BVB dementiert Nervosität und bangt um Offensivduo

Topspiel gegen Nürnberg

Als Spieler standen beide gemeinsam in der Hessen-Auswahl, als Bundesliga-Trainer sind sie am kommenden Samstag Konkurrenten: Für BVB-Trainer Jürgen Klopp (43) geht es um den Meistertitel, Nürnbergs Dieter Hecking (46) will mit seiner Mannschaft in die Europa League einziehen.

DORTMUD

von Von Sascha Fligge

, 28.04.2011, 22:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lucas Barrios wird in einem Krankenhaus in Paraguays Hauptstadt Asuncion behandelt.

Lucas Barrios wird in einem Krankenhaus in Paraguays Hauptstadt Asuncion behandelt.

Mit einem jungen Team, das auch von einigen Leihspielern getragen wird, kletterte Nürnberg überraschend auf Tabellenplatz sechs und hat in der Rückrunde lediglich einen Zähler weniger eingefahren als der BVB. Klopps Mannschaft wiederum kann am Wochenende unter Umständen vorzeitig den siebten Meistertitel der Klubhistorie einfahren. Nämlich dann, wenn seine Mannschaft die Franken bezwingt und Leverkusen im Derby beim 1. FC Köln nicht gewinnt. Am vergangenen Wochenende war die Konstellation nahezu deckungsgleich, doch Leverkusen gab sich gegen Hoffenheim keine Blöße (2:1), und der BVB rutschte nach wankelmütiger erster (Klopp: „Wir waren zu unruhig, wollten alles zu schnell regeln“) und dominanter zweiter Hälfte mit 0:1 in Mönchengladbach aus.

„Vor Gladbach musste ich mich gegen frühe Glückwünsche wehren, seit der Niederlage bin ich damit beschäftigt, Leute zu beruhigen“, betont Klopp angesichts des schmelzenden Vorsprungs auf Bayer. In dieser Woche, berichtete der rhetorisch gewandte Coach, sei ein Fan nach dem Training auf ihn zugegangen und habe gegrölt: „Wenn Ihr‘s jetzt nicht macht, werd‘ ich Schalker!“ Offenbar wertete Klopp die Aussage als Fall für den Jugendschutz. „Dieser Mann hat wohl vergessen, dass Kinder in der Nähe standen“, sagte der Trainer. Seine Mannschaft muss vor 80.720 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park am Samstag womöglich erneut personellen Aderlass verkraften. Torjäger Lucas Barrios, gerade erst genesen und gegen Mönchengladbach zumindest in der Schlussphase Teil der Mannschaft, sagte seine Teilnahme am Training aufgrund erneuter Schmerzen im Oberschenkel ab, Kevin Großkreutz fehlte wegen einer noch nicht näher definierten Knieverletzung.

Nervös sei er dennoch nicht, betonte Klopp, das große Zittern habe er zuletzt „während meiner Abiturprüfung gespürt. Denn damals war ich scheiße vorbereitet“. Sein Kader, der erst vier Saisonniederlagen einstecken musste – zwei in der Vorrunde, zwei in der Rückrunde – hat in der jüngeren Vergangenheit häufig bewiesen, dass er Ausfälle von Leistungsträgern mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit wegstecken kann. „Eine unglaubliche Leistung“, meint Klopp. Diesmal allerdings könnte es ein bisschen happig werden, falls neben dem torgefährlichsten Mittelfeldakteur (Shinji Kagawa) und dem stärksten Feldspieler der Hinrunde (Nuri Sahin) auch der teamintern beste Torjäger (Barrios/13 Saisontreffer) und zudem die brachiale Physis von Großkreutz fehlte.

Vielleicht ist Klopp am Donnerstag ja auch deshalb sehr bemüht gewesen, sein Team vor dem Spiel gegen die zuletzt häufig in 4-1-4-1-Ausrichtung angetreten Nürnberger aus dem Erwartungs-Schraubstock zu befreien. „Wenn Nürnberg überhaupt noch eine Chance auf die Europa League hat“, sagte er, „dann muss er hier was machen!“ 6500 Fans begleiten die Franken, eine ungewöhnlich hohe Anzahl. Sie können die Chance nutzen, zum drittletzten Mal einen Blick auf ihren Mittelfeldstar Ilkay Gündogan zu werfen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Borussia wolle die grundsätzliche Einigung mit dem umworbenen Techniker erst kommunizieren, wenn das Duell seines jetzigen mit dem designierten künftigen Arbeitgeber ausgefochten ist (wir berichteten bereits vor zwei Wochen). Klopp dementierte zwar nicht das Interesse an Gündogan, aber doch den Abschluss. „Soweit mir bekannt ist, hat sich nichts getan“, sagte er. Aber vielleicht weiß der Trainer ja in der nächsten Woche schon ein kleines bisschen mehr.

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