„Keine Top-Truppe“: BVB-Abwehrchef Mats Hummels legt den Finger schonungslos in die Wunde

mlzBorussia Dortmund

BVB-Abwehrchef Mats Hummels erlebt eine gruselige Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte - und wählt nach der Klatsche von München Worte, die nur wenig Gutes erahnen lassen.

München/Dortmund

, 10.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Spätestens nach 80 Minuten war die Rückkehr die Münchner Allianz Arena für Mats Hummels endgültig eine zum Vergessen. Ivan Perisic brachte den Ball scharf vor das Tor, Hummels hielt den Fuß rein. Eigentor. 0:4. Der Endstand.

Es war ein Eigentor, das Hummels nicht verdient hatte. Denn trotz dieses Missgeschicks war der 30-Jährige in den 80 Minuten zuvor der einzige Feldspieler in Schwarzgelb gewesen, der den Eindruck hinterlassen hatte, für dieses Topspiel beim Rekordmeister, das am Ende eher einem Trainingsspielchen des FC Bayern München gegen einen überforderten Sparringspartner glich, gewappnet zu sein. Er hatte als einziger Dortmunder Abwehrspieler mehr Zweikämpfe gewonnen als verloren (57 Prozent) und mit 88 Prozent die mit Abstand beste Passquote in Borussias Defensivverbund vorzuweisen.

Hummels ist der einzige BVB-Spieler auf Augenhöhe mit den Bayern

Kurzum: Hummels war in einer desolaten Dortmunder Mannschaft der einzige Feldspieler, der gegen übermächtige Bayern auf Augenhöhe mit dem Gegner agiert hatte. Allein in Durchgang eins hatte er mehrmals Schlimmeres verhindert und zumindest dafür gesorgt, dass der BVB nur mit einem 0:1 in die Halbzeitpause gegangen war. So lange es irgendwie ging, hatte er, der Borussia Dortmund in Abwesenheit von Marco Reus und Lukasz Piszczek als Kapitän aufs Feld geführt hatte, in der Abwehr zusammengehalten, was an diesem Abend nicht zusammenzuhalten war.

„Es ist ein Zeichen für uns, dass wir keine Top-Truppe sind.“
Mats Hummels

Und so sprach Hummels nach der Partie erstmals in dieser Saison auch öffentlich Klartext, nachdem er zuvor, beispielsweise nach der Niederlage in Mailand (0:2) oder der gefühlten Niederlage in Freiburg (2:2) vornehmlich diplomatische Worte gewählt hatte. „Es ist ein Zeichen für uns, dass wir keine Top-Truppe sind“, sagte Hummels auf die Frage, was diese Klatsche in München bedeute. Der BVB könne an guten Tagen eine sein, „aber eine Top-Mannschaft muss eben auch an schlechten Tagen trotzdem noch eine Top-Mannschaft sein. Das schaffen wir in dieser Saison vor allem auswärts zu selten“.

Hummels sagte diese Sätze ganz ruhig und unaufgeregt, aber er legte den Finger schonungslos in die Wunde. Wenn er die Gründe für die Niederlage auf eine Sache runterbrechen müsse, meinte Hummels, dann auf das „Dagegenhalten“. Man müsse ja aufpassen, welche Wortwahl man da treffe, „aber es geht ums Dagegenhalten, wenn der Gegner voll da ist, auch körperlich. Da gibt es ein paar zu viele Zweikämpfe, in denen wir uns fallen lassen und einen Freistoß haben wollen, obwohl der Gegner einfach richtig im Zweikampf ist. Damit kann man eben auch ein Zeichen setzen - für die eigene Mannschaft, aber halt auch negativ für die andere Mannschaft.“ Und dann sagte Hummels auf die Frage, wie man Herr über dieses Problem werden könne, noch folgenden Satz: „Wissen, dass es so ist - und etwas härter zu sich selbst werden.“

BVB-Team hat große Probleme, wenn es auf Widerstände trifft

„Wissen, dass es so ist.“ Das heißt nichts anderes, als dass Einsicht der erste Weg zu Besserung ist und dass es an der Einsicht in der Dortmunder Kabine womöglich schon hapert. „Und etwas härter zu sich selbst sein.“ Das heißt in erster Linie nichts Gutes und könnte eine ganz gute Erklärung dafür sein, warum diese Dortmunder Mannschaft voller Hochbegabter so große Probleme bekommt, wenn sie auf Widerstände trifft.

Jetzt lesen

Dabei hatte Hummels bereits auf dem Platz versucht, seine Mitspieler wachzurütteln. Nach einer knappen halben Stunde, als er im eigenen Strafraum zweimal in höchster Not geklärt hatte, schlug er sich mit beiden Händen auf die Brust und forderte seine Mannschaftskollegen zu mehr Selbstvertrauen, zu einer besseren Körpersprache auf. Brust raus, Männer! So lautete wohl die Botschaft. Sie blieb unerhört. Die Ansage, die Hummels später in den Katakomben der Allianz Arena in Richtung der Mitspieler formulierte, sollte dagegen tunlichst Gehör finden. Es braucht nun mal mehr als eine Ansammlung von viel Talent, um eine Spitzenmannschaft zu sein und auf höchstem Niveau zu bestehen. Und die meisten BVB-Profis, so scheint es, können von Hummels und dessen Erfahrung noch viel lernen.

Lesen Sie jetzt