Geschwindigkeit wird zum entscheidenden Faktor im Fußball. Borussia Dortmund setzt kein Tempolimit - und schickt die wohl schnellste BVB-Flügelzange aller Zeiten in die nächste Saison.

Dortmund

, 11.07.2019, 17:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hohes Tempo gehört zu den entscheidenden Schlüsseln für modernen, dynamischen Fußball. Das gilt im Zentrum, vor allem aber auf den Flügeln. Auf den Außenbahnen gibt es noch am häufigsten die weiten Wege, die freien Rasenflächen, den Platz für Sprinter.

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Und unter Cheftrainer Lucien Favre kommt den Hochgeschwindigkeits-Kickern beim BVB eine besonders Bedeutung zu, weil es für den 61-jährigen Schweizer gegen tiefstehende Gegner nur zwei Rezepte gibt: Passspiel oder Dribbling – und das am besten kombiniert mit ganz viel Tempo.

Schulz sprintet: Nr. 13 in der Liga

Nico Schulz hat sich genau dadurch zum zweitbesten Außenverteidiger der Liga aufgeschwungen. „Genau wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft werden wir von seiner Physis, seinem Tempo und seiner extremen Dynamik sehr profitieren“, erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei der Verpflichtung des 26-Jährigen. Mit gemessenen 34,8 km/h liegt er auf Rang 13 der schnellsten Bundesliga-Spieler 2018/19, außerdem überzeugte er mit starken Zuspielraten und zielsicheren Pässen auch tief in der gegnerischen Hälfte.

Bei den „Progressive Runs“, mit denen die Statistiker die Läufe mit Ball über mehr als zehn Meter oder in den Strafraum hinein messen, liegt Schulz auf Rang vier der Liga. Sein Vortrieb ist also eine echte Waffe – die der BVB künftig nutzen will, zumal der Ex-Hoffenheimer jetzt in die besten Karrierejahre startet. „Achraf Hakimi und Nico Schulz - schnellere Außenverteidiger als wir wird niemand haben“, frohlockte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

BVB auf Speed - so viel Tempo hatte Borussia noch nie im Team

Achraf Hakimi (l.) gehört zu den schnellsten Spielern der Bundesliga. © imago

Hakimi mit 35,1 km/h geblitzt

Hakimi hat im Dortmunder Trikot bereits nachhaltig verblüfft, was seine Spurtfähigkeiten angeht. Der Marokkaner wurde mit 35,1 km/h geblitzt, ist damit flottester Dortmunder und zweitschnellster Spieler ligaweit (hinter Lukas Klünter, Hertha BSC, 35,4). Wie Hakimi mit seinem Tempo in die Tiefe geht, damit Lücken reißt und Gegenspieler überläuft, das hat Eindruck hinterlassen.

In 28 Pflichtspielen sammelte er – für einen Verteidiger phänomenale – zwölf Scorerpunkte (3 Tore, 9 Vorlagen). Zwischen seinem Pflichtspieldebüt Ende September und seinem Mittelfußbruch im März gehörte er als Beschleunigungsmaßnahme trotz seiner Defizite in der Defensive zum Stammpersonal.

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Sancho sprintet unermüdlich

Vor den Außenverteidigern mit den besten Aussichten auf einen Stammplatz tummeln sich zwei Flügelstürmer mit ähnlichen Vorzügen. Auf der rechten Seite fallen die Blicke auf Jadon Sancho, der nach seiner raketenmäßigen Vorsaison im Fokus steht.

Auch er ist schnell (34,6 km/h) und vor allem ein fleißiger Sprinter; Seine 37 Spurts pro Spiel hieven ihn auf Platz drei in dieser statistischen Sonderwertung. Permanent kurbelt er die Offensive an, ob mit oder ohne Ball. Dass er die Kugel auch im höchsten Tempo beherrscht und jede falsche Bewegung seiner Gegenspieler kompromisslos ausnutzt, macht ihn umso wertvoller für Favres Fußball.

BVB auf Speed - so viel Tempo hatte Borussia noch nie im Team

Das Laufduell zwischen Mario Götze (l.) und seinen neuen Mannschaftskollegen Thorgan Hazard dürfte der Neuzugang aus Mönchengladbach gewinnen. © dpa

Hazard macht's mit Tempo

Auf der gegenüberliegenden Seite winken Neuzugang Thorgan Hazard viele Einsätze. Der Belgier erreicht zwar nicht die Höchstgeschwindigkeiten seiner Mitstreiter und kommt „nur“ auf 34 km/h, dafür ist er jedoch ein Laufwunder. Rund 1000 Sprints in der Vorsaison bedeuteten einen Topwert in der Liga, außerdem ist er der zweiterfolgreichste Dribbler.

Einen Bestwert erzielt er sogar bei den „Progressive Runs“: 114 Läufe mit Ball über mehr als zehn Meter oder in den Strafraum hinein zählten die Datensammler. Bekommt Hazard die Kugel an den Fuß, macht er meistens was daraus. „Thorgan ist ein erfahrener Bundesliga-Profi und belgischer Nationalspieler, der uns mit seinem Tempo und seiner Abschlussqualität helfen wird“, meint BVB-Sportdirektor Zorc.

Wie geschaffen für Favres Fußball

Alle vier schnellen Männer scheinen wie geschaffen für Favre und seinen Fußball beim BVB. Die Gelegenheiten zum Kontern werden zwar nicht steigen, aber aus dem geordneten Aufbauspiel der Borussia heraus ergeben sich immer wieder diese bekannten überfallartigen Attacken aus dem Positionsangriff. Hier sind die Flügelspieler gefordert, wenn sie zur Grundlinie ziehen können - oder die Außenverteidiger, wenn ihre Vorderleute in die Mitte rochieren und die Bahn räumen.

Tempo ist der Schlüsselfaktor, um Favres einstudierte Spielzüge mit Höchstgeschwindigkeit erfolgreich einzusetzen. Dazu braucht es Geduld, um den richtigem Moment vorzubereiten und abzuwarten – und dann eben Tempo, sobald sich Lücken auftun.

Auf den Flügeln hat der BVB demnächst beim Speed fast kein Limit mehr.

Bei Ex-Borusse Pierre-Emerick Aubameyang täuschen entweder die Augen oder die Messwerte. Er liegt mit 34,64 km/h nicht auf einem vorderen Rang bei den schnellsten Bundesligaspielern aller Zeiten. Beim FC Arsenal postete er einen anderen Wert: 10,1 Meter pro Sekunde - das wären 36,4 km/h. Übrigens: Usain Bolt lief bei seinem 100-Meter-Weltrekord 37 km/h - durchschnittlich!
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