BVB-Abwehrchef Mats Hummels spielt einen eklatanten Fehlpass - und findet ehrliche Worte

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Ausgerechnet BVB-Abwehrchef Mats Hummels unterläuft in Barcelona ein folgenschwerer Fehler vor dem zweiten Gegentreffer. Dortmunds Routinier ist extrem angefressen - findet aber ehrliche Worte.

Barcelona

, 28.11.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er kam geradewegs aus der Kabine und stellte sich. Und zwar entwaffnend ehrlich. Mats Hummels analysierte schonungslos selbstkritisch, warum Borussia Dortmund gerade in Barcelona gescheitert war: An Hummels‘ eigenem fatalen Bock – plus einem aufgedrehten Zauberfloh aus Argentinien.

Ein heftiger Nackenschlag für Hummels und den BVB

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Es lief die 33. Spielminute. Der BVB war gerade dabei, das 0:1 (29.) aus den Trikots zu schütteln, sich wieder aufzubäumen. Warum auch nicht, schließlich hatte die Borussia dem FC Barcelona in der Anfangsphase des Duells ordentlich Gegenwehr geboten, selbst gute Chancen herausgespielt.

„Ich befürchte, dass tatsächlich mein Fehlpass vor dem 0:2 das Spiel entschieden hat.“
Mats Hummels

Doch dann das: Der bis dato gute Hummels, der seine Abwehrkette umsichtig dirigiert hatte und einmal in höchster Not gerettet hatte, patzte. Der Dortmunder Abwehrchef spielte vor dem eigenen Strafraum den Ball unbedrängt in die Füße Frenkie de Jongs - und schon ging die spanische Post ab. Drei schnelle Pässe und Lionel Messi schob zum 0:2 ein. Ein heftiger Nackenschlag, von dem sich die Schwarzgelben nicht mehr erholten. Der Traum vom Coup im Camp Nou, er platzte jäh in dieser Sekunde. Ausgerechnet wegen Hummels.

Es sprach für den einstigen Weltmeister, dass er gar nicht erst versuchte, um den heißen Brei herum zu reden - sondern sich selbst auslieferte. „Ich befürchte, dass tatsächlich mein Fehlpass vor dem 0:2 das Spiel entschieden hat. Denn sich aus einem 0:2-Loch in Barcelona herauszugraben, das ist sehr schwierig“, sagte er eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff auf dem Weg zum Mannschaftsbus. Und bevor irgendein Fußballexperte seinen Bock sezieren würde, tat er es lieber persönlich. „Es war ein eklatanter Fehlpass, unnötiges Risiko, schlecht gespielt - das wurmt mich extrem“, gestand er.

Messi spielt dem BVB Knoten in die Unterschenkel

Hummels haderte mit sich, mit den Kollegen wollte er aber nach dem 1:3 und dem Sturz auf Tabellenplatz drei in der Champions-League-Gruppe F nicht zu hart ins Gericht gehen. Schließlich habe es „auch gute Phasen im Spiel“ gegeben, „da haben wir genau das gemacht, was wir wollten“. Vor allem in den ersten 20 Minuten der Partie. Da hatte der BVB mutig attackiert, konzentriert agiert, Barcelonas Offensivwucht nur wenig zur Entfaltung kommen lassen.

Und insgesamt, so Hummels, seien „Einsatz und Moral heute nicht schlecht gewesen. Wir haben uns auch nach dem 0:2 nicht unterkriegen lassen und uns gewehrt.“ So stehe am Ende eines intensiven Spiels zwar kein Ende der sportlichen Krise in der Bilanz. Aber: „Es war zumindest kein Schritt tiefer in die Krise rein“, betonte Hummels. Und womöglich hätte es sogar zu deutlich mehr gereicht, wenn nicht dieser „la Pulga“, der Floh, wie ein großes Monster gespielt hätte. Lionel Messi. Der 1,70 Meter kleine Argentinier drehte auf und den Borussen Knoten in die Unterschenkel, er beschwor mehr als ein Dutzend brandgefährlicher Aktionen herauf, er legte zwei Tore auf, schoss eins selbst und der Ball gehorchte ihm auf nahezu magische Weise.

Hummels lobt Messi in den höchsten Tönen

Beim Anblick von Messis Kunst geriet sogar der mehrfach ausgetanzte Hummels ins Schwärmen. „Er ist für mich der beste Spieler, den ich in meinem Leben gesehen habe. Er ist offensiv beinahe perfekt, er hat im Eins-gegen-Eins so viele Waffen, mit denen er einen schlagen kann“, sagte Hummels, der trotz seiner Routine, seiner Zweikampfhärte und seines Einsatzes kaum etwas auszurichten vermochte gegen die Dribbelshow des unbändigen Argentiniers. Hummels brachte es kurz vor Mitternacht auf den Punkt: „Respekt für diese Leistung. Lionel Messi hat heute den Unterschied ausgemacht.“

BVB-Abwehrchef Mats Hummels spielt einen eklatanten Fehlpass - und findet ehrliche Worte

Nicht zu stoppen! Mats Hummels (l.) hat im Zweikampf mit Lionel Messi das Nachsehen. © dpa

Und so habe Barcelona auch verdient gewonnen. Seine Borussia hatte sich viel vorgenommen und hätte „natürlich lieber ein besseres Ergebnis mitgenommen. Aber es ist jetzt nichts passiert, wofür wir uns als Mannschaft schämen müssten.“ Zum Siegen verdammt ist der BVB jetzt trotzdem, wenn er in der Königsklasse überwintern will.

BVB-Showdown gegen Slavia Prag - und hoffen auf Barcelona

Stand jetzt ist nur die Teilnahme an der Europa League im neuen Jahr gesichert. Schlägt der BVB in zwei Wochen zuhause Slavia Prag, dann wäre Teil eins der Achtelfinal-Mission erfüllt. Aber der BVB benötigt zeitgleich Schützenhilfe des bereits qualifizierten FC Barcelona in Mailand. „Wir müssen hoffen, dass Barca ähnlich engagiert in Mailand zu Werke geht, wie sie es heute gegen uns getan haben“, sagte Mats Hummels, der mit einem Augenzwinkern anfügte: „Vielleicht hat Barcelona nochmal Bock auf ein Rückspiel gegen uns in der K.o.-Phase, dann können sie sich gerne gegen Inter anstrengen.“

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