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Borussia Dortmund

BVB-Allzweckwaffe Thorgan Hazard: Warten auf den „Segen“

In der ersten BVB-Saison äußerst wertvoll, in der zweiten oft verletzt: BVB-Trainer Marco Rose erklärt, warum er sich so über das Comeback von Thorgan Hazard freut - und was dem 28-Jährigen noch fehlt.

Thorgan Hazard ist seinem Trainer einen Schritt voraus. Er kennt die wütenden Pfiffe, die auch ihm bei seiner Rückkehr nach Mönchengladbach in den Ohren dröhnten. Die Fohlen-Fans missbilligen seinen 25,5 Millionen Euro teuren Wechsel zum BVB im Sommer 2019 noch heute. Bei seinem dritten Gastspiel als Dortmunder im Borussia-Park am Samstag (18.30 Uhr, live bei Sky) würde er die Schmähungen gerne ertragen: Hazard will und muss endlich wieder regelmäßig Fußball spielen.

Thorgan Hazard hat beim BVB oft mit Verletzungen zu kämpfen

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass sich der 28-Jährige im ersten Saisonspiel gegen eben jene Gladbacher einen Muskelfaserriss zuzog. Den fiesen Stich im Oberschenkel, das klare Symptom für diese Verletzung, kannte er gar nicht bis dahin. Diese und die Folgeverletzungen setzten ihn monatelang außer Gefecht.

Die Arbeitsnachweise im Vergleich: Nach 2391 Bundesliga-Minuten (33 Liga-Einsätze, 7 Tore, 13 Assists) in seiner ersten BVB-Saison folgten nur noch 654 Minuten (16, 4, 6) in der Spielzeit 20/21. Seit einem Jahr stand er nur in einem einzigen Bundesliga-Spiel für 90 Minuten auf dem Platz. Im Frühjahr kam er zwar wieder in Tritt und spielte für Belgien eine vorzeigbare Europameisterschaft. Doch seit Mitte August bremsen ihn Probleme am Sprunggelenk erneut aus.

BVB-Trainer Marco Rose: „Thorgan Hazard ist polyvalent“

Sein sechsminütiges Comeback gegen Union Berlin am Sonntag hinterließ Wirkung, ihn plagten am Montag Schmerzen. „Am Mittwoch war er aber wieder voll dabei“, sagt Trainer Marco Rose. Er hofft, dass er seinen „wichtigen Spieler“ künftig voll einplanen kann, auch wenn es „am Samstag wohl noch nicht für 90 Minuten reicht“. Hazard käme allerdings zupass, meint der Coach, „dass er ein Spieler ist, der auch mit einem Kaltstart zurechtkommt und der nicht viel Anlaufzeit benötigt, um wieder viel Spielzeit zu generieren“.

Warum Rose den belgischen Nationalspieler wie seine Vorgänger so gerne im Kader hat, erklärte er ausführlich. Neben der „Stabilität und Verlässlichkeit“, die den vierfachen Familienvater auf wie neben dem Platz auszeichnen, gehöre auch dessen Portfolio an Qualitäten zu den Vorzügen: Eine gute Ballbehandlung, großes Spielverständnis, ordentliche Dribbelstärke und ein gutes Tempo zählt der Trainer auf. Weil er sich darüber hinaus „defensiv stark verbessert“ habe, sei er ein „polyvalenter“, also ein vielseitig einsetzbarer Spieler geworden. Wo er ihn am liebsten einsetzen wolle? Roses verblüffende Antwort: „Ich habe gar keine 1-A-Position für ihn im Kopf.“

Thorgan Hazard steht beim BVB selten im Rampenlicht steht

Für sein Heimatland Belgien hat sich Hazard als Flügelverteidiger einen Stammplatz erobert, dort beackert er links wie rechts die Außenbahn vor einer Dreierkette. Dies sei auch in Dortmund eine Option, ließ Rose durchklingen. Seine Nummer 10 könne aber auch genau dort, „auf seiner Lieblingsposition“ (Rose) eingesetzt werden, oder offensiv auf dem Flügel, wo sonst Alternativen fehlen. Oder als zweite, bewegliche Spitze und sogar als Achter im Mittelfeld. Allein diese unvollständige Liste verdeutlicht: Hazard kann eine flexible Allzweckwaffe darstellen, den BVB schwer ausrechenbar machen und Ausfälle in diversen Mannschaftsteilen kompensieren. Das alles mache ihn zu einem „wichtigen Faktor“, bestätige Rose, Hazard sei „ein Segen“.

Neben der unvorteilhaften Verletzungsserie ein Dilemma: Auf fast jeder der genannten Positionen gibt es Spezialisten, die in ihrem Fachbereich eventuell einen Tick versierter sind. Auch dieser Umstand mag dazu führen, dass Hazard (Vertrag bis 2024) weniger im Rampenlicht kickt als manche Nebenmänner. Rose will ihn dazu anleiten, aus dem guten Gesamtpaket heraus noch ein oder zwei Fähigkeiten weiter auszubauen. „Er könnte in einem Teilbereich noch herausragend werden“, meint sein Trainer, zum Beispiel „noch mehr Torjäger, noch mehr Eins-gegen-eins-Spieler, der Flanken schlägt und selbst zum Torabschluss kommt.“

Das wäre Schritt zwei. Schritt eins ist die Rückkehr nach Gladbach am Samstag und der fromme Wunsch, dass der „Segen“ für die Mannschaft mit Gesundheit gesegnet bleibt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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