist als in der 3. Liga.

Gerüchte um mögliches BVB-Interesse an Merih Demiral

Die Situation in der Innenverteidigung ist angespannt. Kein Wunder also, dass Borussia Dortmund auch Ausschau nach möglichen Verstärkungen hält und prompt aus Italien mit Merih Demiral in Verbindung gebracht wird. Die 35 Millionen Euro Ablöse, die der Juve-Verteidiger kosten soll, sind jedoch fernab jeder umsetzbaren Größenordnung. Ob ein Leihgeschäft eine realistische Alternative darstellen könnte, hängt zum einen von Juves Bereitschaft ab, sich auf ein solches Modell einzulassen – und wohl auch von den Signalen, die Mats Hummels aussendet. Sollte er tatsächlich länger ausfallen, muss Borussia Dortmund eigentlich reagieren.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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