Keine Mannschaft in der Bundesliga dreht mehr Rückstände in Siege um als Borussia Dortmund. Es ist eine Qualität, die sich durch die gesamte Saison zieht.

Dortmund

, 28.03.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ging ganz früh los in dieser Saison, und hinterher ist es natürlich immer müßig, darüber zu sinnieren, wie es wohl gekommen wäre, wenn der Start in die Hose gegangen wäre. Der Start ging nämlich nicht in die Hose, er ging gut aus.

Schon im Pokal muss der BVB einen Rückstand umbiegen

Ganz früh, das ist in dieser Geschichte der 20. August 2018. Borussia Dortmund stand im DFB-Pokal bei Greuther Fürth Sekunden vor dem Schlusspfiff vor dem Aus. Im ersten Pflichtspiel der Saison drohte die erste Blamage. 1:0 für den Zweitligisten, dann kam Axel Witsel und traf in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich. Und dann kam Marco Reus und traf in der Nachspielzeit der Verlängerung zum 2:1. Frustauftakt abgewendet. In letzter Sekunde.

„Seit dem Spiel in Fürth wissen wir, dass wir immer zurückkommen können.“
Roman Bürki

Roman Bürki hat über dieses Spiel rückblickend einen interessanten Satz gesagt. „Seit dem Spiel in Fürth“, erklärte der BVB-Torhüter nach einem weiteren Last-Minute-Sieg beim 4:3-Wahnsinn gegen den FC Augsburg am siebten Spieltag dieser Bundesliga-Saison, „wissen wir, dass wir immer zurückkommen können.“

Fünf von acht Rückständen in der Bundesliga gedreht

Immer zurückkommen können, das ist nicht die schlechteste Eigenschaft, die sich eine Fußballmannschaft zu eigen machen kann. Und tatsächlich ist in dieser Spielzeit keine andere Mannschaft auch nur ansatzweise so gut im Zurückkommen wie Borussia Dortmund.

Die zwei Niederlagen setzte es in Düsseldorf und Augsburg (jeweils 1:2). Ansonsten gab’s mit Spielschluss trotzdem fast immer Grund zum Jubeln.

  • Aus einem 0:1 gegen Leipzig am ersten Spieltag wurde ein 4:1,
  • aus einem 0:1 in Hoffenheim ein 1:1,
  • aus einem 0:2 in Leverkusen ein 4:2,
  • aus einem 0:1 und 1:2 gegen Augsburg ein 4:3,
  • aus einem 0:1 und 1:2 gegen die Bayern ein 3:2
  • aus einem 0:1 und 1:2 gegen Hertha BSC ein 3:2.

16 Punkte holte der BVB in der Liga nach Rückständen. Das ist mit Abstand Bundesliga-Bestwert. Auf Rang zwei folgt Hertha BSC mit zehn Punkten, auf Rang drei folgen Wolfsburg und Bremen mit jeweils neun geholten Zählern nach Rückständen.

Entscheidende Qualität im Titelkampf?

Immer zurückkommen können, das zieht sich bis auf die Durststrecke im Februar wie ein Roter Faden durch diese BVB-Saison. Und vielleicht wird diese Qualität im Saisonfinale ja zum Zünglein an der Waage. Nicht nur, weil der BVB weiß, dass er zurückschlagen kann, sondern auch, weil die Gegner wissen, dass Borussia Dortmund erst besiegt ist, wenn der Trikotkoffer zu und der BVB-Bus schon wieder auf der Autobahn ist.

„Es geht auch um die Ausstrahlung auf dem Feld. Jeder weiß, dass wir nach vorne immer gefährlich sein können und in jeder Minute für ein Tor gut sind.“ - Michael Zorc

„Es geht auch um die Ausstrahlung auf dem Feld. Jeder weiß, dass wir nach vorne immer gefährlich sein können und in jeder Minute für ein Tor gut sind.“ - Michael Zorc © imago

Michael Zorc nennt diese neue Qualität ein „erklärtes Ziel“. Ihm sei es zwar am liebsten, gar nicht erst in Rückstand zu geraten, aber die Gegenwehr, die der BVB leiste, und der Siegeswille der Mannschaft seien in dieser Saison viel ausgeprägter als in der vergangenen Spielzeit, sagt der BVB-Sportdirektor im Gespräch mit dieser Redaktion. „Es geht auch um die Ausstrahlung auf dem Feld. Jeder weiß, dass wir nach vorne immer gefährlich sein können und in jeder Minute für ein Tor gut sind.“

Der BVB erzielt sechs Tore in der Nachspielzeit

Die Zahlen unterstreichen Zorcs Aussage. Sechs seiner 64 Saisontore erzielte der BVB in der Nachspielzeit, zwei davon waren Siegtreffer. Allein 19 Treffer gelangen in der Schlussviertelstunde, ein weiterer Liga-Bestwert. In den vergangen zwei Spielen beim 3:1 gegen Stuttgart und 3:2 gegen Hertha traf der BVB dreimal in den letzten 15 Minuten des Spiels. Auch deswegen sagt Zorc: „Ich glaube, dass wir die schwächere Phase aus dem Februar hinter uns gelassen haben.“

Und Sebastian Kehl, der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, glaubt: „Die Mannschaft, die es am meisten will, wird es am Ende packen.“ Wenn das stimmt, stehen Borussia Dortmunds Chancen auf die Schale wohl nicht allzu schlecht.

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