Jude Bellingham (M.) erzielte gegen Stuttgart seinen ersten Bundesliga-Treffer für den BVB. © imago / ULMER Pressebildagentur
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Bellingham geht beim 3:2 voran – Guerreiro ein Totalausfall

Borussia Dortmund bestätigt seine aufsteigende Form beim 3:2 in Stuttgart. Bellingham geht voran, Guerreiro ist ein Totalausfall, Knauff fühlt sich wie im Märchen. Die BVB-Einzelkritik.

Marwin Hitz: Hatte nicht viel zu halten vor der Pause. Als er von Kalajdzic eine Aufgabe gestellt bekam, sah er dem Ball nur hinterher und damit irgendwie auch unglücklich aus. Kein Abdruck, keine Flugeinlage, kein Rettungsversuch. Guter Kopfball? Sicher! Völlig unhaltbar? Gefühlt nicht. Beim 2:2 dann machtlos. Note: 4,0

Mateu Morey: Vor dem 0:1 ließ er Sosa unbedrängt flanken, weil er zu zögerlich rausrückte. Dahoud rief noch: „Lass ihn nicht flanken.“ Morey hörte nicht gut genug zu. Er machte seinen Fehler auf der Gegenseite wieder wett. Nach Doppelpass mit Reyna bediente er Reus vor dessen 2:1 perfekt. Leider bediente er später auch den Stuttgarter Kalajdzic perfekt – und lud den VfB so höflich zum 2:2 ein. Guter Ballgewinn dann vor dem 3:2 durch Knauff. Vorne ein bisschen hui, hinten zu viel pfui. Note: 4,5

Manuel Akanji: Musste nach einem schmerzhaften Tritt von Kalajdzic auf die Zähne beißen, hielt aber durch und übernahm in Durchgang zwei nach Hummels‘ Auswechslung die Rolle des Chef-Organisators in der Dortmunder Defensive. Der Schweizer hatte alle Füße voll zu tun. Es reichte am Ende. Note: 2,5


Mats Hummels: Zur Pause war Schluss. Magenkrämpfe zwangen den Dortmunder Abwehrchef zur Auswechslung. Vorher hatte er noch einmal in höchster Not gegen Coulibaly gerettet, als Guerreiro nur die Hacken des Stuttgarter Angreifers gesehen hatte. Super war Hummels‘ Ball auf Reus, dessen Abschluss zu harmlos geriet. Die Gelbe Karte für sein Foul gegen Kalajdzic (31.) war hart, aber vertretbar. Note: 2,5

Raphael Guerreiro: Die Körpersprache des Portugiesen glich im ersten Durchgang der eines nassen Toastbrotes. Ungeröstet. Im zweiten Durchgang unwesentlich besser. Guerreiro haderte, meckerte, winkte häufiger ab als der Linienrichter. Beim 0:1 hatte er keine Chance gegen Kalajdzic, suchte sie allerdings auch gar nicht erst. Der kleine Linksfuß kann einer der Besten bei Borussia Dortmund sein, er kann aber auch so auftreten wie am Samstagabend in Stuttgart. Note: 5,0


Thomas Delaney: Der Däne rückte für Emre Can, der gegen Manchester City vor dem 0:1 böse gepatzt hatte, in die Startelf. Vor dem 0:1 verlor er erst zusammen mit Dahoud den Ball in der eigenen Hälfte und konnte dann Kalajdzics Kopfball im Verbund mit Guerreiro nicht verhindern. Ansonsten wie immer viel unterwegs und um keinen Zweikampf verlegen. Sein Abschluss nach einer Stunde geriet zu harmlos. Note: 3,5

Jude Bellingham: Kurz nach der Halbzeit jubelte der 17-jährige Engländer über sein erstes Bundesliga-Tor, es war ein ganz wichtiges. Sein Schuss aufs kurze Eck sah nicht unhaltbar aus, schlug aber im VfB-Tor ein und brachte den BVB zurück ins Spiel. Was wieder einmal klar ersichtlich wurde: Bellinghams Art, Fußball zu spielen und zu kämpfen, tut Borussia Dortmund unheimlich gut, weil er neben seiner spielerischen Qualität alle Tugenden auf den Platz bringt, die das Herz von Trainer Edin Terzic höher schlagen lassen. Guter Auftritt, dann angeschlagen raus. Note: 2,0


Mahmoud Dahoud: Vor dem 0:1 verlor er den Ball zu leichtfertig, vor dem 1:1 sah und fand er Reyna im Stuttgarter Strafraum. Nach einer Viertelstunde verzeichnete er aus der Distanz den ersten Dortmunder Abschluss, aber Kobel parierte. Wichtige Rettungstat gegen Didavis Fallrückzieher (71.). Unter dem Strich ein solider Auftritt mit dem Makel beim 0:1. Note: 3,0


Giovanni Reyna: Der 18-jährige US-Amerikaner hatte im Hinrunden-Spiel gegen den VfB, als der BVB ein 1:5-Debakel erlebte, sein bislang letztes Pflichtspiel-Tor für Borussia Dortmund erzielt. Dieses Mal traf er nicht, präsentierte sich im Vergleich zu den jüngsten Auftritten aber dennoch deutlich verbessert. Reyna traute ich wieder mal etwas zu, suchte auch die Eins-gegen-Eins-Duelle. Nicht alles klappte so gut wie in der Entstehung des 2:1 durch Reus, aber es war ein großer Schritt nach vorne. Note: 3,0

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Bundesliga, 28. Spieltag: VfB Stuttgart – BVB 2:3 (1:0)

Marco Reus: Der Kapitän fiel gleich zweimal positiv in der Defensive gegen den umtriebigen Coulibaly auf. Nach sieben Minuten eilte er Guerreiro entscheidend zur Hilfe, nach einer guten Stunde eroberte er erneut gegen Coulibaly den Ball, als es für den BVB höchste Zeit wurde. Und vorne legte er nach seinem Tor gegen Manchester auch in der Bundesliga nach. Guter Treffer zum 2:1, guter Auftritt bis zu seiner Auswechslung nach 67 Minuten. Reus humpelte vom Platz, bis Mittwoch muss er wieder fit werden. Note: 2,5


Erling Haaland: Der Norweger traf nicht selbst, aber er legte das 3:2 auf und ließ den Ball vor dem 2:1 mit guter Übersicht durch zu Reus. Als Wandspieler immer wieder ganz ordentlich mit ins Spiel eingebunden. Was vor allem auffiel: Haaland blieb in seiner Körpersprache viel positiver als in den vergangenen Wochen, versuchte vorwegzugehen und immer wieder anzufeuern. Das sah deutlich mehr nach Teamwork aus als ein ums andere Mal in den vergangenen Wochen. Note: 3,0


Emre Can: Nach seinem Patzer in Manchester, als er vor der Abwehr agiert hatte, kam er in Stuttgart nach der Halbzeit wieder im Abwehrzentrum zum Einsatz. Einmal gab er vor dem eigenen Strafraum ein Kabinettstückchen mit der Hacke zum Besten, was durchaus mutig war bei der Erinnerung an den vergangenen Dienstag. Es ging gut – und zeigte, dass man sich in puncto Selbstvertrauen nicht um ihn sorgen muss. Kompensierte den Hummels-Ausfall souverän. Note: 2,5

Ansgar Knauff: Er sei „kein Gast“ mehr, sondern ein „vollwertiges Kadermitglied“, hatten Edin Terzic und Michael Zorc auf der Pressekonferenz vor dem Spiel unisono erklärt. Nach seinem Startelfdebüt in Manchester kam Knauff dieses Mal als Joker ins Spiel – und feierte gleich seine nächste Premiere. Sein erstes Bundesliga-Tor wurde zum umjubelten Siegtreffer. Der 19-Jährige lebt gerade sein persönliches Fußballmärchen. Note: 2,0


Thorgan Hazard (80. für Reyna), Julian Brandt (80. für Bellingham) und Lukasz Piszczek (84. für Morey) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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