Unwiderstehlicher Auftritt im DFB-Pokal: BVB-Torjäger Erling Haaland. © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Haaland einfach unwiderstehlich – Reyna setzt ein Zeichen

60 Tore in 60 Spielen für Borussia Dortmund: Erling Haaland setzt auch beim 3:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden Maßstäbe. Giovanni Reyna meldet sich zurück. Die BVB-Einzelkritik.

Gregor Kobel: Mit Spannung war sein Pflichtspiel-Debüt erwartet worden, halten musste die BVB-Neuerwerbung in den ersten 45 Minuten nur zwei leichte Schüsse, die kein Problem darstellten. Auffällig war, wie offensiv er das Torwartspiel interpretiert, Kobel war permanent unterwegs und dirigierte auch lautstark. Weil Passlack nicht energisch genug klärte, plötzlich im Blickpunkt. Den Ball, den Thiel an ihm vorbeispitzelte, schnappte er sich mit einem energischen Zupacken vor Nilsson (62.). Im Glück, als eine Ecke der Gastgeber verlängert wurde und er kurz die Orientierung verlor (74.). In der zweiten Hälfte deutlich mehr beschäftigt. Note: 3,0

Felix Passlack: Über den robusten Nilsson, der aus dem Zentrum auch immer wieder auf seine Seite auswich, versuchte Wiesbaden den körperlichen Vorteil gegen Passlack auszunutzen. Der stemmte sich mit viel Körpereinsatz dagegen und löste das solide. Nur selten wagte sich Passlack mit nach vorne, nach Bellinghams raumöffnendem Ball hatte er die beste Gelegenheit und stieß bis zur Grundlinie vor. Sein Rückpass landete aber in einem Abwehrbein, da spielte er zu spät (22.). Nach dem Wechsel im Blickpunkt, als er gegen Maximilian Thiel arg nachlässig verteidigte und der Wiesbadner den Ball an Kobel vorbei in Richtung Tor spitzeln konnte (62.). Guter Schuss aus 18 Metern, knapp drüber (68.). Note: 3,0

Antonios Papadopoulos: In Nilsson hatte er einen echten Brecher gegen sich, der Größennachteil machte sich nicht nur in den Kopfballduellen bemerkbar. Die Grätsche des Griechen stoppte immerhin den vorstoßenden Wiesbadener, das war ein Teilerfolg (18.). Nicht immer aber agierte Papadopoulos in seinem Kerngeschäft souverän, auch der ersten Wehener Chance überhaupt ging ein etwas zu lässiger Klärungsversuch des Griechen voraus (62.). Note: 4,0

Manuel Akanji: Aus dem Urlaub quasi auf den Platz, mit seiner Souveränität hielt der Schweizer nach nur einer Woche Teamtraining beinahe alle Angriffe der Gastgeber vom Dortmunder Tor fern. Seine körperliche Verfassung war für die kurze Vorbereitungszeit erstaunlich gut, blieb auch nach der Pause immer Herr der Lage, als Wehen auf den Ehrentreffer drängte. Note: 2,5

Nico Schulz: Gleich mit einer Riesenchance, als er von Reyna bedient wurde und frei vor dem Wiesbadener Tor auftauchte. Nicht energisch genug sein Abschluss, ein Abwehrbein blockte den Ball zur Ecke (2.). Auf seiner Seite danach ohne Fehler, auch defensiv brannte nichts an. Guter Ball auf Haaland (25.). Beschränkte sich auch nach der Pause auf die einfachen Dinge – vielleicht holt er sich ja so dringend benötigtes Selbstvertrauen. Note: 3,0

Mahmoud Dahoud: Im 4-4-2 auf der Sechs viel unterwegs, aber nicht so prägend in der Spieleröffnung, wie er das noch beim Test gegen Bologna vor einer Woche war. Nicht immer folgten seine Mitspieler seinen Ideen, davon zeugten zwei öffnende Pässe in den freien Raum – leider stand dort niemand. Nach der Pause positionierte er sich etwas offensiver und hatte deutlich mehr Zugriff aufs Spiel. Note: 3,0

Giovanni Reyna: Dortmunds auffälligster Spieler der ersten 20 Minuten. Die ersten beiden Großchancen der Borussia leitete er durch energische Antritte mit Ball durchs Zentrum ein. Damit hebelte er die Wehen-Defensive spielerisch aus. Ständiger Unruheherd bis zur Pause. Lässig sein Außenrist-Pass auf Haaland, der dem 3:0 voraus ging (51.). Note: 2,0

Jude Bellingham: Wie Akanji nach nur wenig Training in der Startelf, seine Stärken kamen gleich zur Geltung. Schöner und öffnender Ball auf Passlack (22.), man weiß aus der vergangenen Saison, dass er in Englands zweiter Liga auch gelernt hat, Fouls wegzustecken. Das von Taffertshofer hatte Gelb mehr als verdient, er stand dennoch sofort wieder auf den Beinen. Ein ordentlicher erster Auftritt nach dem langen EM-Sommer. Note: 3,0

Marco Reus: In der Anfangsphase noch unauffällig, wenn auch mit guten Laufwegen. Dann zeigte er seine Klasse: Seinen Freistoß aus 25 Metern kratzte Wehen-Schlussmann Florian Stritzel von der Linie (10.), beim 1:0 war nicht nur sein Pass auf Haaland perfekt. Auch der Lauf mit Ball, bei dem er die Lücke in der Wehen-Abwehr riss, war sehenswert (27.). Auch beim 0:2 kam der zentimetergenaue Ball in den Lauf von Haaland von ihm. Durfte dann früh raus, um Kräfte zu sparen. Note: 2,0

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DFB-Pokal, 1. Runde: SV Wehen Wiesbaden – BVB 0:3 (0:2)

Erling Haaland: Für die Wehener Abwehr ging es einfach viel zu schnell, wenn er das Tempo anzog. Gürleyen vereitelte so eben noch den frühen Einschlag, nachdem Haaland den Torwart schon ausgespielt hatte. Bei einer Zwei-gegen-Eins-Überzahl verdaddelte er den Querpass auf den mitgelaufenen Tigges (25.). Dann aber schlug er zu. Unwiderstehlicher Antritt, guter Laufweg, trockener Abschluss – das war das 1:0. Wie er danach die Lücke erkannte, den Torwart erneut ausspielte und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte, das war Extraklasse. Belohnte sich mit dem sicher verwandelten Elfmeter zum 2:0. So viel Platz wie beim 3:0 darf man ihm nicht lassen (51.). Hätte beinahe auch noch seinem neuen Sturmpartner den ersten Treffer aufgelegt, Malen aber verzog. Note: 1,5

Steffen Tigges: Hatte die dickste Chance in der dominanten Anfangsphase, als seine Volleyabnahme knapp neben das leere Tor ging (3.). Da raufte er sich zu Recht die Haare. Mit viel Laufarbeit, offensiv trat er aber ansonsten nicht in Erscheinung. Machte dann nach gut einer Stunde Platz für Malen. Kam auf nur 20 Ballkontakte. Note: 4,0

Axel Witsel: Comeback auch im BVB-Trikot. Der Belgier kam nach 55 Minuten für Bellingham und wurde von den BVB-Fans frenetisch begrüßt. Fügte sich nahtlos ein. Note: 3,0

Thorgan Hazard (66. für Reus), Donyell Malen (66. für Tigges), Youssoufa Moukoko (84. für Reyna) und Thomas Delaney (84. für Dahoud) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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