© imago images/Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Dauerbrenner: Darum ist jetzt eine Pause für Jude Bellingham so wichtig

Ohne ihn ist Borussia Dortmund derzeit schwer vorstellbar: Jude Bellingham hat sich flugs zur immens wertvollen BVB-Stammkraft gemausert. Jetzt bekommt der Youngster eine Pause verordnet – und die ist dringend nötig.

Es war noch einmal ein untrüglicher Beweis für seine unstillbare Gier. Wie Jude Bellingham gegen den FC Augsburg der Müdigkeit trotzte, war schlicht beeindruckend. Er lief fast elf Kilometer, zog die meisten Sprints und intensiven Läufe aller Borussen an und avancierte zum besten Zweikämpfer des BVB. Und das, obwohl der Akku des jungen Engländers eigentlich schon längst leergezogen war.

BVB-Youngster Jude Bellingham reist nicht zur Nationalmannschaft

Alles oder Nichts, Bellingham konnte einfach nicht anders, als auch gegen Augsburg Bellingham-Fußball zu spielen. Nicht so dominant, so prägend wie in etlichen Spielen zuvor, aber erneut aufgrund seiner Präsenz und Furchtlosigkeit ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Schwarzgelben. An genau diesen Zustand haben sie sich in Dortmund längst gewöhnt. Es kam nicht von ungefähr, dass Trainer Marco Rose schon vor dem Duell mit Augsburg daran erinnern musste, dass „Jude bei aller Leistungsfähigkeit erst 18 Jahre alt ist“. Sollte heißen: Bitte die Erwartungen an den Teenager nicht zu hoch schrauben.

Und endlich ist nun der Zeitpunkt da, auch Ausnahmekönner Jude Bellingham eine Verschnaufpause zu gönnen. „Jude will immer spielen“, verriet Marco Rose, doch der englische Verband entschied nun gemeinsam mit Bellinghams Eltern, dass die WM-Qualifikationsspiele der Engländer gegen Andorra und Ungarn ohne ihn über die Bühne gehen werden. Nationalcoach Gareth Southgate schont seinen Youngster. Der soll stattdessen nun in Dortmund durchschnaufen. Regenerieren. „Ich begrüße diese Entscheidung, sie ist sehr schlau“, betonte Marco Rose. Schließlich weiß er genau, welch hohe Belastung sein 18-jähriger Schützling über einen langen Zeitraum wegstecken musste.

Star-Trainer Pep Guardiola schwärmt von BVB-Profi Bellingham

Am 22. Juli 2020 bestritt der Mittelfeldspieler das letzte Spiel für den englischen Zweitligisten Birmingham City. Trotz 49 Pflichteinsätzen für den Verein und die englische U18-Nationalmannschaft in den Beinen konnte er sich nicht ausruhen, denn bereits eine Woche später stieg er ins Training seines neuen Klubs Borussia Dortmund ein.

In der Bundesliga schwang er sich relativ schnell zur festen Größe im Team auf, auch im DFB-Pokal kam er in allen Spielen inklusive des Finals zum Einsatz. Seine Qualitäten als kluger Ballverteiler und dribbelstarker Antreiber blieben auch auf der Insel begehrt. Zunächst feierte Neu-Borusse Bellingham als 17-Jähriger sein Debüt für die U21 Englands als bislang jüngster Spieler der Geschichte, im November 2020 kletterte er gar direkt gegen Irland in Southgates A-Team. Schnell war klar: Bellingham ist einer dieser Unverzichtbaren für die Schaltzentrale einer Mannschaft, die man nur im absoluten Notfall auf die Bank setzt. Star-Coach Pep Guardiola schwärmte von Bellinghams Fähigkeiten, von dessen aggressiver Arbeit gegen den Ball, von dessen Spielverständnis. Von dessen Reife.

Jude Bellingham stand in allen Spielen des BVB auf dem Platz

Und genau aufgrund dieser Vorzüge blieb die Belastung für den Dortmunder Mittelfeld-Motor hoch: Keine Pause nach der vergangenen Saison, stattdessen Testspiele im Juni und der Kräfte zehrende EM-Einsatz für England bis ins Finale. Dann gab es zwar drei Wochen Urlaub, aber die reichten nicht wirklich. „Physisch und mental“ sei so viel auf Bellingham eingeströmt, dass die Abschaltphase eigentlich zu kurz gewesen sei, so Marco Rose.

Nur was sollte er machen? Er, der neue BVB-Chefcoach, er brauchte seinen Schützling unbedingt, der Dortmunder Kader war zu Saisonbeginn aufgrund vieler verletzter Profis arg ausgedünnt. Also musste Bellingham liefern. In allen bislang sieben Bundesligapartien der neuen Spielzeit stand er auf dem Platz, auch im DFB-Pokal und in der Champions League bot Rose ihn auf. Und in beiden Königsklassen-Duellen avancierte der 18-Jährige zur entscheidenden Figur. Tor und Vorlage beim 2:1 gegen Besiktas, Vorlage zum 1:0 gegen Sporting. Aber eben, Supercup und ein Einsatz für Englands Nationalelf mitgerechnet, auch schon wieder zwölf Einsätze binnen acht Wochen.

Bellingham vor harten Wochen: 17 Spiele mit England und dem BVB

Und das Programm nach der Länderspielphase bis Weihnachten verheißt ebenso keine Wellness. Im Gegenteil: Bellingham könnte als Stammkraft in allen Wettbewerben in neun Wochen bis zu 17 Mal gefordert sein: Zehn Mal Bundesliga, DFB-Pokal gegen Ingolstadt, im November zwei Mal für England und vier Auftritte in der Champions League. Kein Wunder also, dass Marco Rose mahnt: „Wir müssen auf die Jungs aufpassen und dürfen sie nicht verheizen.“ Die zwei Wochen jetzt bis zum nächsten Einsatz für Schwarzgelb gegen Mainz am 16. Oktober bieten also auch vorbeugend wertvolle Regenerationszeit. Auf das Jude Bellingham seine unstillbare Gier dann wieder (etwas) ausgeruht abrufen kann.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
Zur Autorenseite
Sascha Klaverkamp

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.